zwei flamingos mit vielen küken waten in der blauen lagune von la mata torrevieja
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Stolze Flamingo-Eltern in der blauen Lagune von La Mata Torrevieja, die als Kindergärtner eingeteilt sind. Eine 600-köpfige rosa Rasselbande zusammenzuhalten, dürfte keine Kleinigkeit sein.

Naturwunder in Spanien

Torrevieja: 600 Flamingo-Küken geschlüpft, Lagune an Costa Blanca droht Gefahr

  • vonMarco Schicker
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Größter Bruterfolg seit 40 Jahren: In der Lagune La Mata in Torrevieja wurden selten so viele Flamingo-Küken auf einmal gezählt. Das Coronavirus half, allerdings bedroht nun wieder die Bauwirtschaft das seltene Vogelparadies.

  • Über 600 Flamingo-Küken von 1.000 Brutpaaren sind in der Laguna La Mata de Torrevieja geschlüpft.
  • Ruhe durch Quarantäne des Coronavirus-Notstandes und viel Regen überzeugten Flamingo-Eltern vom Standort.
  • Großbauprojekte und rücksichtslose Menschen gefährden Naturpark La Mata de Torrevieja und weitere Flamingo-Fortpflanzungen.

Torrevieja - Flamingos an der Costa Blanca sind kein so seltener Anblick. In Calp gehören sie praktisch zum Inventar des Lagunen-Sees in der Innenstadt, in Santa Pola staken und stochern sie selbstverständlich durch die alten, aber nach wie vor aktiven Salinen, in El Hondo zwischen Elche und Crevillent und auch in den beiden Lagunen des Naturparks von La Mata in Torrevieja, der rosafarbenen und der blauen, sind sie regelmäßig anzutreffen. Meist sind sie auf der Durchreise zu ihren Brutplätzen in Nordafrika, auf den Kanaren oder im riesigen Naturpark Doñana in Andalusien an der Mündung des Guadalquivir und stärken sich in der Region Valencia.

Dank Corona und Regen: Flamingos finden in La Mata ideale Bedingungen vor

Was sich in der blauen Lagune in La Mata von Torreviena aber in den letzten Tagen abspielte, ist eine kleine Sensation. Mehrere Kolonien der rosa Flamingos, man schätzt rund 1.000 Paare, haben sich so heimisch eingerichtet, dass sie die Lagune zur Kinderstube machten. Mindestens 600 Flamingo-Küken wurden von den Parkaufsehern bisher gezählt.

Flamingos im Naturpark El Hondo zwischen Elche und Crevillent.

Es ist das erste Mal seit 37 Jahren, also seit 1983, dass Flamingos in La Mata wieder Junge zur Welt bringen, der letzte Brutversuch scheiterte 2001, die Tiere wurden damals aufgeschreckt und gaben die Brutplätze vorzeitig auf. Auch an den anderen Stammplätzen der eleganten, rosa gefiederten Schönheiten, deren Grazie auch dem Flamenco-Tanz seinen Namen gab, ist eine erfolgreiche Brut eine absolute Seltenheit. So konnten im Park El Hondo nur in den Jahren 1997 und 1998 und in Santa Pola 1973, 1975 und zuletzt 2002 erfolgreiche Schlüpfungen registriert werden.

Aber noch nie beobachtete man irgendwo in Valencia Küken in dieser Masse, wie jetzt in La Mata in Torrevieja. Die Gesamtzahl von 600 Küken ist nur grob geschätzt, denn die Flamingo-Eltern suchten sich die entlegendste Gegend der Lagune aus, um ihre Kleinen sicher aufzuziehen. Die Parkaufseher, die dem Valencianischen Umweltministerium unterstehen, hatten seit Mitte Mai, als die Nester gesichtet wurden, einen diskreten Überwachsungsplan umgesetzt, um den Flamingos die größtmögliche Ruhe zu garantieren.

Flamingos im andalusischen Naturpark Doñana:

Dass die Quarantänemaßnahmen wegen des Coronavirus für diesen Erfolg ausschlaggebend waren, liegt auf der Hand. Wochenlange Ruhe durch einen zeitweise um über 90 Prozent verringerten Autoverkehr, so gut wie keine Parkbesucher - schon gar nicht mit Hunden, nicht einmal neugierige Ornithologen ließen sich seit dem 14. März, dem Beginn des Notstandes an der blauen Lagune blicken. Außerdem begünstigten die vielen Regenfälle der letzten Monate die Ansiedlung, denn der Wasserstand und auch die Vegetation der Lagune stiegen auf ein für die Flamingos genehmes Niveau an.

Ähnlich günstig war die verringerte akustische Kontamination am und im Meer für die vielen Sichtungen von Delfinen und sogar Finnwale in Dénia an der Costa Blanca. Diese kommen zwar jedes Jahr wieder, aber die Dichte der Sichtungen führen die Naturschützer auf die Entspanntheit der Umwelt zurück.

Ärger im Paradies - Lagunen von Torrevieja schwer gefährdet

Die blaue gehört zwar mit der rosa Lagune, die seit Jahrhunderten für den Salzabbau genutzt wird, zu einem 3.700 Hektar großen geschützten Naturpark, ist aber in mehrfacher Hinsicht gefährdet. Naheliegende Urbanisationen produzieren Lärm, Flamingos brauchen aber zum Brüten absolute Stille.

Der kaum regulierte Abfluss von Regenwasser aus den zubetonierten Urbanisationen - weit mehr, als das, was die Lagunen selbst währende Niederschlägen gleichmäßig absorbieren - verändert permanent die Wasserstände gegen die Natur, was Flamingos, aber auch andere Bodenbrüter gar nicht schätzen.

An der blauen Lagune von La Mata in Torrevieja fanden die Flamingos beste Brutbedingungen vor.

Diese von Menschen gemachten Zuflüsse, die durch Mängel an der Infrastruktur der Wohngebiete - Kostenersparnis der Errichter und fehlender Wille und Mangel an Kontrolle der Kontrollinstanzen - enstehen, haben schon dafür gesorgt, dass die Biochemie der rosa Lagune so verändert wurde, dass sie ihre rosa Farbe verloren hat, weil die dafür zuständigen Bakterien bei sich ständig wechselnden Salzgehalten sich nicht mehr vermehren können.

Hinzu kommt, dass Spaziergänger sich teils nicht an das absolute Hundeverbot halten, weil sie durch die Nachbarschaft und jahrzehntelange Gewohnheit glauben, ein Recht auf die Gassi-Runde durch den geschützten Park zu haben.

Auch Wanderer verlassen mitunter die Wege für ein nettes Fotomotiv. Dabei scheuchen sie nicht nur die Flamingos auf, sondern zerstören auch die Nester vieler geschützter Bodenbrüter. Hinzu kommt die Nähe der Autobahn AP-7 sowie der Nationalstraße N-332.

20.000 neue Bewohner und 7.000 Wohnungen: Flamingos werden das Weite suchen

Blick auf den Naturpark La Mata Torrevieja mit der Lagune. Die Bebauung rückt trotz Schutzstatus immer näher an das fragile Habitat.

Zwischen beiden Lagunen in Torrevieja ist die Errichtung von bis zu 7.100 weiteren Wohneinheiten im Rahmen einer neuen Makro-Urbanisation geplant. Damit werden die letzten grünen "Brachen", die bis jetzt als Schwamm wirkten und beide Lagunen biologisch verbanden zubetoniert. Das Projekt stand wegen der Finanzkrise lange still, wurde aber 2019 reaktiviert und genehmigt.

Es bedeutet bis zu 20.000 neue Einwohner in der sensiblen Gegend, entsprechend mehr Müll, Autoverkehr, Lärm. Umweltschützer und unabhängige Stadtplaner sehen das Projekt aus einer ganzen Reihe von Gründen als unzeitgemäß an, für die Flamingo-Population und mögliche weitere Bruterfolge dürften sie jedoch das Ende bedeuten. In nicht wenigen Rathaus- und Regierungsstuben wird ein erneuter Bauboom als Ausweg aus der Wirtschaftskrise ins Auge gefasst.

Die 600 oder mehr noch grauen Küken der "Flamencos" werden derzeit in Flamingo-Kindergärten aufgezogen, damit die Eltern weiter auf Nahrungssuche gehen können. Was sie dazu gar nicht brauchen können, sind menschliche Besucher, die ein Instagram-Motiv oder nahe Naturerlebnisse suchen. Die Parkranger sind angehalten, die Ruhe der Aufzucht zu garantieren, dazu wurden einige Parkwege gesperrt. Bleiben Sie also auf den vorgeschriebenen Wegen und auf Abstand und genießen Sie die rosa Pracht von Weitem, damit die Flamingos nicht das Weite suchen müssen.

Es gibt während des gesamten Sommers abendliche Führungen durch den Naturpark von La Mata und sechs Mal täglich Fahrten mit dem Touristenzug in die Salinen in der rosa Lagune von Torrevieja.

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