Eine Gruppe von Menschen steht rund um ein Surfbrett am Strand von Orihuela Costa in Spanien.
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Besser spät als nie? Zum Ende der Hochsaison hat Orihuela Costa an der Cala Cerrada einen exclusiven Bereich für Surfer geschaffen.

Urlaubssaison 2020

Strände in Torrevieja: News aus dem Süden der Costa Blanca

  • vonMarco Schicker
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Die Hochsaison, die 2020 in Spanien nie so richtig hoch kam, geht auch in Torrevieja langsam gen Ende. Noch einmal gibt es letzte News aus dem Süden der Costa Blanca und ein wenig Boulevard: Hundestrand, Surf-Bucht, Unfälle, pfiffige Badegeäste und eine neue „Volks“-Polizei.

  • Konflikt um Hundestrand in Torrevieja geht in nächste Runde. Petition kommt auf über 1.000 Unterschriften für alte Lösung.
  • Orihuela Costa hat erstmals eine eigene Bucht für Surfer freigegeben.
  • Torrevieja: Boot mit Leiche entdeckt, Unfall mit Fußgänger, mehr Ampeln im Einsatz.

Torrevieja - Eigentlich stimmt es ja gar nicht, dass die Saison in Torrevieja zu Ende geht, denn wenn die Urlauber abreisen, kommen bekanntlich die Residenten wieder. Zumindest war das bis Coronavirus so. Das Virus und die aus der genialen Koordination zwischen den EU-Staaten resultierenden Unsicherheiten führten dazu, dass manche der Überwinterer gleich in Torrevieja oder Orihuela Costa blieben, andere gar nicht erst kamen und noch andere gerade nicht ein noch aus wissen, ob sie kommen, bleiben oder gehen sollen. Ein paar Konstanten gibt es in Torrevieja dennoch: Die Sonne, das Meer, billiger Stoff, Madrilenen, über die man sich aufregen kann und die Unfähigkeit, einen vernünftigen Hundestrand zu installieren.

Vier Pfoten auf den Barrikaden in Torrevieja: Über 1.000 Unterschriften gegen den neuen Hundestrand

Der Konflikt um den Hundestrand in Torrevieja geht in die nächste Runde. Alba Chazarra, eine Anwohnerin, hat vor rund zwei Wochen eine Unterschriftenaktion gestartet, mit der Forderung an den Bürgermeister, die alten Hundestrände an der Cala del Moro und Punta Margallo wieder in Betrieb zu nehmen und dafür den neuen "Ersatzstrand" zu sperren.

Torreviejas jetzt geschlossener Hundestrand an Punta Margallo. Für Menschen, die außer ihrem Vierbeiner kaum Gesellschaft haben, war der Spaziergang am Meer ein Highlight.

Dieser sei völlig ungeeignet, die Hunde würden sich an scharfkantigen Felsen an den Pfoten verletzten, der Strand sei sehr schwer zugänglich, rutschig und liege außerdem zu nah an der natugeschützten Bucht Lo Ferrís, die von den Hundebesitzern einfach mitbenutzt würde. Daher würden dort auch zu viele Autos auf naturbelassenem Gelände parken. Außerdem sei die Lage ganz am Südende des Stadtgebietes von Torrevieja eine Zumutung für Hundebesitzer aus dem Zentrum oder gar La Mata, die drei bis sieben Kilometer weit entfernt liegen.

In nur wenigen Tagen gelang es der Initiatorin über 700 Unterschriften für ihre Petition zu sammeln. Als dann auch die Oppositionsparteien der Grünen und der PSOE aufsprangen, vermehrten sich die Unterschriften auf über 1.000, weitere kamen am Donnerstag zusammen, an einem Stand auf dem Rathausplatz.

Torreviejas Bürgermeister Eduardo Dolón, PP, hatte im Juni per Dekret die rund 12.000 Quadratmeter der beiden alten Hundestrände in Zentrumsnähe gegen das 1.700 Quadratmeter-Grundstück mit der Begründung getauscht, dass die Fläche „viel besser geeignet sei“ und es an den alten Hundestränden „ständig zu Konflikten“ mit Badegästen gekommen sei.

Der nun ehemalige Hundestrand an Torreviejas Cala del Moro.

Die Petition stützt sich mittlerweile auch auf einen ganzen Stapel von Eingaben an das Rathaus Torrevieja sowie sogar Anzeigen bei der Polizei, die das Tierwohl in Gefahr sehen. "An den alten Stränden gab es weder für die Besitzer noch für die Hunde ein Problem", erklären die Grünen. Lediglich ein paar alteingesessene Familien der Stadt, die diese eher felsigen Strandabschnitte "gepachtet" hätten, beklagten sich über die Einweihung der "playas caninas" im Jahr 2019.

Es sei einfach peinlich, dass eine so große Gemeinde wie Torrevieja die Sache nicht geregelt bekomme, man brauche nur nach Santa Pola schauen, wo es einen vorbildlichen Hundestrand, sogar mit Chringuito gebe. Auch in anderen Gemeinden der Costa Blanca gibt es annehmbare Hundestrände.

Es soll in Torrevieja auch Leute geben, die das Problem weniger beim Hundestrand sehen, sondern bei der schieren Masse an Hunden, die vor allem die engen Straßen der Innenstadt mit Urin und anderen Hinterlassenschaften verpesten. Da hilft kein Spritzwasser oder Plastikbeutel mehr. Aber das sind Einzelmeinungen, Hunde scheiden nach Meinung der Hundefreunde, auch unter unseren Lesern die klare Mehrheit, ja nur Feenstaub aus, der Mensch sei das wahre Schwein.

Pfiffige Strandbesucher in Torrevieja: Strand ins Meer verlegt

Von wegen Corona-Flaute. Bis zu 120 Prozent stiegen die Vermietungen von Kleinbooten bei einem Anbieter im Hafen von Torrevieja an, die ohne Bootsführerschein betrieben werden dürfen. Der Betreiber, der auch Stützpunkte in Alicante und Santa Pola hat, meint, die Leute seien auf den Trichter gekommen, so das unbequeme Strandregime in Torrevieja zu umgehen.

Die Salzverladestation aus dem 18. Jahrhundert im heutigen Sporthafen von Torrevieja. Salz und Torrevieja sind fast ein Synonym geworden.

Der Playa del Cura und die Naturbäder an der Promenade waren faktisch den ganzen August mit 100 Prozent ausgebucht, die Playa de los Locos zu einem Dreiviertel voll. Für mehr Platz und weniger Aufsicht nähmen vor allem Gruppen junger Leute, aber auch Familien sogar Mietpreise von um die 250 Euro für acht Stunden Bootsverleih in Kauf.

Orihuela Costa mit eigenem Surfer-Strand

Die Cala Cerrada an Orihuela Costa, wörtlich die geschlossene Bucht, öffnet sich. Surfer werden hier ab sofort nicht mehr nur geduldet, sondern direkt eingeladen, die Bucht für ihren Sport zu nutzen. Damit geht ein lang gehegter Wunsch der Surfer-Gemeinde in Orihuela in Erfüllung, das Projekt haben sie zusammen mit der Stadt umgesetzt. Ein Info-Schild in Surfbrett-Form informiert über die Vorschriften, die vor allem Badegäste schützen sollen.

Wichtigstes Kriterium: Die Surfer brauchen eine Vereinslizenz, dann können sie ab sofort ganzjährig an der Cala Cerrada loslegen, derzeit täglich von 10 bis 20 Uhr. Ein bisschen schade für die Surfer-Gilde, vor allem aber für die Urlauber, die nicht nur faul herumliegen wollten, dass man die Sache erst zum Ende des Sommers auf die Reihe bekam.

Boot mit Leiche vor Torrevieja aufgebracht

Es gibt auch wieder traurige Nachrichten. Die Seenotrettungseinheit der Guardia Civil hat am Sonntag ein Boot rund 20 Seemeilen vor der Küste von Torrevieja aufgebracht und darin eine verwesende Leiche entdeckt. Der Hinweis auf das herrenlose kleine Boot kam von einem Fischer, die Polizei schleppte es in den Hafen von Torrevieja. Nach ersten Ermittlungen handelt es sich nicht um ein Flüchtlingsboot, die Gerichtsmedizin bemüht sich nun um die Identifizierung der Leiche.

Ampeln sollen Fußgänger in Torrevieja schützen

Torrevieja hat begonnen an gefährlichen Stellen Ampeln zu installieren. Einmal mehr mit Monaten Verspätung wurden jetzt zwischen Hafen, der Strandpromenade, dem Hippie-Markt und dem Parkplatz sowie Rummel Ampeln angebracht, die "in Kürze" funktionieren sollen. Demnächst sollen weitere am Paseo Vista Alegre beim Casino hinzukommen, über weitere Standorte wird noch beraten.

Bella Lola 2, Statue auf der Mole in Torrevieja.

Wie nötig diese "weiteren Standorte" zu sein scheinen, zeigt ein Unfall vom Sonntagabend. Da wurde ein Fußgänger an er der Calle Efrén Gutiérrez Mateo, unweit der Urbi Torreta am Ortsanfang von Torrevieja von einem Auto überfahren. Er wurde im kritischen Zustand mit Mehrfachbrüchen ins Krankenhaus eingeliefert und liegt auf der Intensivstation. Ein 85-jähriger Zeuge des Unfalls musste wegen einer Panikattacke behandelt werden.

Märkte und Fiestas: In Torrevieja wacht die Volkspartei über das Volk - Mit Schlagstock und Leckerli

Wie berichtet, plant das Rathaus von Torrevieja die Bewachung öffentlicher Gebäude sowie von Fiestas und der Wochenmärkte in Torrevieja und La Mata in die Hand privater Sicherheitsdienste zu geben - entgegen der Warnung der Ortspolizei und den Vorbehalten von Juristen. Jetzt wurde bekannt, dass die Stadt dazu bereits im Juni zwei Aufträge vergeben hat. Ohne Ausschreibung und an zwei Unternehmen, die von einem PP-Stadtrat aus Catral kontrolliert werden. Nachfragen der grünen Opposition an den Stadtchef blieben bis dato unbeantwortet, was nicht weiter schlimm ist, weil man die Wahrheit sowieso nicht erfahren hätte.

Vielleicht könnte man die PP-Sicherheitsleute, sozusagen eine neue Volks-Polizei, ja am Hundestrand von Torrevieja patroullieren lassen, um künftige Revolten von Hundebesitzern gegen den Bürgermeister mit Schlagstock und Leckerli gleich im Keim zu ersticken?

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