Torrevieja, die Playa de Los Locos.
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Torrevieja, die Playa de Los Locos. „Immerhin gibt es Parzellen“.

Hochsaison in Spanien

Urlaub in Torrevieja: Polizei löst Massenparty mit 1.000 jungen Leuten auf - Strände von Touristen schon morgens gestürmt

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Torrevieja ist in sommerlicher Hochform: Ein „illegales“ Massenbesäufnis an der Strandpromenade löst einen Großeinsatz der Polizei aus. Und schon am Morgen werden Strände von Urlaubern belagert und überrannt. Schlange stehen wird zum Urlaubsritual.

Torrevieja - In der Nacht von Freitag auf Samstag, 17. Juli, hat die Guardia Civil in Torrevieja ein sogenanntes "botellón", wie die Trinkgelage meist junger Menschen in größeren Gruppen im öffentlichen Raum genannt werden, von "rund 1.000 Personen", aufgelöst. Das meldet die Nachrichtenagentur EFE und diese Meldung hat es sogar in die "El País", Spaniens wichtigste Tageszeitung geschafft, obwohl das Phänomen von Barcelona bis Torrox heute an der Tagesordnung ist. Diese botellones sind verboten, zum Einen, weil der Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum außerhalb von Lokalen untersagt ist, zum Anderen, weil dabei die Corona-Regeln von Abstand und Masken (wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann) verletzt werden. Vom Müll, der hinterlassen wird, ganz zu schweigen.

Polizei löst in Torrevieja Massenparty auf: "Wo sollen die jungen Leute denn hin?"

Gerade in der überwiegend noch ungeimpften Zielgruppe dieser geselligen Treffen ist die Corona-Inzidenz bekanntlich am höchsten, so hoch, dass trotz der meist milderen Verläufe von Covid-19, die Krankenhäuser wieder mehr Arbeit bekommen, vor allem aber die Gesundheitszentren überrannt werden. In Torrevieja lag die 14-Tages-Inzidenz am Freitag bei 79 pro 100.000 Einwohner und damit deutlich niedriger als im Rest der Provinz. Allerdings wird sich das bald ändern, auch wenn unter den vielen Touristen der Stadt kaum getestet wird.

Der Rest vom Fest: So sieht einer der beliebtesten Spazierwege in Torrevieja, der Dique de Levante, nach einer botellón-Nacht aus.

Gegen 2 Uhr nachts habe die Guardia Civil in Torrevieja Anrufe von Anwohnern über Lärm und Massenansammlungen an den piscinas naturales, - das sind die kleinen, ausbetonierten Badebuchten direkt an der zentralen Strandpromenade -, bis hin zur Mole Dique de Levante erhalten. "Die Räumung sei ohne Zwischenfälle oder Widerstand durchgeführt" worden, meldet die Guardia Civil. In den Sozialen Netzwerken ging es daraufhin heiß her, von "unverantwortlicher Jugend" bis Verständnis für die sommerliche Feierlaune, reicht das Spektrum der Meinungen.

Doch es kam auch die Frage auf, wieso die Polizei von Torrevieja eine Ansammlung von rund 1.000 Menschen mitten im Zentrum erst nach Stunden und erst nach Anrufen aus der Bevölkerung bemerkt. Unterbesetzung genügt da als Begründung vielen nicht mehr, eher "gezieltes Wegschauen im Auftrag der Stadt", vermutet ein User. "Wo sollen sie auch hin, wenn um 0.30 Uhr alles dicht ist", sagt ein anderer, "besser dort, als wenn sie in den Wohngebieten Radau machen", lobt ein Dritter.

Mehrere Dutzend Strafmandate wurden verhängt, ab 301 Euro aufwärts. Doch die haben spätestens seit dem Urteil des Verfassungsgerichtes über die Illegalität des ersten Lockdwons in Spanien einen Teil ihres Schreckens verloren, vollzogen werden sie selten und nicht besonders nachrdrücklich und viele warten erst einmal ab, kann ja sein, dass ein Gericht irgendwann auch wieder das Feiern am Strand als bürgerliche Freiheit versteht.

Schlange stehen: Strände im Zentrum von Torrevieja schon am frühen Morgen überfüllt

Doch Torreviejas Strände, vor allem die zentralen - Cura und Locos - sind nicht nur nachts belagert. Ein Video vom "Überfall" auf die Playa del Cura im Zentrum von Torrevieja am frühen Morgen macht derzeit in Web die Runde. Darauf sieht man, wie sich bereits um 6.30 Uhr eine lange Schlange am von Helfern bewachten Strandeingang aufreiht. Der Strand öffnet um 8 Uhr. Und mit dem Glockenschlag stürzen Dutzende Strandbesucher mit ihren Utensilien wie früher beim Schlussverkauf oder bei der Flucht der DDR-Bürger über die ungarische Grenze 1989 über die markierten Parzellen, um für sich den besten Platz zu ergattern. Nach fünf Minuten ist der 375 lange Strand voll, der Strandhelfer muss die Metallbarriere wieder aufbauen, wer 8.05 kommt, muss warten.

Video vom morgendlichen „Sturm“ auf die Strände in Torrevieja, hier: Playa del Cura.

"Da machen sich manche einen Euro nebenbei", kommentiert Marcela das Geschehen auf Facebook, die wissen will, dass etliche in der Reihe bezahlte Platzhalter seien, die "für 30 oder 40 Euro den Platz freihalten, bis die Herrschaft sich gegen 10 Uhr bequemt, zum Strand zu kommen". Andere sagen, "die schicken ihre Putzfrauen vor". Und an anderen Stränden von Torrevieja würden die Strandhelfer einfach überlaufen und die Sonnenschirme früh am Morgen in die erste Küstenlinie gerammt, wo sie dann bis zum Vormittag verlassen stehen bleiben. "Welcher Jüngling von Strandhelfer wird es schon wagen, einem 75-jährigen pensionierten Militär oder Finanzbeamten aus Madrid zu widersprechen und den Sonnenschirm einfach zu entsorgen?" fragt einer auf Facebook und erntet zustimmendes Gelächter dafür. Immerhin gibt es überhaupt Strandwachen und die Parzellen, erwidert ein anderer, sonst "wäre das Chaos total" und eine Userin ergänzt: "Bei diesen Erziehungsvorbildern, braucht man sich über das Verhalten der jungen Generation ja gar nicht wundern."

Torrevieja, Schlange stehen an der Playa del Cura, im Sommer 2021: „Schon ab 8.05 Uhr kein Platz mehr“.

Ein Kommentator der Tageszeitung "Información" weist hingegen auf die Diskrepanz dieser Bilder mit dem Tourismus-Werbevideo der Stadt Torrevieja hin. Dort flimmern Bilder von einsamen Buchten, der idyllischen rosa Lagune und malerischen Flamingo-Kolonien. Doch tatsächlich bedeute der Sommer - und das tut er schon lange - in Torrevieja, vor allem Schlange stehen: Erst am Strand, dann an den Eisdielen und abends an den Restaurants. Und, könnte man ergänzen, nachts bei der Aufnahme der Personalien nach dem botellón. Selbst die Flamingos haben mittlerweile die Flucht aus Torrevieja ergriffen und ihre "Ferienwohnung" verlassen, auch wenn ihre besonders preiswert - aber letztlich zu laut - war.

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