Farbspektakel in der rosa Lagune von Torrevieja
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Farbspektakel in der rosa Lagune von Torrevieja. Salz mit Meerwert.

Rosa Lagune

Salzige Schönheitskur: Torrevieja will Salz-Schlamm der rosa Lagune für Therapien vermarkten

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Die Salzlake der rosa Lagune von Torrevieja soll künftig für Therapien und Kosmetik professionell genutzt werden. Die Stadt träumt gar von einem Bio-Tech-Standort in Sachen Verjüngungskuren. Forscher untersuchten die heilsamen Wirkungen des salzigen Schlammes jetzt wissenschaftlich.

Torrevieja – Dass die Salzlake der rosa Lagune von Torrevieja heilende und wohltuende Wirkung für die Haut, die alten Knochen, den Kreislauf und sogar die Haare hat, das wissen die alten Torrevejenser schon seit Menschengedenken. Auch die Zugezogenen, die ausländischen Residenten Torreviejas haben den rosa Schlamm für sich entdeckt und badeten bis vor kurzem in der Salzwasserlagune, obwohl das aus hygienischen und ökologischen Gründen verboten ist. Das Natur-Spa wollten sich viele nicht nehmen lassen, bis Ortspolizei und Guardia Civil auf Druck der Landesregierung Valencia, die für den Naturschutz zuständig ist, Kontrollen und Bußgelder durchsetzte.

Thalassotherapie in Torrevieja: Naturheilkunde und Kosmetik aus dem Meer

Vor Jahren engagierte ein PP-Bürgermeister sogar einen japanischen Stararchitekten, der für die Lagune in Torrevieja ein Gebäude in futuristischer Schneckenform entwarf aus dem mal ein Schlamm-Spa enstehen sollte. Doch aus dem Wellness-“Kackhaufen“, wie das Volk das Haus taufte, wurde nichts, der Umweltschutz versagte die Genehmigung. Die Schnecke ist mittlerweile mehrfach abgebrannt und wurde zum millonenteuren Investmentgrab.

Salzschiffe, ein selten gewordenes Kunsthandwerk in der rosa Lagune von Torrevieja.

Doch Torrevieja gibt nicht auf und versucht wieder, nicht nur die Landschaft, sondern auch den salzigen Schlamm zu vermarkten. Als Vorarbeit für künftige Kooperationen mit den Salinen oder auch jungen Startups, beauftragte das Rathaus die angesehene Universität Complutense von Madrid (UCM) mit einer wissenschaftlichen Studie, die die Weisheit der Alten mit akademischer Beweisführung verknüpfen sollte. Diesmal hat Stadtoberhaupt ein „Zentrum für Thalassotherapie“ im Sinn.

Hinter dem kryptischen, eigentlich griechischen Namen werden allerlei Behandlungen zusammengefasst: mit kaltem, warmen Meerwasser, Meersalz, Meerluft, Meersand, Salzschlamm, Algen und was sonst noch so aus dem Meer zu holen ist. Frankreich und Tunesien bieten dieses Tourismussegment, das übrigens nicht schulmedizinisch reguliert ist, seit Jahren erfolgreich an. Mit dem naturheilkundlichen Budenzauber und vielen Fremdwörtern lässt sich mehr Geld verdienen als mit dem schnöden Begriff Schlammpackung. Salz mit Meerwert.

EU-Projekt Rosa Lagune: Alternativen zum reinen Strand-Tourismus in Torrevieja

Die EU unterstützt das Projekt in Torrevieja, das auch dazu dienen soll, die Urlaubssaison zu entzerren, ganzjährig Angebote zu erstellen, die schonend mit Ressourcen aus der unmittelbaren Region abgedeckt werden können. Zurück zur Natur also, aber mit Voucher und Voranmeldung. Sieben Punkte hat die UCM herausgearbeitet, in denen die „hypersalinen“ Wässerchen aus der Lagune positiv beim Menschen wirken. Erkenntnisse, die nun sowohl in Therapien, wie auch bei der Entwicklung therapeutischer und kosmetischer Produkte einfließen könnten.

Die rosa Lagune von Torrevieja in den Salinen bietet den Hintergrund für tolle Fotomotive. Der Foto-Stopp ist Teil der Führung.

Da wären: „beruhigende Hauteffekte“, „desinfizierende und reinigende Wirkung auf die Haut“, „schrubbende und erneuernde Wirkungen“, „entzündungshemmende und schmerzlindernde“ Effekte auf Haut und Knochen, ein positiver Effekt auf die Talgproduktion der Haut sowie Effekte, die die Haut samtiger werden lassen und vor „vorzeitiger Alterung“ schützen sollen. Was all diese tollen Wirkungen, samt einer Packung Autosuggestion mit der Psyche der „Patienten“ anstellen, können Sie sich selbst ausmalen.

Die UME hat große Parallelen in der chemischen Zusammensetzung mit dem Toten Meer festgestellt. Naja, ist ja beides Salzlake, Salmuera auf spanisch. Eine weitere Studie der Uni Alicante hat die Bakterien unter die Lupe genommen, die in der Lake leben, einige davon sind ja auch für die rosa Farbe zuständig und will schauen, was man daraus so alles brauen könnte. Für den Bürgermeister, der Dinge gerne ein bisschen größer ankündigt als sie am Ende werden (bis auf die Rechnung für die Bürger), ist schon mal klar, dass Torrevieja jetzt kurz davor steht, zu einem BioTech-Player und europäischen Jungbrunnen aufzusteigen. Doch bis es soweit ist, bleibt das Baden in der Lagune verboten. Aber einen Eimer Salzlake mit nach Hause nehmen, wird wohl kaum jemand unterbinden.

Zum Thema: Brand in der rosa Lagune von Torrevieja vernichtet Pflanzen und Tiere.

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