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Von der Brücke wurde das Salz auf die Kähne darunter getippt. Die Salzverladestation in Torrevieja ist nach 250 Jahren noch relativ gut erhalten.

Stadtentwicklung Torrevieja

Torrevieja bekommt neues Zentrum: Auf Salz gebaut

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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Nach Jahrzehnten des Dornröschenschlafs soll ein ambitioniertes Großprojekt den historischen Salzhafen Torreviejas zum kulturellen Mittelpunkt der Stadt beleben, mit Museum, Event-Bereich und malerischer Promenade. 

Torrevieja – Die Eras de la Sal, die alte Salzverladestation mitten im Hafen von Torrevieja, steht seit Jahrzehnten als ungelöstes Problem auf der To-Do-Liste der Bürgermeister und die alten Gemäuer kommentieren dieses Zögern mit zunehmendem Verfall. Dabei ist der Salzhafen praktisch die Wiege des neuzeitlichen Torrevieja.

An der alten Salzverladebrücke aus dem 18. Jahrhundert präsentieren Torreviejas Bürgermeister und Alicantes Provinzpräsident das 22 Millionen Euro-Projekt der „Eras de la Sal“.

Ende Februar 2021 wurde nun endlich ein Projekt auf die Schiene gebracht, das Hoffnung auf eine sinnvolle Komplettlösung macht. 7,7 Millionen Euro werden die Stadt, die Provinzverwaltung Alicante sowie das Land Valencia in die Renovierung und die Integration der Eras de la Sal, des Salzareals, investieren, wobei jede Verwaltungsebene ihr eigenes Projekt zugeteilt bekommt, das mit den anderen abgestimmt ist.

Torreviejas alter Salzhafen mit Salzmuseum, Veranstaltungszentrum und Schmuckstück für Flanierer

Stimmungsvolle Konzerte den Eras de la Sal von Torrevieja gab es schon lange. Doch die Bausubstanz wurde vernachlässigt. Das soll sich jetzt ändern.

Die Provinzverwaltung Alicante finanziert mit über einer Million Euro die Restaurierung und den Umbau des Veranstaltungsbereichs mitten in der Ruine des 250 Jahre alten Verwaltungsgebäudes, an das ein Zollhaus aus dem 19. Jahrhundert anschließt. Die Bürger und Besucher von Torrevieja kennen das stimmungsvolle Gelände von vielen Konzerten, vor allem auch ihrem Habaneras-Festival. Doch nun sollen ungenutztes Gebäude und „Hof“ zusammengeführt werden und in ein „recinto multiusos“, ein modernes Mehrzweck-Veranstaltungszentrum in den alten Gemäuern, umgewandelt werden.

Von der Brücke wurde das Salz auf die Kähne darunter getippt. Die Salzverladestation in Torrevieja ist nach 250 Jahren noch relativ gut erhalten.

Mit drei Millionen Euro finanziert das Land Valencia das neue Museum des Meeres und des Salzes, Museo del Mar y de la Sal, womit ein weiteres 26 Jahre altes Provisorium in Torrevieja ein Ende finden wird, das die Bürger der Stadt bereits 800.000 Euro Miete gekostet hat, ohne dass das provisorische Salzmuseum als Attraktion zu bezeichnen gewesen wäre. Museale Abstellkammer traf es besser.

Promenade mit Charme: Zugebautes Torrevieja bekommt Chance auf stilvolles Zentrum

Vergessen zwischen Sporthafen und Ferienwohnungen: Torreviejas alter Salzhafen soll wieder eine Rolle im Zentrum der Stadt spielen.

Und schließlich berappt die Stadt bis 2023 weitere 3,3 Millionen Euro, um die Promenade unmittelbar am Hafen sowie die darüber gelegene zu restaurieren, aufzumöbeln und zu bepflanzen und mit dem Paseo Vista Alegre sowie gen Süden mit der Avenida Faleria fußgängerfreundlich zu verbinden. Die wunderschöne hölzerne Verladebrücke, unter der schon vor 230 Jahren die Frachtkähne anlegten, um mit Salz beschüttet zu werden, und die seit Jahren baupolizeilich gesperrt ist, wird dadurch wieder zugänglich gemacht.

Ambivalente Stadtpolitik: Neue Hochhäuser in Sichtweite der alten Salzstation

Das Projekt soll bis Ende 2023 abgeschlossen sein und gäbe Torrevieja die Chance auf ein baulich attraktives und sozial kommunikatives Fleckchen Geschichte im Zentrum. Allerdings werden wohl zur gleichen Zeit in Sichtweite der Salzverladestation zwei Hochhaus-Türme, die ersten in Torrevieja, in die Höhe gezogen, die an der Ernsthaftigkeit des Rathauses, Torrevieja eine nachhaltige und überschaubare städtebauliche Perspektive zu bieten, erhebliche Zweifel aufkommen lassen, wie die Baupolitik an der Costa Blanca allgmein.

Das alte Verwaltungsgebäude des Salzhafens von Torrevieja soll zum „Museum des Meeres und des Salzes“ werden, quasi dem Stadtmuseum.

Beim gemeinsamen medialen Schulterklopfen des Bürgermeisters Eduardo Dolón und des Provinzpräsidenten Carlos Mazón, beide PP, sprachen beide von der Wiedergewinnung einer historischen Stätte und Identität, die in Torrevieja untrennbar mit Schifffahrt, Salz und Fischerei verbunden sei. Von Hochhäusern und Verschandelung sprachen sie freilich nicht.

Wie das Salz die Geschichte Torreviejas bestimmte

Die Salzverladestation aus dem 18. Jahrhundert im heutigen Sporthafen von Torrevieja. Salz und Torrevieja sind fast ein Synonym geworden.

Bei den Eras de la Sal, dem einzigen Bauensemble der Stadt, das überwiegend auf das 18. Jahrhundert zurückgeht, handelt es sich nach Lage, Bedeutung und Potential um nicht weniger als das eigentliche Zentrum Torreviejas, sogar seine Wiege. Denn erst mit dem zentralstaatlichen Monopol auf den Salzabbau in der rosa Lagune von Torrevieja ab 1789 begann auch Torrevieja vom Fischerdorf zur Stadt zu werden. Die Salzindustrie stieß nämlich vor allem den Schiffbau an, wobei Torrevieja nicht nur für schnelle und effiziente Lastensegler gerühmt wurde, als anderswo bereits der Dampf das bevorzugte Antriebsmittel wurde, sondern auch für eine Navigationsschule und seine furchtlosen Matrosen und Kapitäne.

In den Jahrhunderten zuvor wurden die Salinen in der rosa Lagune sporadisch mal von den kastilischen Königen, mal vom Königreich Valencia ausgebeutet und gehörten eigentlich zum Gemeindegebiet von Orihuela, das dort 200 Jahre meistens vergeblich versuchte, durch die Ableitung von Salzwasser über den 500 Jahre alten Canal de Acequión Fischzucht zu betreiben.

Die rosa Lagune von Torrevieja in den Salinen bietet den Hintergrund für tolle Fotomotive. Der Foto-Stopp ist Teil der Führung.

Heute sind die Salinen an einen französischen Konzern verpachtet, der seine Verladungen über das neue Terminal weiter südlich abwickelt, gleichzeitig gehören sie, zusammen mit der blauen Lagune von La Mata, zum Naturpark. In Zeiten des Touristenbooms verlagerte sich das Interesse der Stadtverwaltung mehr zu den innerstädtischen Stränden von Torrevieja, rund um die alte Salzverladestation machte sich der riesige Sporthafen des Club Náutico breit und die Ecke blieb im Schatten des Massentourismus.

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