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Als die Touristen kamen: Wie Urlauber die Costa Blanca verändert haben

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Blick auf einen Strand mit blauen Sonnenliegen.
Der Albir-Strand heute: Ab den 50er Jahren zog es Touristen an die Costa Blanca. © David Revenga

Ab den 1950er Jahren kamen die ersten Touristen an die Costa Blanca und veränderten alles. Wie sich einstige Dörfer wie L‘Alfàs del Pi seitdem entwickelt haben, zeigt ein Buch mit vielen alten Fotos.

L‘Alfàs del Pi - Was hat das kleine Städtchen L’Alfàs del Pi an der Costa Blanca nur, dass es ausgerechnet Norweger in Scharen anzog und anzieht? Eine Antwort darauf weiß Stadthistorikerin Carolina Frías auch nicht. Aber sie weiß, wann alles begann. „Ende der 50er Jahre kamen die ersten Urlauber aus Nordeuropa nach L’Alfàs, ab den 60ern, als der Ort nur 955 Einwohner zählte, begannen sie, hier Häuser zu bauen oder kaufen“, sagt Frías.

Touristen an der Costa Blanca: Ab den 50er Jahren änderte sich alles

Wie sich die Gemeinde bis heute dank der Touristen entwickelt hat, hat die Historikerin mit vielen Fotos und Texten auf Spanisch und Englisch in dem Buch „Los turistas que llegaron del frío“ festgehalten. Herausgegeben hat es das Rathaus anlässlich der kulturhistorischen Woche, die L’Alfàs immer im April feiert und in deren Rahmen die Stadtpreise verliehen werden – dieses Jahr an die norwegische Den Norske Skole und die britische Sierra Bernia School, die beide seit über 50 Jahren im Ort bestehen und einen großen Beitrag zur Integration geleistet haben. Und auch wenn L‘Alfàs in Sachen Norweger eine Sonderstellung einnimmt, so ließe sich die jüngere Ortsgeschichte doch in weiten Teilen auch auf andere Gemeinden an der Costa Blanca übertragen: Seit die Touristen kamen, veränderten sich die Küstenorte nach und nach - siehe Benidorm, die Wolkenkratzerstadt, die in den 60er Jahren noch ganz anders aussah.

Doch zurück ins benachbarte L‘Alfàs del Pi: 1970, als die Franco-Diktatur in Spanien Bürgervereine eigentlich noch untersagte, gründeten die Norweger in L’Alfàs bereits einen Club, „um sich auszutauschen und Landsleuten, die kein Spanisch sprachen, bei Behördengängen und ähnlichem zu helfen“, sagt Frías. Heute zählt der Verein noch über 1.000 Mitglieder und ist längst zu einer sozialen Institution an der Costa Blanca geworden. Die Schulen und Ausländer-Vereine – seit 1975 gab es auch einen holländischen Club im Ort – zogen zusätzlich zu den Touristen, die hier Urlaub machten und den Rentnern, die sich in dem damaligen Bauerndorf niederließen, auch jüngere Auswanderer nach L’Alfàs, die in ihrer Wahlheimat sofort Unterstützung fanden.

Ein Politiker mit norwegischem Fähnchen in der Hand winkt
Der kleine Ort L‘Alfàs del Pi an der Costa Blanca ist bei Norwegern so beliebt, dass 2009 sogar Ministerpräsident Stoltenberg vorbeikam. © Ángel García

Als die Touristen an die Costa Blanca kamen: Plötzlich wurden arme Dörfer zu großen Arbeitgebern

Die neuen Bewohner und Touristen an der Costa Blanca machten Infrastruktur nötig und sorgten dafür, dass sich das kleine Dorf L‘Alfàs grundlegend veränderte. „Bis dahin war L’Alfàs ein ärmliches, landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Viele Einwohner suchten ihr Glück woanders und wanderten aus, was sich schlagartig mit dem beginnenden Tourismus-Boom änderte: Ab da wurde L’Alfàs zum Ziel für Migranten“, so die Historikerin. Wie viel der Residenzialtourismus bis heute zu Spaniens Wirtschaft beiträgt, wurde kürzlich erst über eine Studie deutlich.

Nicht nur Ausländer kamen damals, mit den Anfängen des Tourismus, sondern auch Spanier aus anderen Teilen des Landes, vor allem Andalusien, Murcia und Kastilien-La Mancha. Das Dorf veränderte sich, Wohnsiedlungen, Hotels und Apartmenthäuser für die Touristen wurden gebaut, Mehrfamilienhäuser für die Arbeiter, die auf dem Bau, in der Gastronomie und in der Hotellerie anheuerten. „Bis dahin gab es im Ort eigentlich nur die typischen kleinen Dorfhäuser“, so Frías. Der Ortskern veränderte sich, ganz neue Stadtviertel entstanden, und auch das Rathaus erkannte, dass die neuen Bewohner eigene Ansprechpartner brauchten. So hat L‘Alfàs del Pi bis heute ein Ausländeramt, das sich um die Integration der Zugezogenen kümmert - etwa mit lockeren Treffen, bei denen sich Spanier mit Ausländern austauschen und in Kontakt kommen können.

Kuriose Norweger-Kolonie: L‘Alfàs del Pi an der Costa Blanca

Die neuen Bewohner und Touristen aus dem Ausland zog es vor allem nach Albir in Küstennähe. Deutsche Geschäftsleute etwa betrieben ab den 60er Jahren die touristischen Apartmentkomplexe Panorama und Esmeralda, neue Wohnsiedlungen wurden gezielt in Norwegen oder Schweden zum Kauf beworben. Heute leben in L’Alfàs über 20.000 Menschen aus 94 Ländern, die größte Gruppe stellen immer noch Norweger. 1984 kam sogar König Olav V zu Besuch, 1987 Oslos Bürgermeister Albert Nordegen und 2009 Ministerpräsident Jens Stoltenberg. Norwegens Nationalfeiertag am 17. Mai wird in L’Alfàs jedes Jahr groß gefeiert. Denn ohne sie und die vielen anderen Nordeuropäer, die als Touristen kamen und als Residenten blieben, wäre L’Alfàs heute nicht das, was es ist - wie die gesamte Costa Blanca.

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