Der Hauptplatz des Dorfes Beniganim in Valencia.
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Coronavirus Valencia: Dorf Benigànim wird als erster Ort in Valencia in Coronavirus-Quarantäne geschickt.

Covid-19 Valencia

Coronavirus Valencia: Benigànim in Quarantäne - Gottesdienste finden weiter statt

  • vonStella Kirchner
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Die zweite Welle des Coronavirus erreicht das Land Valencia. Als erster Ort der Region muss das Dorf Benigànim für mindestens 14 Tage in Quarantäne.

  • Neues Quarantäne-Dekret macht Ausnahme für Gottesdienste.
  • Das Gesundheitsministerium von Valencia hatte Benigànim für zwei Wochen in Coronavirus-Quarantäne geschickt.
  • Grund für die Maßnahme ist ein rasantes Wachstum der Infektionen mit dem Sars-CoV-2.
  • Ausschlaggebend für lokale Quarantänen in Spanien sind Infektionsraten pro 100.000 Einwohner.

Update 4. September: Nachdem ein Gericht die Quarantäne abgewiesen hat, vor allem, weil es die Religionsfreiheit durch die Ausgangssperre in Gefahr sah, dürfen die Bewohner von Benigàmin nun trotz Coronaausbruchs wieder in die Kirche. Neben dem göttlichen Schutz soll ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Metern dafür sorgen, dass sich die Kirchgänger nicht infizieren.

Land ValenciaSpanische autonome Gemeinschaft
LandSpanien
AmtsspracheSpanisch, Valencianisch
Bevölkerung4,975 Millionen (2019) (Eurostat)

Coronavirus-Quarantäne gekippt: Richterin fordert Nachbesserungen am Dekret der Landesregierung

Update 1. September: Eine Richterin erklärt die Coronavirus-Quarantäne im Dorf Benigànim für ungültig. Laut Angaben der Zeitung „Información" ist diese Richterin schon häufig durch ihre stramm rechte Gesinnung aufgefallen. In den 2000ern ließ sie in Dénia in vielen Fällen Hochzeiten zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern nicht zu. Die Landesregierung von Valencia und das Gesundheitsministerium von Ana Barceló kündigen Modifikationen im Dekret an, die Quarantäne als solche bleibt aber aktiv.

Erste Coronavirus-Quarantäne in Valencia: Rathaus von Benigànim entschuldigt sich

Das Rathaus von Benigànim erklärt nach zahlreichen Beschwerden von Bewohnern des Dorfes, dass es die „Unannehmlichkeiten, die durch Informationsmangel entstanden sind“ bedauere. Einzelne Zahlen und Statistiken seien von der valencianischen Landesregierung nicht zeitnah freigegeben worden und andererseits sei der Ort schlicht vom rasanten Anstieg der Infektionen überrollt worden. Anwohner geben gegenüber der spanischen Zeitung „Información“ an, sie seien mit der Coronavirus-Quarantäne einverstanden, weil einige Bewohner schlichtweg „unüberlegt" gehandelt haben und damit alle in Gefahr gebracht haben. Beim letzten Covid-Test waren 51 von 196 Getesteten positiv. Aktuell sind 74 Infektionen des Sars-CoV-2 im Ort aktiv.

Valencia- Die Coronavirus-Lage kann sich schnell ändern und das nicht immer zum Positiven. Das hat das Dorf Benigànim, etwa 30 Kilometer von Gandía entfernt, bewiesen. Der kleine Ort, der lediglich knapp 6.000 Einwohner zählt, lag in den sieben Tagen der dritten August-Woche noch bei einer relativ durchschnittliche Infektionsrate von 34,24 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Diese Zahl wuchs auf 994,46 Infektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen an, wie das Gesundheitsministerium in einer Stellungnahme (spanischsprachig) bekannt gibt. Da das Dorf keine 100.000 Einwohner hat, wurden die Infektionen der 6.000 Einwohner hochgerechnet, um mit anderen Orten vergleichbar zu sein, was den Wert etwas verfälscht. Andere Dörfer stehen hingegen Corona-technisch noch sehr gut da.

Trotzdem handelt es sich dabei wohl um den stärksten Anstieg an Infektionen mit dem Coronavirus im gesamten Land Valencia. Zum Vergleich: Das deutsche Auswärtige Amt spricht für Länder eine Reisewarnung aus, in denen sich durchschnittlich innerhalb von sieben Tagen durchschnittlich mehr als 50 Menschen pro 100.000 Einwohner infizieren. Valencias Gesundheitsministerin Ana Barceló spricht in Bezug auf das Verhängen einer Quarantäne von einer „sehr schwierigen, aber nötigen Entscheidung“, um das Sars-CoV-2 in Schach zu halten.

Coronavirus-Quarantäne in Valencia: Kein Zutritt nach Benigànim, Geschäfte bleiben geschlossen

Die von Gesundheitsministerin Barceló genannten Maßnahmen gegen Covid-19 haben es in sich: Niemand darf das Dorf Benigànim betreten oder verlassen, außer um zum Arzt zu gehen oder hilfsbedürftige Angehörige zu versorgen. Restaurants, Cafés und Bars bleiben geschlossen, außer sie liefern Essen nach Hause, und auch Läden, Fitnessstudios und Sozialzentren dürfen keinerlei Besucher empfangen. Am spanienweiten Schulstart nimmt Benigànim erst einmal nicht teil. Allgemein werden die Menschen gebeten, so weit wie möglich in häuslicher Quarantäne zu bleiben. In zwei Wochen wird die Entwicklung der Infektionsraten im Dorf noch einmal analysiert werden, die eine Grundlage für eine mögliche Verlängerung der Maßnahme bildet.

Das Gesundheitsministerium betont, dass Quarantänen lediglich notwendig werden, wenn die Coronavirus-Infektionsrate rasant steigt. Allerdings sei so ein drastischer Einschnitt in den Alltag der Bevölkerung nur der letzte Ausweg, falls die Infektionen mit dem Sars-CoV-2 auf eine andere Art und Weise nicht unter Kontrolle gebracht werden können. Auch Nachbarregion Murcia hat bereits ein Dorf in Phase 1 geschickt. An der Costa Blanca und in ihrem Hinterland war so eine drastische Regelung bis jetzt noch nicht nötig geworden. Es grassiert allerdings das Gerücht, ein großer Ausbruch in Villamalea in Albacete sei auf eine Infektion in Altea zurückzuführen. Dieser Ort befindet sich ebenfalls in Quarantäne.

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