Frau geht in Mehrfamilienhaus hinein, Motorradfahrer fährt vorbei.
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Familien plötzlich obdachlos: Bank setzt Mieter bei Valencia vor die Tür. (Symbolfoto)

Auf die Straße gesetzt

Valencia: Gnade für 40 Familien - Räumung der Wohnungen um zwei Monate verschoben

  • vonStella Kirchner
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Über 100 Menschen in La Pobla de Vallbona bei Valencia können vorerst weiter in ihren Wohnungen wohnen. Der Mieterschutzbund klagte gegen die Zwangsräumung. 

Update, 8. Dezember: Ein Richter hat entschieden, dass die Familien bei Valencia, die nach einem Eigentümerwechsel ihrer Mehrfamilienhäuser vor die Tür gesetzt werden sollten, zwei Monate länger in ihren Wohnungen bleiben dürfen. Dem Mieterschutzbund, der in Valencia für die Familien demonstriert, ist das nicht genug. „Unser Ziel war es, drei bis vier Monate herauszuhandeln, in denen wir über die Situation der Mieter verhandeln können“, erklärt ein Sprecher. Während der Coronavirus-Pandemie dürfen eigentlich auch gar keine Räumungen stattfinden, falls die Menschen keine alternative Bleibe besitzen.

Valencia – Seit 2015 lebten sie in ihren Wohnungen und werden nun gerichtlich vor die Tür gesetzt. Das ist 38 Familien in La Pobla de Vallbona in der Provinz Valencia passiert. Das Problem: Die Firma, die die beiden Mehrfamilienhäuser in den Straßen San Sebastián und Argila bauen ließ und die Wohnungen vermietete, hatte sie schon kurz nach der Fertigstellung der Bauten verkauft. Die Mieter wurden aber nicht über den Eigentümerwechsel informiert. Neuer Besitzer war eine Bank, genauer gesagt ein Immobilienfonds.

ValenciaGroßstadt in Spanien
Bevölkerung2,541 Millionen (2019) Eurostat
ProvinzProvinz Valencia
BürgermeisterJoan Ribó

Plötzlich obdachlos: Familien zahlten Mieten an ehemaligen Eigentümer

„Wir wurden weder nach Nachweisen für Einkommen, noch nach den Personalausweisen oder Ähnlichem gefragt“, berichtet Neli Dasay, eine Mieterin, der Tageszeitung „Levante“. Die Verträge seien einzig und allein mündlich abgeschlossen worden, einige Monate lang sei alles ruhig verlaufen, sie hätten die Miete regelmäßig gezahlt, und dann habe plötzlich die Polizei Kontakt mit den Bewohnern aufgenommen und ihnen vorgeworfen, dass sie unrechtmäßig in dem Häuserkomplex wohnen. Anwohnerin Marisa Díaz erklärt weiter, die Bewohner hätten Kontakt mit der Bank aufgenommen, „aber die haben nicht mit sich reden lassen und uns keine Option gegeben“.

Nach jahrelangem Konflikt hat nun in dieser Woche das Landgericht von Llíria zugunsten der Bank entschieden. Und das hatte es sehr eilig: Am 9. Dezember müssen die über 100 Menschen die zwei Häuser verlassen, obwohl die Gebäude Bankeigentum sind, was eigentlich die Rechte der Anwohner stärkt. Doch da die Objekte zu einem Fonds gehören, hat das Gericht den Fall nicht als Wohnungsleerstand behandelt.

Über 100 Menschen protestieren gegen die Räumung

Die Organisation Plataforma de Afectados por la Hipoteca (PAH) hat bereits einen Antrag auf Verschiebung gestellt. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, eine Lösung für diese fast 40 Familien zu finden“, erklärt Delfina Sánchez, Sprecherin der Organisation. Gleichzeitig verhandelt die Gruppe mit der Gemeinde, um neue Bleiben für die Mieter zu finden.

Laut Sánchez habe auch die Region Valencia bereits ihre Unterstützung angekündigt und die Bank für ihr Handeln kritisiert. Es stünden Hilfen im Rahmen der Subventionen für Menschen zur Verfügung, die wegen Covid-19 in Not geraten sind und ihre Miete nicht mehr zahlen können. Bedürftige könnten dadurch monatlich mit maximal 650 Euro bei der Miete unterstützt werden.

Wohnungsnot in Valencia: Betroffene Familien sollen Hilfe bekommen

Gleichzeitig kündigt die Landesregierung in Valencia an, die Steuer auf leerstehende Wohnungen, die in aller Regel Eigentum einer Bank sind, und überproportional hohe Mieterträge generieren, drastisch zu erhöhen. Das betrifft etwa Unternehmen, die Immobilien in einem Gesamtwert von über zehn Millionen Euro besitzen oder Großvermieter, die mit ihren Wohnobjekten jährlich mehr als 200.000 Euro einnehmen. Laut der Landesregierung fließen diese zusätzlichen Steuereinnahmen überwiegend in den Bau von Sozialwohnungen oder Subventionen für Menschen, die keine bezahlbare Bleibe finden können. Ein Problem sei auch das Besetzen von Häusern, da die Miete besonders in größeren Städten nicht mehr gezahlt werden könne. Doch auch in touristischen Gegenden wie Jávea an der Costa Blanca sind Fälle von Hausbesetzungen bekannt.

Für die 38 Familien in La Pobla de Vallbona setzt sich auch Bürgermeister Josep Vicent García ein, macht ihnen aber gleichzeitig klar, dass die Ressourcen der kleinen Gemeinde begrenzt sind. Er setzt seine Hoffnung vor allem in die Verhandlungen mit der Bank.

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