Historische Aufnahme von Netzknüpferinnen in Villajoyosa, Spanien.
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Villajoyosas Netzknüpferinnen: Vor fast jedem Haus wurde einst geflickt.

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Villajoyosa und seine Netzknüpferinnen: Eine Hommage an die rederas

  • Anne Götzinger
    VonAnne Götzinger
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Sie flickten in Fischer-Dörfern wie Villajoyosa die Netze und ernährten so ihre Familien. Eine Hommage an die Netzknüpferinnen.

Villajoyosa – Ohne die rederas würden die Fischer leere Netze aus dem Meer ziehen. Schroffe Felsen und andere spitze Gegenstände reißen Löcher in die feinen Maschen, durch die der Fang wieder entwischen könnte – die Netzknüpferinnen flicken sie wieder. Damit steigern sie nicht nur die Chancen auf einen guten Fang, lange Zeit unterhielten sie mit dieser Arbeit ganze Familien in den Küstengemeinden in Spanien. Die wichtige, aber praktisch unsichtbare Rolle der rederas im heute stark gebeutelten Fischerei-Sektor, in der Gesellschaft und der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung Villajoysas will die Stadt jetzt mit einem Projekt an der Costa Blanca bekannter machen und ehren.

VillajoyosaGemeinde in Spanien
Autonome GemeinschaftValencia
ProvinzAlicante
Einwohner34.673 (1. Januar 2019)

„Las tejedoras de redes“ umfasst eine Kulturroute rund um Fischernetze und Netzknüpferinnen. Villajoyosas neuer Kulturtreffpunkt Espai Bigueta, die Finca de la Senyoreta l’Hort an der Playa Centro mit ihren bunten Fischer-Häuschen und die Mühle Llobeta im Flussbett des Río Amadorio sind die Schauplätze des Projekts, das unter anderem mit historischen und modernen Fotografien sowie Skulpturen und Installationen des Künstlers David Trujillo der Rolle der rederas Würde verleihen möchte.

Villajoyosas Netzknüpferinnen: La Torralba knüpfte und knüpfte

„Der Penelope-Mythos begleitet viele Netzknüpferinnen“, sagt Antonio Cervera, Leiter des Espai Bigueta in Villajoyosa. „Doch nicht etwa, wie Homer sie in seiner Odyssee beschrieb, als treue Frau, die die Rückkehr ihres Mannes Odysseus erwartet, sondern – weit ab von den patriarchalischen Strukturen der vorklassischen Gesellschaft – aus einer moderneren Perspektive, in der wir den Akt des Knüpfens als die Entstehung einer unabhängigen Penelope interpretieren, die arbeitet, um ihre Familie zu ernähren“, erklärt Cervera.

Unter allen Netzknüpferinnen Villajoyosas steche eine besonders hervor, erzählt der Leiter des Espai Bigueta. Angelita, besser bekannt als „La Torralba“ habe seit ihrem sechsten Lebensjahr Fischernetze geflickt und sei die lebendige Geschichte der rederas. „Die Torralba knüpft und trennt wieder auf, sie überlistet die Zeit, so wie es Penelope tat. Sie knüpft und knüpft noch heute, um nicht die Geschicklichkeit ihrer Hände zu verlieren, die flink und gewandt sind wie der Wind“, schwärmt Cervera. „Ihre Handfertigkeit lässt uns darüber nachdenken, wie viele Netze durch ihre Hände gegangen sind, wie viele Frauen das Knüpfen gelernt haben, indem sie ihr zusahen, und wie viele rederas wie sie dank dieser uralten Tätigkeit ihren Familien zu essen geben konnten.“

Villajoyosas berühmteste Netzknüpferin flickt noch immer

Die heute 83-jährige Angelita selbst erzählt in einer Reportage, die das spanische Fernsehen über die Netzknüpferinnen und Villajoyosas Projekt gedreht hat, dass sich in ihrer Kindheit alle dem „fer xarxa“, dem Netzemachen, widmeten. „Vor allen Häusern La Vilas wurde geknüpft, sonst hatten wir nicht genug zu essen“, erzählt La Torralba, während ihre Finger mit einer Netznadel über die Schnüre fliegen, wie sie es seit fast 70 Jahren tun.

Die Ausstellung ist im Espai Bigueta (Calle Bigueta 6) im Juli und August dienstags bis samstags von 18.30 bis 21.30 Uhr zu sehen. Sonntags und montags ist die Galerie geschlossen. Der TV-Beitrag über die Netzknüpferinnen aus Villajoyosa und Angelita ist auf der Facebookseite des Rathauses Villajoyosa zu sehen.

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