Eine römische Legion marschiert auf das Meer bei Villajoyosa zu.
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Villajoyosa setzt seine römische Vergangenheit gerne in Szene.

Quellwasser für römische Thermen

Villajoyosas römische Geschichte: Einwohner findet Reste von ehemaligem Aquädukt

  • Anne Götzinger
    VonAnne Götzinger
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Villajoyosas römische Vergangenheit ist weithin bekannt. Und doch gibt es immer noch Überraschungen. Ein Einwohner hat jetzt Reste des ehemaligen Aquädukts entdeckt.

Villajoyosa – Schon die Römer in Allon bedienten sich der Font del Ribàs als Trinkwasserquelle, wie es Villajoyosa später noch bis 1909 tun sollte. Dank des Hinweises von Ximo García, einem aufmerksamen Einwohner, hat die Stadt an der Costa Blanca jetzt Teile des ehemaligen Aquädukts aufspüren können, das im 1. Jahrhundert nach Christus das römische Municipium Allon mit Wasser versorgte. García hatte die Archäologen informiert, dass er im Ortsteil Partidor einen Kanal kenne, der römischen Ursprungs sein könnte – und er hatte recht. Auch in Guardamar machte man kürzlich einen überraschenden Fund römischer Reste.

VillajoyosaGemeinde in Spanien
Autonome GemeinschaftValencia
ProvinzAlicante
Einwohner34.673 (1. Jan. 2019)

„Die Gesamtlänge des Aquädukts umfasste etwa 1.600 Meter von der Font de Ribàs bis zu den Thermen von Allon, womit praktisch erwiesen ist, dass es die kalten und heißen Bäder dieses Monuments speiste, das 2006 entdeckt wurde“, berichtet Villajoyosas Stadtrat für Kulturerbe, Xente Sebastià. Außerdem speiste das Quellwasser wohl weitere römische Brunnen zwischen Stadt und Villajoysas Strand Playa Centro, die sich heute durch ihre bunten Häuser charakterisiert. Wie der Gelehrte und Offizier Plinius der Ältere im 1. Jahrhundert schriftlich festhielt, suchten die römischen Ingenieure gutes Quellwasser, dessen Menge ausreichte, um die Bedürfnisse der Bevölkerung je nach der Größe der Stadt decken zu können.

Villajoyosas römische Geschichte: Aquädukt aus Opus caementicium

Bislang wurden in der Nähe von Villajoyosa auf einer Strecke von insgesamt 49 Metern drei Teilstücke des Aquädukts aufgespürt, die eine Länge von jeweils vier, 3,9 und 6,5 Metern besitzen. Es handelt sich um einen Kanal, der ebenerdig mit dem römischen Zement Opus caementicium gebaut wurde. Der Hauptkanal, specus genannt, war mit sogenanntem signinum ausgekleidet, ein Mörtel aus zerstoßenen Keramikteilchen, die die Rinne wasserundurchlässig machen. Dieser wurde auch an den Wänden der römischen Bäder und in Wasserdepots verwendet.

Römische Geschichte in Villajoyosa: Für Laien sind die Reste des ehemaligen Aquädukts kaum erkennbar.

Die Rinne selbst ist etwa einen halben römischen Fuß (circa 15 Zentimeter) breit und hoch, insgesamt ist der Kanal zwei römische Fuß (etwa 60 Zentimeter) breit. Das Aquädukt war mit flachen Ziegeln abgedeckt, von denen sich ebenfalls noch einige Scherben in der Umgebung finden. Das Gefälle des Kanals beträgt 0,3 Prozent, ein ähnliches Maß wie bei anderen römischen Aquädukten, etwa in der Stadt Carthago Nova, dem heutigen Cartagena, das sich ebenfalls zahlreiche römische Zeugnisse bewahrt hat. Dank dieses Gefälles floss das Wasser stetig aber nicht mit nicht zu hoher Kraft den Kanal entlang.

Römisches Villajoyosa: Fund bestätigt These in Doktorarbeit von 1996

Er verlief entlang des rechten Flussufers, oberhalb der Böschung. Da Teile des Abhangs über die Jahrhunderte herunterbrachen, gingen auch Teile des Aquädukts verloren. Nichtsdestotrotz ist der Fund von enormer Bedeutung für Villajoyosa und bestätigt die These von Stadt-Archäologe und Vilamuseu-Direktor Antonio Espinosa, der diese bereits in seiner Doktorarbeit 1996 aufgestellt hatte: dass die Quelle, die die römische Bevölkerung versorgte, später auch der Stadt, die 1301 gegründet wurde, das Wasser lieferte. Diese Theorie gewann bereits mit der Erforschung der römischen Thermen von Allon durch Archäologe Diego Ruiz ab 2010 an Fundament und wurde nun durch den Fund des Aquädukts bestätigt.

Die Stadt Villajoyosa und die Archäologen vom Vilamuseu haben den Fund dem Landeskulturministerium gemeldet und schlagen eine intensive Prospektion mithilfe einer Drohne vor, um herauszufinden, ob weitere Abschnitte erhalten geblieben sind. Anschließend sollen die gefundenen Reste mit einem Ausgrabungsprojekt erforscht und ihr weiterer Verfall verhindert werden. Bislang wurden keine Bögen entdeckt, die Reste ähneln einem heutigen Kanal – doch Einwohner Ximo García ließ sich nicht täuschen.

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