Ein Mann spritzt mit einem Schlauch ein Pferd mit Wasser ab.
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Virus im Reitsport: Die MET in Oliva (Spanien) musste abgesagt werden.

Gefährliches Herpesvirus in Spanien

Virus erschüttert Reitsport: Deutsche Pferde nach Turnier in Valencia gestorben

  • Judith Finsterbusch
    vonJudith Finsterbusch
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  • Anne Götzinger
    Anne Götzinger
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Zirka 100 Pferde haben sich bei einem Turnier in Valencia mit dem Herpes-Virus EHV-1 infiziert. Mehrere Pferde, auch von deutschen Reitern, sind bereits an dem Virus gestorben. Die Welt des Reitsports steht unter Schock und der Internationale Verband in der Kritik.

Update, 12. März: Der deutsche Springreiter Tim-Uwe Hoffmann hat noch ein zweites Pferd durch den Ausbruch des Equinen Herpes-Virus bei einem Springreitturnier in Valencia verloren. Es handelt sich um die elfjährige Stute Call me Cinderella v. Colman. In die Trauer des deutschen Lagers mischt sich die Wut über Versäumnisse der Veranstalter des CES.

Update, 9. März: Valencias Agrarministerin Mireia Mollà hat sich zu dem EHV-1-Ausbruch geäußert, der den internationalen Reitsport erschüttert. Bei einer Pressekonferenz erklärte Mollà am 9. März, dass in der Region Valencia derzeit 267 Pferde aus sechs Reitställen wegen des Virus unter Quarantäne stünden. „Es handelt sich um eine extrem ansteckende Krankheit. Deshalb ist größte Vorsicht geboten“, sagte Mollà. Der Ausbruch sei aber in der Region „unter Kontrolle“.

Equines Herpesvirus 1
Wissenschaftlicher NameEquid herpesvirus 1
Höhere KlassifizierungVaricellovirus
OrdnungHerpesvirales

In dem Reitstall CES in Valencia, in dem das Springreitturnier stattfand, hätten sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs 450 Pferde befunden. Als die Behörden in Valencia von dem Virus-Ausbruch informiert wurden, seien es noch 159 gewesen. 138 stehen noch immer auf dem Gelände des CES, fünf Tiere seien mittlerweile gestorben, 16 werden in einer Klinik behandelt. Zwei hatten den Reitstall bereits verlassen, wurden aber zurückgebracht. 109 der verbliebenen Pferde weisen EHV-1-Symptome auf. Der Virus-Ausbruch hat Auswirkungen auf den Reitsport in der ganzen Welt: Die Besitzer der 159 Pferde kommen aus Spanien, Belgien, Kanada, China, Dänemark, Frankreich, England, Deutschland, Irland, den Niederlanden, Schweden, Südafrika, Hongkong und Russland.

Virus erschüttert Reitsport: Zweites Pferd in Deutschland gestorben

Update, 8. März: Nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ist ein zweites Pferd in Deutschland an den Folgen einer EHV-1-Infektion gestorben. Drei Tiere von deutschen Springreitern waren dem Herpes-Virus bereits bei dem Turnier in Valencia, wo das Virus ausgebrochen war, zum Opfer gefallen. Nach Auskunft des Weltreiterverbandes FEI beruhige sich die Lage auf dem Turnierplatz in Valencia.

Die zwei Pferde des deutschen Springreiters Sven Schlüsselburg, die bis zum 12. Februar am Turnier in Valencia teilgenommen hatten und beim Turnier in Doha positiv auf EHV-1 getestet wurden, würden keine Symptome mehr zeigen, so die FN.  Unterdessen wird die Forderung nach einer Impfpflicht gegen EHV-1, wie sie laut dem Verein Deutscher Galopp e.V. bereits in der Vollblutzucht besteht, im Reitsport immer lauter.

Erstmeldung: Valencia – Im Reitsport scheint sich die Geschichte des Coronavirus zu wiederholen. Bei der CES Tour in Valencia im Nordosten von Spanien haben sich rund 100 Pferde mit dem gefährlichen Equiden Herpes-Virus EHV-1 infiziert. Mehrere Tiere, darunter auch mindestens vier von deutschen Reitern, sind bereits an dem Virus gestorben. Wie der Internationale Reitsportverband (FEI) mitteilt, handelt es sich um eine „sehr aggressive Variante des Herpesvirus“. Der Verband sprach in einem Kommuniqué von dem „schlimmsten EHV-1-Ausbruch in Europa in den vergangenen Jahrzehnten“. Wie gefährlich das Herpes-Virus EHV-1 für Pferde ist*, schildert auch heidelberg24.de*.

Bei einer Erkrankung mit dem Equiden Herpes-Virus reagieren die Pferde zunächst mit hohem Fieber und einem kränklichen Allgemeinzustand. Hinzu kommen häufig Augen- und Nasenausfluss oder auch Husten. In besonders schweren Fällen kann die Infektion zum Tod führen. Noch in Valencia seien mindestens zehn Pferde an der Virusinfektion gestorben*, berichtet merkur.de*.

Virus im Reitsport: Verband von Turnierleitern heftig kritisiert

Von zahlreichen Reitställen und europäischen Turnierleitern ist der Internationale Reitsportverband für sein zögerliches Vorgehen nach dem Auftreten der ersten Fälle beim Turnier in Valencia scharf kritisiert worden. Der Turnierchef des internationalen Hallenreitturniers Braunschweig Classico, Axel Milkau, erklärte etwa gegenüber Medien, der Verband habe „viel zu spät reagiert“. So sei das Virus nun auch in andere Länder verschleppt worden, etwa bis nach Doha, wo am kommenden Wochenende die Global Champions Tour mit vielen Weltklasse-Reitern starten soll. Zwei Pferde des deutschen Springreiters Sven Schlüsselburg hatten nach Angaben von Bundestrainer Otto Becker positive Tests auf das Herpesvirus EHV-1. Jetzt wurden internationale Turniere in zehn europäischen Ländern, darunter auch das in Braunschweig, bis 28. März abgesagt. Auch die nächste Mediterranean Tour in Oliva Nova (Region Valencia) findet nicht statt.

Virus im Reitsport: Auch zwei Pferde des deutschen Springreiters Sven Schlüsselburg sind positiv auf das Herpesvirus getestet worden.

Virus im Reitsport: Deutsche Reiter trauern um verstorbene Pferde

„Wir wissen, dass eine große Anzahl von Pferden den Veranstaltungsort in Valencia ohne ein offizielles Gesundheitszertifikat verlassen hat, was bedeutet, dass sie einen unbekannten Gesundheitsstatus hatten“, gab die FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibáñez zu. Einige Pferde seien bereits erkrankt gewesen und „das Risiko der Ausbreitung des Virus macht uns große Sorgen“, sagte die FEI-Chefin aus El Salvador. Inzwischen dürfen die Pferde das Land nur verlassen, wenn sie nachweislich gesund sind.

Unterdessen trauern betroffene Reitsportler um die Pferde, die nach dem Turnier in Valencia an dem Virus gestorben sind. Welche dramatischen Szenen sich in Valencia abgespielt haben, nachdem mehrere Pferde an dem Virus EHV-1 erkrankt waren*, schildern deutsche Reiter gegenüber kreiszeitung.de*. Der deutsche Springreiter Tim-Uwe Hoffmann nahm auf seinem Instagram-Konto Abschied von „unserer besten Freundin“, der 14-jährigen Stute Casta Lee. Auch Nachwuchs-Springreiterin Tessa Leni Thillmann aus Mecklenburg musste von ihrer Stute 3Q Qadira Abschied nehmen. „Es bricht uns allen das Herz und wir sind zutiefst erschüttert, dass du gestern von uns gehen musstest“, schrieb die Reitsportlerin auf Instagram neben ein Schwarzweißfoto, das sie und die Stute zeigt. *costanachrichten.com, heidelberg24.de, merkur.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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