Blick auf die Weihnachtskrippe in Torrevieja.
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Sogar die Salinen von Torrevieja kommen im Belén, der Weihnachtskrippe vor.

Advent in Torrevieja

Weihnachten in Torrevieja: Wo Jesus Miete zahlen muss

  • vonMarco Schicker
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Die ganz besonderen Krippenspiele von Torrevieja haben begonnen. Seit 28. November ist der Belén zu besichtigen. Die Bürger kostet er eine hübsche Stange Geld.

Torrevieja – Corona hin oder her, die prächtige und sehr lebensnahe Weihnachtskrippe in Torrevieja wird aufgebaut, wie jedes Jahr. Am Samstag vor dem 1. Advent wurde sie an der Plaza de la constitución, direkt neben dem Rathaus zur Besichtigung freigegeben.

Und wie jedes Jahr wieder übernimmt die gleiche Firma den Auf- und Abbau sowie den Betrieb, ohne Ausschreibung, per Zuruf. Man kennt sich, man hilft sich. So ist das nicht nur in Torrevieja. Die Gesamtkosten dafür werden rund 40.000 Euro betragen. Nicht für die Krippe, nur für’s Angucken!

Das klingt selbst für Torrevejenser Verhältnisse fürstlich, wenn man bedenkt, dass die Bestandteile der Krippe - eine eher zufällige, etwas lieblose Akkumulation von vielen Elementen aus billigem Material, eine Krippe wie die Stadt Torrevieja selbst also - ja bereits existieren, man sie also „nur“ auf den angestammten Platz neben dem Rathaus auf eine Lafette aufstellen, ein bisschen putzen und anschließen muss. Das kostet so viel wie ein Neuwagen der Mittelklasse?

Weihnachtskrippe in Torrevieje: Konkurrenzloser Schausteller

Nun, offiziell ist alles viel billiger. In den amtlichen Dokumenten tauchen nur brutto 18.028 Euro als Krippengeld auf, zufällig knapp unter dem Limit, ab dem „Kleinverträge“ zu umständlichen Ausschreibungen führen, bei denen sich Konkurrenz bewerben dürfte. Um das zu verhindern, zerstückelt man, nicht die Krippe, aber die Arbeiten drumherum.

Am 28. November 2020 wurde die Corona-gesicherte Weihnachtskrippe in Torrevieja zur Besichtigung freigegeben.

Der Sicherheitsdienst und die Elektroinstallation werden extra verrechnet, ebenso die Anfahrt und andere künstlerische Details. Wer die Verkehrssituation in Torrevieja kennt, weiß, da ist man mit 40.000 Euro noch bestens bedient. Sodann weisen interne Papiere des Rathauses darauf hin, dass man für die Wiege des kleinen Jesuslein, den Esel, Josef und Maria, das Stroh, die Salzberge, die in einer Krippe in Torrevieja natürlich nicht fehlen dürfen, sozusagen eine Miete bezahlt, denn die Stücke gehören der gleichen Firma, die sie seit jeher aufstellt.

In der Rechnung steht dann zum Beispiel: Hühnerstall, handbemalt, 302 Euro; kleiner Brunnen 242 Euro, Unterkunft für die Heilige Familie 242 Euro – wofür man die Heilige Familie sogar ins beste Haus am Platze einquartieren könnte, das Extrabett für den Schildbürger eingeschlossen.

Die Rechnungslegung für die Weihnachtskrippe gestaltet sich so abenteuerlich, dass die installierende Firma bis heute um die Bezahlung einer Teilrechnung aus dem Vorjahr mit dem Rathaus ringt, die bis jetzt noch keinen passenden Buchungsposten dafür fand. „Miete Jesus“ wollte die Innenrevision knapp 2.000 Jahre nach dessen Ableben wohl nicht durchgehen lassen.

Torreviejas Stadtregierung bei der Einweihung der „monumentalen“ Krippe am 28. November

3.600 Menschen in Torrevieja ohne ausreichend Nahrung - 50 Prozent mehr für Weihnachtslämpchen

Neulinge könnten jetzt fragen, warum die Stadt die ganze Krippeninstallation nicht ein für allemal einfach aufkauft, einlagert und von einer der Bruderschaften oder den städtischen Gärtnern für eine Kiste Bier aufbauen lässt? Man könnte auch fragen, warum eine Stadt wie Torrevieja, wo tausende Menschen nicht genügend Geld haben, um sich Grundnahrungsmittel zu leisten - allein 3.600 Bürger von Torrevieja sind so arm, dass sie mit Lebensmittelpaketen unterstützt werden müssen - das Budget für die Weihnachtsbeleuchtung 2020 um 50.000 Euro oder 50 Prozent angehoben hat? Wer diese Fragen stellt, kennt Torrevieja offensichtlich überhaupt noch nicht.

Apropos Weihnachtsbeleuchtung. Auf die muss man in den Straßen Torreviejas noch ein bisschen warten, es gibt mal wieder „Verzögerungen bei der Vertragsgestaltung“, heißt es aus der Administration. Das Rathaus ist schon beleuchtet, auch der Weihnachtsbaum vor der Kirche ist aufgebaut und geschmückt - den spendet jedes Jahr die skandinavische Gemeinschaft Torreviejas (nach den Russen in Torrevieja übrigens die zweitgrößte Ausländergruppe). Der Rest bleibt, wie so oft, im Dunkeln.

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