Ein Weinstock wächst auf einem naturbelassenen Feld, umgeben von Blumen und Gräsern.
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Wein aus Alicante ohne Sulfite: Das Weinfeld sollte wie ein wilder Garten aussehen.

Purer Saft aus der Traube

Wein aus Alicante: Franzose im Vall de Gallinera bringt Weine ohne Sulfite auf den Markt

  • vonAnne Thesing
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Ohne Sulfite und möglichst aus Alicante müssen die Weine sein, die der Franzose Jérôme Chesnot aus dem Vall de Gallinera in seine exklusive Verkaufsliste aufnimmt. 

Vall de Gallinera – Jérôme Chesnot ist Weinliebhaber, aber er will keine Chemie in der Flasche. Keine unendlich lange, unverständliche Zutatenliste. „Einfach nur fermentierten Traubensaft“, sagt der Franzose, der seit kurzem im Vall de Gallinera, im Hinterland der Costa Blanca in der Provinz Alicante lebt. „Fermentierter Traubensaft, so war es schon bei den Römern.“ Er will zurück zu der Zeit, als man noch von einem „guten Jahrgang“ sprach, weil das Klima mitspielte. „Heute schmecken die Weine in jedem Jahr gleich“, sagt er. Für seine Weine aus Spanien will er Bio, Natur, Genuss.

Franzose arbeitet für Weine ohne Sulfite mit Produzenten aus Alicante zusammen

Jérôme Chesnot ist kein Tagträumer. Er hat seine Vorstellungen von einem guten Wein ganz konkret im Kellerraum seines Dorfhauses in Benirrama, dem ersten Dorf im Vall de Gallinera, gelagert. In Form von einer limitierten Anzahl von 100 Kisten, die mittlerweile um einiges geschrumpft ist, mit je sechs Flaschen Wein von sechs verschiedenen Produzenten, vier davon aus der Provinz Alicante.

Sie alle haben eins gemein: Ihre Produkte sind natürlich. „Vi natural“ (Natürlicher Wein) heißt denn auch das Projekt, als dessen „Botschafter“ Jérôme Chesnot sich versteht. Er macht es freiwillig und aus Überzeugung, steckt all sein Wissen, das er aus seinem eigentlichen Beruf als Kommunikationsberater hat, in diese sechs Flaschen.

„Ein Weinfeld muss wie ein Garten sein“, sagt er und zeigt Fotos von einem Weinstock, um den herum es blüht, kreucht und wild wächst, wo die Biodiversität lebt. Eine Interaktion, „die der Wein in sich trägt“, sagt er. Und eine unter vielen Voraussetzungen, damit es ohne Chemie funktioniere.

Weine ohne Sulfite: Produzenten aus Alicante bieten mehr als "nur" Bio

Doch Jérôme Chesnot geht noch ein Stück weiter als „nur“ auf Bio zu setzen. Er will auch keine Sulfite im Wein. Ein umstrittenes Thema unter Weinkennern, sorgen diese doch als Konservierungsmittel dafür, dass der Wein altern kann. Und sind, wenn auch in begrenzteren Mengen, in Biowein und sogar im biodynamischen Demeter-Wein erlaubt. Doch Jérôme Chesnot will reinen Traubensaft. Und darin haben auch Sulfite nichts zu suchen, findet der Franzose, der 2016 auf dem Biomarkt “Mercat de la Terra” in Benissa erstmals den Kontakt zu lokalen Weinproduzenten aufnahm und von ihrem Zusammenschluss „Bancals de Vi“ erfuhr. Die Idee gefiel ihm, er entschied sich, auf freiwilliger Basis die Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen und spezialisierte sich schließlich mit dem Projekt „Vi Natural“ auf die Vermarktung sulfitfreier Weine aus der Provinz Alicante.

Eine Aufgabe, für die der reine Idealismus irgendwann nicht mehr reichte, weshalb Chesnot im März dieses Jahres aus dem Vall de Laguar in ein geräumiges Haus in Benirrama zog, um dort den von ihm ausgewählten Wein verkaufen und Weinproben anbieten zu können. „Ohne anschließenden Kater“, lacht er – der bleibe ohne Sulfite aus.

Jérome Chesnot setzt auf Wein aus Alicante ohne Sulfite.

Weine ohne Sulfite: Lokale Rebsorten aus der Provinz Alicante, außer Moscatell

Mittlerweile verkauft er übers Internet an Kunden im Ausland, darunter auch Michelin-Restaurants, genauso wie an Lokale „um die Ecke“ oder private Kunden in der Marina Alta oder der ganzen Provinz Alicante. Der Erlös fließt zurück in seine Arbeit. „Ich möchte die Menschen mehr auf die Produkte aufmerksam machen, die diese Region zu bieten hat. Wer eine Flasche kauft, hilft damit den örtlichen Produzenten und wird so praktisch Teil des Projekts“, sagt er und will demnächst in seinem noch im Aufbau befindlichen Laden auf 13 Weine aufstocken.

Alle aus der Nähe und aus lokalen Rebsorten – unter denen sich bisher der Moscatell, der gerade auf Hochtouren in der Marina Alta geerntet wird, kurioserweise nicht befindet. „Die Moscatell-Traube war eigentlich für Rosinen gedacht, nicht für Wein“, sagt er kurz. „Mir ist sie zu süß.“

Beste Traube der Marina Alta, findet Chesnot, sei dagegen der Giró, den sulfitfreien Wein daraus erhält er für seine limitierte Karte von einem Benissaner Produzenten. Für die anderen Weine aus den Trauben Garnatxa, Macabeu, Trabadell und Monestrell arbeitet er mit Bodegas in Villena, Teulada, Monóver, Benissa (alle Provinz Alicante), Cuevas de Vinromá (Provinz Castellón) und Ontinyent (Provinz Valencia) zusammen. „Diese Zusammenarbeit hat für mich keinen Preis, sie ist einfach ein großer Genuss“, versichert er. Ein Genuss, den er auch seinen Kunden wünscht.

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