Auf dem Boden in einem Garten sind herausgerissene Wurzeln und umgewühlte Erde zu sehen.
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Wildschweine haben in dem Garten an der Costa Blanca alles umgewühlt.

Plage in Spanien

Wildschweine an der Costa Blanca: Jagd als letzte Hoffnung für Garten Finca la Cuta

  • Anne Thesing
    vonAnne Thesing
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Der Garten Finca la Cuta in Llíber an der Costa Blanca kämpft ums Überleben: Wildschweine machen alles platt. Als letzte Hoffnung bleibt nur noch die Jagd - die ist hier aber nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

Llíber - Sollte das jetzt noch zwei Wochen so weitergehen, schätzt Susanne Semjevski, dann müsste sie den Garten dichtmachen und eine über 35 Jahre alte Geschichte voller Leidenschaft und unermüdlichem Einsatz würde traurig enden. Nicht weil der Rentnerin, was verständlich wäre, die tägliche harte Gartenarbeit zu viel oder die Wasserkosten zu hoch würden. Sondern weil die nächtlichen Besucher, die die Finca la Cuta in Llíber an der Costa Blanca seit zwei Wochen regelmäßig heimsuchen, den „Garten verstümmeln“, wie sie sagt. Wildschweine habe sie in solchen Scharen in 35 Jahren noch nicht erlebt.

Wildschweine
Wissenschaftlicher NameSus scrofa
Höhe55 – 120 cm (Erwachsener, Schulterhöhe)
Länge90 – 200 cm (Erwachsener, Ohne Schwanz)
Stellung in der NahrungsketteAllesfresser
FamilieEchte Schweine

Wildschweine an der Costa Blanca: Spur der Verwüstung im Garten Finca la Cuta

Wie auch in anderen Gegenden in Spanien immer mal wieder Wildschweine aufkreuzen, „gab es auch hier schon öfter welche, aber von denen lief vielleicht mal eins durch den Garten, ohne großen Schaden anzurichten“, sagt die Deutsche. Doch was in diesem Jahr passiert, ist kaum wieder gutzumachen. Es ist ein Bild der Verwüstung, das sie Tag für Tag beim morgendlichen Blick in ihr Lebenswerk empfängt. „Der Boden ist umgewühlt, die Wege sind kaputt, die Wildschweine drehen jeden Stein um, die Beet-Umrandungen sind zerstört, sie graben tiefe Löcher, reißen Blumen aus und legen die Wurzeln frei“, sagt sie verzweifelt. „Von meinen 24.000 Quadratmetern ist ein Viertel umgegraben. Ich lasse mich normalerweise nicht leicht entmutigen, aber jetzt fühle ich mich tatsächlich überfordert und weiß nicht mehr, was ich tun soll.“

Alles wieder herrichten? Das wäre vermutlich vergebliche Liebesmühe, könnte es doch schon am nächsten Morgen wieder so aussehen wie vorher. Hilfe vom Rathaus? „Die sagen mir, dass sie nichts machen können“, erklärt sie. „Bei uns werden viele Treibjagden durchgeführt“, heißt es dort auf Anfrage der CBN, „aber in Gebieten wie der Cuta darf nicht geschossen werden, dort gibt es zu viele Häuser in der Nähe“.

Wildschweine an der Costa Blanca: Jagd als letzter Ausweg für die Rettung des Gartens?

Zu viele Häuser - die vielleicht auch der Grund des Übels sind. „Wir nehmen den Wildschweinen immer mehr Lebensraum weg“, sagt Semjevski. „Als ich 1982 die Finca kaufte, gab es hier keine Häuser. Jetzt ist alles bebaut. Die armen Tiere suchen ja auch nur ihr Fleckchen“, meint sie, hadert zwischen Verständnis und Verzweiflung, weiß aber, dass sie den Garten verliert, wenn sie nichts unternimmt. Tipps von Landwirten, gebrauchte, nach Menschen riechende Arbeitsanzüge als „Wildschweinscheuche“ aufzustellen oder Pellets auszulegen, von denen den Wildschweinen übel wird, damit sie nicht wiederkommen, hat sie ausprobiert. Ohne Erfolg. Die einzige Lösung sieht Semjevski in der Jagd, doch die gestaltet sich, angesichts der zu dicht gewordenen Besiedlung rund um ihr Grundstück, schwierig.

Doch dann, als die Deutsche sich schon fast das Handtuch werfen sieht, gibt es doch noch Hoffnung. „Zwei unserer Jäger arbeiten mit Pfeil und Bogen“, sagt der zu Rate gezogene Präsident des Jagdclubs Xaló-Llíber, Jaime Signes. Das sei eine Möglichkeit, der Plage auch in den Gebieten Herr zu werden, in denen die Jagd mit Gewehren nicht erlaubt ist. Ob die beiden Bogenschützen Erfolg haben, wird sich zeigen, wenn sie sich die Lage vor Ort angesehen haben.

Auch ein Lärmgerät soll die Wildschweine aus dem Garten an der Costa Blanca vertreiben.

Wildschweine an der Costa Blanca: Hoffnung auf Rückkehr ins Garten-Paradies

Nach zwei trostlosen Wochen ist Susanne Semjevskis dankbar über diesen Hoffnungsschimmer – und darüber, dass ihr morgendlicher Blick eventuell bald nicht mehr auf ein zerstörtes Lebenswerk fallen wird, sondern auf das Naturparadies, das sie sich so mühsam aufgebaut hat - und das in den vergangenen Jahrzehnten so viele Menschen glücklich gemacht hat. Noch am 1. Mai durften Besucher, die oft aus verschiedenen Teilen der Region Valencia kommen, dieses beim Maifest genießen, am letzten Samstag im Juni soll das traditionelle Lavendelfest stattfinden – sofern der Zustand des Gartens es erlaubt. Sonntags ist er nach wie vor von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Auch wenn der Anblick zurzeit nicht der schönste ist, „hoffe ich, dass viele kommen, um mich zu unterstützen“, sagt sie, weiß aber auch: „Das Überleben der Finca hängt von den Wildschweinen ab“.

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