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"Winterschlaf" gegen Coronavirus: Verschärfter Lockdown in Spanien

- Ausgangssperre: Wer, wie, was, warum? - Sechs Regionen haben keinen Platz mehr auf Intensivstation...

- Ausgangssperre: Wer, wie, was, warum? - Sechs Regionen haben keinen Platz mehr auf Intensivstationen - Letzte 24 Stunden: Mehr Tote in Spanien als in Italien Madrid - mar. Was bedeutet die am Samstag von Regierungschef angekündigte Verschärfung der Ausgangssperre konkret? Vom 30. März bis 9. April müssen auch alle Arbeiter zu Hause bleiben, die nicht zum sogenannten essentiellen Sektor gehören. Auf diese Weise will die Regierung die Mobilität des Landes weiter verringern und damit dem Virus noch weniger Möglichkeiten der Verbreitung geben und so den "Kollaps des Gesundheitssystems abwenden." (Die Covid-19-Zahlen für Spanien von heute, Sonntag.) Da sich an den 9. April die Semana Santa anschließt, erreicht man so eine "Stilllegung" von über zwei Wochen. Das Land werde in einen "Winterschlaf" versetzt, wie es Finanzministerin María Jesús Montero ausdrückte. Bekanntlich ist Schlaf die beste Medizin. Der Lohn wird für die betroffenen Angestellten weitergezahlt, die verlorene Arbeitszeit soll bis Jahresende aufgeholt werden können. Gleichzeitig tritt ein Verbot von Kündigungen aus "höherer Gewalt" in Kraft, um, wie es hieß, "zu verhindern, dass Unternehmen die Krise ausnutzen" könnten. Ausgenommen auch von der verschärften Ausgangssperre und von Schließungen sind - immer unter Voraussetzung der bekannten Sicherheitsvorschriften: - Hoheitliche Sicherheitskräfte, das Gesundheitswesen mit allen seinen Nebengewerben, Sicherheitsdienste, Müllabfuhr, Straßendienste etc., öffentlicher Nah- und Fernverkehr (eingedenk der bereits bekannten Einschränkungen), Infrastruktur: Energie, Wasser, Gas, Telekommunikation - Pharmazeutische Industrie und deren Zulieferer, Apotheken - Transport von lebenswichtigen Gütern und Transporte für die von der Ausgangssperre ausgenommenen Industrien und Dienstleister - Mitarbeiter von Lebensmittelgeschäften und anderen Produkten des täglichen Bedarfs, Optiker, orthopädische Geschäfte, Tiernahrung, Tierarztpraxen - Mitarbeiter der Medien, Kioske und Pressegeschäfte - Tabakläden und ihre Zulieferer, Wäschereien - Geschäfte für Telekommunikation und technische Geräte - Häfen und Flughäfen - Alle Unternehmen, die ihre Produktion zur Unterstützung des Kampfes gegen das Virus umgestellt haben (darunter fallen auch sogenannte Nothotels) Lob und Kritik Während Ärzte und Gewerkschaften den Schritt begrüßen, verweisend auf eine hohe Zahl von Arbeitern, die "genötigt" gewesen seien, ohne ausreichenden Schutz zu arbeiten, kritisierten Arbeitgebervertreter die Maßnahme, vor allem auch die kurzfristige Verkündung, denn über das Wochenende hätten die Firmen keine Möglichkeit gehabt, sich darauf vorzubereiten. PP-regierte Regionen verlangten, selbst die Maßnahmen an "unsere gesundheitliche und wirtschaftliche Realität" anpassen zu dürfen, - d.h.: sie wollten unter anderem auf dem Bau weiterwerkeln lassen. UCIs am Anschlag In mittlerweile sechs Autonomen Regionen seien die Intensivstationen "am Limit angekommen", erklärte der Leiter des Notfallstabes des Gesundheitsministerius, Fernando Simón. In drei weiteren "bewegen wir uns zügig auf die Kapazitätsgrenze zu". Er geht davon aus, dass sich diese Situation im Laufe der kommenden Woche noch verschärft. Alle Anstrengungen seines Stabes gehe nun in die Richtung, diese Situation zu verbessern. In den letzten 24 Stunden kamen spanienweit 332 weitere Patienten auf Intensivstationen (UCI), insgesamt liegen dort jetzt 4.907 Menschen. Das waren zwar "nur" 7,5 Prozent mehr als am Vortag, womit diese Kurve sich etwas abgeschwächt hat, doch da die Aufenthaltsdauer auf den UCIs bis zu 30 Tage betragen kann, "sammeln sich die Patienten dort an". Daraus ergibt sich das Risiko, dass Menschen sterben können und werden (und es schon tun), weil sie nicht die adäquate Behandlung erhalten. Simón weigerte sich die sechs überlasteten Regionen namentlich zu nennen, "um auf diese nicht noch höheren Druck aufzubauen". Es ist aber bekannt, dass Madrid, Katalonien, Castilla La Manche, Castilla y León, das Basenkland sowie Navarra und La Rioja anteilig die höchste Belastung auf ihren UCIs haben. Die Region Madrid verfügt derzeit über 1.745 Intensivbetten für 6,7 Millionen Einwohner. Diese sind zu über 80 Prozent belegt. Simón verdeutlichte, dass die Verschärfung der Ausgangssperre exakt auf diese Zustände reagiere, man müsse zusehen, dass die Betroffenen schneller in die UCIs kommen, damit sie schneller genesen können und, dass weniger hinzukommen. Simón merkte an, dass 5.000 der 6.528 Covid-19-Todesopfer in den vergangenen sieben Tagen zu beklagen gewesen seien. Mit Zählung Sonntag, hatte Italien an einem Tag 80 Tote weniger als Spanien.

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