Mitarbeiter des medizinischen Personals in einem Schutzanzügen gehen durch das "Ifema"-Feldkrankenhaus. Foto: dpa

Zahl der Toten steigt auf 619 - Sánchez plant Staatspakt und TV-Star wettet mit Virologen über Ende des Ausgehverbots

Zahl der erfassten Angesteckten 166.019 Zahl der Coronavirus-Opfer in den vergangenen 24 Stunde...

Zahl der erfassten Angesteckten 166.019 Zahl der Coronavirus-Opfer in den vergangenen 24 Stunden: 619 / Insgesamt: 16.353 Zahl der Gesundgeschriebenen: 62.391 Madrid - sk. Beginnen wir mit einer guten Nachricht, die uns aus León erreicht und eigentlich besser zu Weihnachten passt als zu Ostern: Die Geburt eines Kindes stellt ein epochales Ereignis in der Ortsgeschichte von Valcuende dar. Erstmals seit 64 Jahren wurde in dem Dorf der Gemeinde Valderrueda östlich von León wieder ein Kind geboren. Mit dem kleinen Iván wächst die Zahl der Einwohner von vier auf fünf. Iván erblickte mit fast vier Kilo und 53 Zentimetern bereits am Dienstag trotz Coronavirus-Krise heil das Licht der Welt, es dauerte aber bis zum gestrigen Samstag, bis Carmina, eine der jetzt fünf, ihre Kalender konsultierte und die Tragweite des Ereignisses für den Ort erfasste. Bürgermeister Esteban González (PP) verkündete die frohe Botschaft im ganzen Land. Iváns Vater übrigens, der 34-jährige Víctor González, bekämpft nicht nur auf die reproduktive Weise die Landflucht. Vor fünf Jahren kehrte er ins Dorf seines Großvaters zurück und gründete mit Förderungsmitteln der Landesregierung von Kastilien León einen kleinen Viehzuchtbetrieb mit sechs Kälbern, der inzwischen 60 Kühe zählt. Der Stand von der Coronavirus-Front Die Zahl der Toten aufgrund der Coronaviruskrise hat in vergangenen 24 Stunden zugenommen. 619 Covid-19-Patienten haben von Samstag auf Sonntag ihr Leben verloren, fast 110 mehr als Vortag. Derweil wuchs die Zahl der registrieren Angesteckten an einem Tag um 4.167 auf 166.019. Die Lage stabilisiert sich weiter, trotz des Rückschlags 619 Toten liegt die Ansteckungsrate bei unter drei Prozent. Ministerpräsident Pedro Sánchez hat in einer Videokonferenz am heutigen Sonntag die Präsidenten der Autonomen Regionen zu "Koordination, Transparenz und Loyalität" aufgerufen. Madrid und Katalonien bleiben die Krisenherde der Epidemie 46.587 erfassten Infizierten und 6.278 Toten in Madrid sowie 34.027 Infizierten und 3.442 Toten in Katalonien. Andalusien kommt auf 10.006 Infizierte und 799 Tote, Murcia auf 1.449 Infizierte und 97 Tote und Valencia auf 8.841 Infizierte und 838 Tote. Wann können wir wieder raus? Die Regierung hat bekanntlich das Notstandsdekret bis 26. April verlängert und Gesundheitsminister Salvador Illa scheut keine Mühen, Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Ausgangssperre zu dämpfen. Ab Montag können zumindest die Industrie und Bauwirtschaft wieder ihre Arbeit aufnehmen, da das verschärfte Arbeitsverbot ausläuft. Das Gesundheitsministerium hat dazu Empfehlungen veröffentlicht. Wie dem auch sei, der Fernsehabenteurer Jesús Calleja läßt sich nicht entmutigen und hat kurzer Hand über Instagram eine Wette mit einem Experten auf dem Gebiet der Coronavirusforschung abgeschlossen. Luis Enjuanes Sánchez von Nationalen Institut für Biotechnologie  setzt eine Tasse Kaffee darauf, dass die Spanier im Sommer wieder an den Strand gehen können. “Viele Leute werden im Sommer an den Strand oder in die Berge gehen. Wir müssen uns von der Geschichte der Medizin und Virologie leiten lassen. Die Welt wird nicht untergehen. Diese Epidemie wird gehen wie alle anderen, das Virus wird vielleicht bleiben, aber als ein kontrollierter Erreger mehr”, sagte der Virologe, der selbst Covid-19 überwunden hat. Enjuanes prognostizierte eine langsame und schrittweise Rückkehr zur Normalität – vor Juni hält er noch eine Aufhebung des Ausgehverbots für möglich, bis Juli, schätzt er, sei die Ansteckungsgefahr dann “sehr stark gesunken”. Der Virologe spricht nicht im Namen der Regierung, glaubt aber ab dem 26 April können die meisten Personen wieder arbeiten gehen und ab Mitte Mai können die Menschen wieder raus auf die Straße, “nicht alle und nicht ganz normal”, sondern auf weiträumigen Flächen mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. “Die Vorsichtsmaßnahmen sind wichtig. Wenn wir eine zweite Ansteckungswelle bekommen, sind wir verloren”, sagte er. Von Konzerten, Fußballspielen oder Kinobesuchen könne noch keine Rede sein. Bars und Restaurants könnten seiner Meinung nach im Juni wieder öffnen und nur mit reduziertem Publikumsverkehr. Ein Restaurant mit Platz für 100 Personen könne etwa 25 bedienen, schätzt er. Auch Flugreisen hält er wieder für möglich, allerdings auch nur, wenn die Maschinen nur zu einem Viertel ausgelastet werden. Eine gänzliche Rückkehr zur Normalität hält der Virologe bis zur Entwicklung eines Impfstoffs für kompliziert. Was die Woche in der Politik bringt Das Interesse der Spanier am politischen Geschehen hat etwas nachgelassen. Diese Woche könnte aber politisch sehr interessant werden. Sánchez nimmt die Gespräche für einen großen Staatspakt mit Gewerkschaften und Arbeitgebern sowie den Vertretern der Autonomen Regionen und der Opposition auf. Ferner dürfte die Regierung bei der ersten parlamentarischen Kontrollsitzung seit dem Notstand ordentlich den Kopf gewaschen bekommen. Der Staatspakt Die Regierung Sánchez strebt einen Staatspakt an, um Spanien aus der wirtschaftlichen Krise zu führen, die das Coronavirus im Schlepptau mit sich bringt. Um auf eine breite Unterstützung bauen zu können, bemüht sich Ministerpräsident Pedro Sánchez um eine Wiederauflage des Moncloa-Pakts aus dem Jahr 1977, bei dem seiner Zeit alle an einem Strang zogen, um Spanien von der Diktatur durch eine Wirtschaftskrise in die Demokratie zu ziehen. Sánchez will vor allem die Unternehmer und Gewerkschaften im Boot haben. An einen Wiederaufbau der Wirtschaft ohne die Sozialvertreter braucht die Regierung gar nicht zu denken, da sie dafür auf viel zu schwachen Beinen steht. Die Arbeitgeberverbände stören sich an den schlechten Beziehungen der beiden großen traditionellen Parteien, PSOE und PP. Insgeheim wünschen sich die Arbeitgeber eine große Koalition, der die Regierung eine  kategorische Absage erteilt. Die Beziehungen der PSOE zu den Arbeitgeberverbände gelten als weit besser als die zu der konservativen Volkspartei. Mit den Bossen im Boot, könnte die PP aufspringen, so das Kalkül der Regierung. Die PP wiederum pokert darauf, dass die Sozialisten sich in der Wirtschaftskrise zerreiben. Allerdings weisen die Sozialisten nicht zu unrecht daraufhin, dass von dieser Taktik Vox mehr profitieren könnte als die PP. Hier ein intelligenter Einwurf, den der Abgeordnete von Teruel Existe, Tomás Guitarte, den Politikern von PP und PSOE unter die Nasen rieb, aus denen verstärkt die Einheit im Kampf gegen das Virus läuft.  Guitarte zitierte den portugiesischen Nobelpreisträger José Saramago  aus dessen Roman "Die Stadt der Blinden", in dem sechs Personen eine Pandemie aufhalten müssen, mit den Worten: "Beruhigt euch",sagte der Arzt. "In einer Epidemie gibt es keine Schuldigen. Wir alle sind Opfer." Die Arbeitgeberverbände stehen durchaus positiv einem Staatspakt mit Regierung und Gewerkschaften gegenüber, verlangen allerdings, dass die Regierung die Arbeitsmarktreform unangetastet lässt und sie eine Steuerreform die Unternehmer nicht mehr zu Kasse bittet. Die Gewerkschaften fragen sich zu Recht, wie man Steuersenkungen die höheren Ausgaben finanzieren soll. Die Regierung pocht auf Konsens, will die Frage nach Steuererhöhungen hinten anstellen und damit beginnen, mit welchem Wirtschaftsmodell man sich der Krise entgegenstellen will.  Die Regierung wird wahrscheinlich öffentliche Gelder in hohen Summen auf den Markt schütten und stellt sich die Verwendungsfrage in der Zeit nach dem Coronavirus. Als Problem gilt Podemos. Pablo Iglesias stieß vergangene Woche die Arbeitgeber vor den Kopf, als er deren Zustimmung für das Mindesteinkommen für sozialschwache Familien suggerierte ohne sie vorher zu befragen. Mit der Folge, dass die Arbeitgeber dem Treffen mit den Gewerkschaften und dem Arbeitsministerium fernblieben. Dieses Instrument des Pakts der Moncloa hört sich vernünftig an, lässt sich nur bedingt auf die heutige Zeit übertragen. Spanien hatte zu der Zeit noch keine Autonome Regionen und weder Krise noch Wirtschaft waren derart global geprägt. Ferner glich die Wirtschaftspolitik 1977 eher der von 2008, es ging um Kürzungen und Einsparungen - jetzt zeichnet sich eher eine expansive Wirtschaftspolitik mit der Ausschüttung öffentlicher Gelder zur Ankurbelung der Wirtschaft ab Parlament nimmt Betrieb wieder auf Ab Mittwoch nimmt das Parlament wieder verstärkt seine Arbeit auf. Ministerpräsident Pedro Sánchez muss sich erstmals seit dem Notstand vom 14. März wieder und von nun an wöchentlich einem Kontrollausschuss mit diesmal 18 Fragen der Opposition stellen, die Volkspartei sowie die baskischen und katalanischen Linksextremisten EH Bildu und CUP über das Corona-Krisenmanagement eingereicht haben. Auf die teilweise Wiederaufnahme des parlamentarischen Betriebs und damit der legislativen Kontrolle der Regierung drängten die Konservative Volkspartei die rechtspopulistische Vox. Die verschiedenen Fachauschüsse sollen peu a peu wieder ihre Arbeit nehmen. Die Volkspartei reibt sich an ihrem politischen Lieblingsfeind Pablo Iglesias. Der Podemosführer muss auf zur Frage nach seiner Verantwortung als Vizepräsident für das Coronavirus-Krisenmanagement Stellung nehmen. Seiner Vertrauten, der Arbeitsministerin Yolanda Díaz, wird die Unterstellung serviert, ihre politischen Maßnahmen oder vielmehr ihr spätes Reagieren auf die Krise hätte der Zerstörung von Arbeitsplätzen Vorschub geleistet. Die Finanzministerin María Jesús Montero muss sich dazu äußern, ob die Regierung wahrheitsgetreu und stichhaltig über die Krise informiert, Gesundheitsminister Salvador Illa, ob die Spanier gut gegen die Pandemie geschützt werden. Interessant könnte die Sitzung durchaus werden, da die Regierung sich auch konkreten Fragen stellen muss wie etwa nach der Wiederaufnahme des Schulbetriebs. Die wenigen anwesenden Sprecher könnten bei zwei Einwürfen aneinander geraden. So verlangt Vox eine Erläuterung darüber, wie “sich die Regierung der größten Wirtschaftskrise seit dem Bürgerkrieg” stellen will und die PP fordert Klarheit “über die wirtschaftlichen Konsequenzen aller Pläne und vorgesehenen Maßnahmen, die als Verordnung verabschiedet wurden”.    

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare