1. Costa Nachrichten
  2. Costa Cálida

Straßenschlacht in Cartagena: Warum das Parlament in Flammen aufging

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sandra Gyurasits

Kommentare

Das Parlamentsgebäude der Region Murcia in Cartagena steht in Flammen.
Vor 30 Jahren brannte das Parlament in Cartagena: Arbeiter und Polizisten lieferten sich eine Schlacht. © Asamblea Region Murcia (ARM)

Im Februar vor 30 Jahren stand das Parlamentsgebäude in Cartagena in Flammen. Der Brand ging in die Geschichte ein. Wütende Arbeiter und zurückschlagende Polizisten lieferten sich eine Straßenschlacht.

Cartagena – 40 Verletzte, zehn Autos und das Parlamentsgebäude in Flammen: Am 3. Februar 1992 lieferten sich Arbeiter und Polizei in Cartagena, dem Sitz des Regionalparlaments von Murcia,  zwölf Stunden lang eine brutale Straßenschlacht, die in die Geschichte der Region Murcia einging und an die nach 30 Jahren erinnert wird. Was war geschehen in der Stadt, die zu den ältesten Europas gehört?

Die Region Murcia erlebte Anfang der 1990er Jahre eine der schwersten Wirtschaftskrisen ihrer Geschichte, die besonders deutlich in der Hafenstadt zu spüren war und Cartagena in ein Pulverfass verwandelte. Die Zentralregierung in Madrid hatte drastische industrielle Umstrukturierungspläne auferlegt, die zur Zerschlagung großer öffentlicher und privater Unternehmen in Cartagena führten. Tausende Arbeiter auf Werften, im Bergbau oder in Düngemittel-Betrieben verloren ihre Jobs.

Cartagena
Höhe10 m
Fläche558,1 km²
Bevölkerung213.943 (2018) Instituto Nacional de Estadística
ProvinzMurcia

Teresa González, die damals für die Presse im Parlament zuständig war, erinnert sich an eine äußerst schwierige Legislaturperiode. Angesichts der Machtlosigkeit der Politiker in Cartagena, eine Lösung für die Probleme zu finden, gingen die Arbeiter auf die Straße. Fast täglich kam es zu Demonstrationen, die immer massiver, erbitterter und gewalttätiger wurden. Dass die Proteste an jenem Tag außer Kontrolle gerieten, führten viele auf das harte Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten zurück. Die Zeitung „La Verdad“ berichtete damals, dass die 260 Polizisten im Einsatz „alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel zur Bekämpfung von Ausschreitungen ausgeschöpft haben“.

Wie das Parlament in Cartagena in Brand geriet: Wütende Proteste der Arbeiter eskalieren

Die Eskalation hat eine Vorgeschichte, wie Teresa González berichtet. Bereits im November 1991 war es zu einem Zwischenfall in Cartagena gekommen. Rund 600 entlassene Arbeiter des Unternehmens Portmán Golf blockierten die Ausgänge des Parlamentsgebäudes während einer Plenarsitzung und hielten die Politiker quasi gefangen. Sie gaben die Regionalversammlung erst wieder frei, nachdem der damalige sozialistische Landesministerpräsident Carlos Collado ein Dokument unterschrieben hatte, in dem er sich verpflichtete, mit Portmán Golf über die Zahlung von Entschädigungen zu verhandeln.

Die Aktion hatte Folgen. Um solche Zusammenstöße zu vermeiden, griff die Polizei am 3. Februar besonders hart durch, was die ohnehin angespannte Stimmung weiter anheizte. Es flogen Steine und Knallkörper auf Seiten der Protestierenden, und die Polizei zögerte nicht, Knüppel und Gummigeschosse einzusetzen. Nach fast zehnstündigen Protesten schien sich die Lage zu beruhigen. Der Präsident der Regionalversammlung, der Sozialist Miguel Navarro, hatte Gewerkschaftsvertretern Gespräche angeboten. Die Polizei hatte bereits begonnen, sich zurückzuziehen, als plötzlich ein Molotowcocktail durch das Fenster in den Plenarsaal flog und die Möbel in Brand setzte.

Eine Gruppe von elf Personen steht vor dem Eingang des Parlamentsgebäudes der Region Murcia in Cartagena.
Das Parlament in Cartagena heute: Nichts erinnert mehr an die Schlacht von vor 30 Jahren. © Carm

Die Schlacht von Cartagena: Arbeiter und Polizisten, einst Nachbarn, bekämpfen sich

Ein Bild wird Pepe Campillo, der als 20-Jähriger in der Cafetería seines Vaters arbeitete, nicht vergessen: Ein gestandener Nationalpolizist, der in Tränen ausbrach, weil sich hier Menschen – Polizisten und Arbeiter – bekämpften, die sich kannten, die Nachbarn waren. Ohne die Gewalt zu rechtfertigen, glaubt Campillo, dass der Brand der Regionalversammlung die Deindustrialisierung und die hohen sozialen Kosten in den Blickpunkt rückte und einen Plan zur Reindustrialisierung für Cartagena anstieß.

Das Gebäude des Regionalparlaments war erst 1991 nach einer mehrere Jahre dauernden Umgestaltung fertig worden. Seine sehenswerte Fassade fällt durch avantgardistische Elemente, üppige Kacheln und große verglaste Flächen auf. Nur wenige Monate nach der Eröffnung waren jedoch die Spuren des Brandes Blickfang.

Auch interessant

Kommentare