Eine Reihe von Soldaten der Marine in weißen Uniformen in Cartagena, dem Betrachter mit dem Rücken zugewandt.
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Laut einem Gutachten gibt es rechstextreme Ansichten bei Militärangehörigen in Cartagena.

Rechtsextremismus beim Militär

Faschistische Grüße aus Cartagena: Gutachten über mutmaßliche Nazis beim Militär

  • Sandra Gyurasits
    vonSandra Gyurasits
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Aus einem Gutachten geht hervor, dass ein Flugkapitän, ein Feldwebel und zwei Unteroffiziere aus Stützpunkten in Cartagena der Neonazi–Gruppe „Lo Nuestro“ aus Murcia angehören sollen. Fotos zeigen die Militärs mit eindeutigen Gesten.

Cartagena – Ein Gutachten über Neonazis beim spanischen Militär in Cartagena, das am vergangenen Wochenende auf dem linksgerichteten Nachrichtenportal www.publico.es veröffentlicht wurde, hat eine Reihe von Fragen aufgeworfen. Aus der 45-seitigen Dokumentensammlung soll hervorgehen, dass ein Flugkapitän der Luftstreitkräfte in San Javier, ein Feldwebel und ein Unteroffizier der Marine sowie ein Unteroffizier des Heeres in Cartagena der Neonazi-Gruppe „Lo Nuestro“ aus Murcia angehören.

Cartagena
Fläche558,1 km²
Bevölkerung213.943 (2018)
RegionMurcia
UniversitätPolytechnische Universität Cartagena UPCT

Das Dossier mit eindeutigen Fotos und Belegen widerlege die These der Regierung von Spanien, dass es sich bei den Anhängern von faschistischen und franquistischen Ideologien sowie Putschisten um bereits pensionierte Militärangehörige handelte, die keinen Einfluss mehr auf junge Soldaten ausüben könnten, sagte der Abgeordnete für das linksgerichtete Bündnis Unidas Podemos in der Region Murcia, Javier Sánchez Serna.

Rechtsextreme Tendenzen beim Militär in Cartagena: Beweise liegen der Regierung vor

Die unter Verdacht stehenden Militärs aus Cartagena an der Costa Cálida seien alle aktiv im Dienst, so Serna. Flugkapitän Antonio José Meroño und Marine-Feldwebel Alfonso López Conesa seien für die Ausbildung von Offizieren der Luftstreitkräfte und von Kadetten der Marine und des Heers zuständig.

Das ausführliche Gutachten wurde von der Gruppe Ciudadan@s de Uniforme angefertigt. Dabei handelt es sich um einen Telegramm-Kanal, auf dem Soldaten Misshandlungen, Regelverstöße durch ihre Vorgesetzten und rechtsextreme Tendenzen melden können. Die Papiere sollen dem Verteidigungsministerium bereits seit Dezember vorliegen. Serna bat Ministerin Margarita Robles (PSOE) offiziell um Stellungnahme und fragte, wie die Neonazi-Gruppe innerhalb der Streitkräfte in Cartagena zerschlagen und welche Maßnahmen gegen die führenden Kräfte ergriffen werden sollen.

Rechtsextreme Tendenzen beim Militär in Cartagena: Freundschaft zu verurteiltem Neonazi

Die Fotos und Dokumente aus dem Gutachten zeigen unter anderem den Hauptprotagonisten, Flugkapitän Meroño, der gemeinsam mit Marine-Unteroffizier Héctor Veiga Gutiérrez, Unteroffizier des Heeres Francisco Javier Díaz Pérez und Mitgliedern der Neonazi-Gruppe „Lo Nuestro“ aus Murcia den Kauf eines Original-Eisernen-Kreuzes aus dem Jahr 1936 feierte, das Hitler als Kriegsauszeichnung verliehen haben soll. Auf den Fotos, die die Militärs selbst auf Facebook oder Instagram veröffentlichten, ist oft auch der verurteilte Neonazi Pedro Santiago Escobar Honrubia aus Albacete zu sehen.

Auch die Marine in Cartagena ist nicht vor rechtsextremen Einflüssen gefeit.

Das Landgericht von Madrid hatte Honrubia 2009 zu einem Jahr Gefängnis und zwölf Jahren Berufsverbot verdonnert wegen des illegalen Besitzes von Waffen und der Mitgliedschaft in der spanischen Abteilung der US-amerikanischen Neonazi-Gruppe Hammerskins, die unter anderem für einen Überfall auf das Lokal Bierkönig auf Mallorca im Sommer 2017 verantwortlich sein soll. Grund war der Auftritt einer Sängerin afrikanischer Abstammung.

Rechtsextreme Tendenzen beim Militär in Cartagena: Eindeutiger Gruß auf vielen Fotos

Auf einem Bild aus dem Jahr 2018 feiern die Freunde Meroño und Honrubia mit einem SS-Gruß, mit dem sie sich als Bewunderer von Hitler outen. Dabei werden Daumen, Zeige- und Mittlerfinger der rechten Hand von einer Faust abgespreizt. Diese Geste ist auf fast jedem Foto zu sehen, manchmal auch mit ausgestrecktem rechten Arm.

Oft tragen die Protagonisten Shirts mit Nazi-Propaganda, zum Beispiel mit einem Schriftzug zu Ehren der „División Azul“ (Blaue Division), eine Infanteriedivision aus spanischen Freiwilligen, die unter Führung der deutschen Wehrmacht von 1941 bis 1943 gegen die Sowjetunion kämpften.

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