Ein Mann mit Schutzanzug desinfiziert die Diskothek Plaza Cool Beat in Lorca.
+
Coronavirus-Ausbruch in Lorca: Diskothek Plaza Cool Beat geschlossen und desinfiziert.

Zweite Coronavirus-Welle

Coronavirus in der Region Murcia: Neue Ausbrüche, Mazarrón im Visier

  • vonSandra Gyurasits
    schließen

Die Region Murcia hat mit steigenden Zahlen von neuen Coronavirus-Fällen und einer massiven Flüchtlingswelle zu kämpfen. Superpsreader sind vor allem Diskotheken und Landwirtschaftsbetriebe. Besonders getroffen in Mazarrón. Auch unter den Immigranten befinden sich Infizierte.

  • 47 Coronavirus-Infizierte in einem Landwirtschaftsbetrieb in Mazarrón: Das Landesgesundheitsministerium ordnet Schließung an.
  • Wegen steigender Coronavirus-Fälle in Murcia schickt die Landesregierung die Gemeinde Totana für eine weitere Woche in Phase 1.
  • Auch in Lorca schießen die Zahlen in die Höhe.
  • Die Region Murcia erlebt einen noch nicht dagewesenen Ansturm von Bootsflüchtlingen in Cartagena.
  • Mindestens 38 Immigranten aus Nordafrika sind mit dem Coronavirus infiziert.

Update, 4. August: Das Landesgesundheitsministerium von Murcia sieht davon ab, Mazarrón in die Phase 1 oder 2 des Deeskalationsplans zur Bekämpfung der Coronavirus-Krise zu schicken. Vorerst bleibt es bei 55 Neuinfizierten, von denen 47 in dem bereits geschlossenen Landwirtschaftsbetrieb Susaña arbeiten. Sowohl Landesregierung als auch Rathaus betonen, dass sich das Virus nicht in dem touristischen Küstenort Puerto de Mazarrón ausgebreitet habe.

RegionMurcia
HauptstadtMurcia
Einwohnerzahl1,5 Millionen
Fläche11.313 Quadratkilometer

Coronavirus in Murcia: Weitere Flüchtlingsboote angekommen - Mindestens vier mit Coronavirus infiziert

Update, 3. August: Die Zahl der Neuinfizierungen mit dem Coronavirus ist in der Region Murcia erneut gestiegen. Besonders betroffen ist Mazarrón mit 55 Fällen, darunter 47 Arbeiter des Landwirtschaftsbetriebs Susaña. Landesgesundheitsminister Manuel Villegas (PP) rief die Arbeiter auf, bei Symptomen auf keinen Fall zur Arbeit zu gehen.

Erneut sind in der Nacht zu Montag, 3. August, acht Flüchtlinge aus einer Sporthalle in Cartagena ausgebrochen, wo sie sich in Quarantäne befanden, nachdem sie mit Coronavirus-Infizierten in Kontakt waren. Den Männern aus Algerien gelang die Flucht durch die Klimaanlagen-Schächte. Insgesamt sind 100 Immigranten in der Sporthalle untergebracht. 66 sind ausgebrochen. 17 befinden sich noch auf der Flucht. Am Samstag, 2. August sind zwei weitere Füchtlingsboote mit 15 Männern und Frauen aus Algerien an der Küste vor Cartagena und Águilas angekommen. Insgesamt wurden am Wochenende 41 Bootsflüchtlinge aufgegriffen. Mindestens vier von ihnen sind mit dem Coronavirus infiziert.

Coronavirus in der Region Murcia: Mazarrón nach Ausbruch im Visier, Bootsflüchtlinge abgehauen

Update, 1. August: Die Zahlen der Neuinfizierten mit dem Coronavirus in der Region Murcia steigen weiterhin an auch wegen der massiven Tests, die durchgeführt werden. In Lorca sind bisher 45 Infizierte registriert worden, in Mazarrón 34, in Totana 127.

Der Bürgermeister von Mazarrón Gaspar Miras (PSOE) macht den Landesgesundheitsminister von Murcia Manuel Villegas (PP) für die Flut an Kündigingen von Hotelreservierungen verantwortlich. Villegas hatte am Montag, 27. Juli, angedroht, Mazarrón und Lorca teilweise unter Quarantäne zu stellen. In Águilas und Puerto Lumbreras wächst die Sorge, dass sich das Virus von Lorca auf die beiden Nachbargemeinden ausbreiten könnte, weil viele Lorquiner dort Ferienwohnungen besitzen.

In der Nacht zum 1. August ist es zu einem weiteren Ausbruch von 59 Bootsflüchtlingen aus einer Sporthalle in Cartagena gekommen. Die Immigranten, die vor wenigen Tagen aus Algerien kamen, müssen eine 14-tätige Quarantäne absolvieren, nachdem sie mit Infizierten Kontakt hatten. Am Abend des 31. Jui sind erneut 26 Flüchtlinge aus Algerien auf drei Booten vor der Küste von Cartagena aufgegriffen worden, unter ihnen Frauen und Minderjährige. Die Guardia Civil erwartet eine weitere Flüchtlingswelle.

Update, 31. Juli: Das Landesgesundheitsministerium von Murcia hat angesichts der wie auch im Rest des Spaniens steigenden Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus die vorübergehende Schließung des Landwirtschaftsbetriebs Susaña angeordnet, nachdem bei zwölf Arbeitern das Coronavirus nachgewiesen wurde. Das entspricht zwölf Prozent der gesamten Belegschaft. In Lorca haben sich bis jetzt rund 280 Besucher der Diskotheken Plaza Cool Beat und La Confitería testen lassen. Heute sollen weitere 200 folgen. Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass dadurch die Zahl der Infizierten steigen wird.

Unterdessen wurden zwei Unterkünfte für 130 Bootsflüchtlinge aus Nordafrika gefunden, die unter Quarantäne gestellt werden müssen, weil sie mit Infizierten Kontakt hatten. 100 Immigranten werden in dem Hotel Cenajo in Moratalla untergebracht, 30 in dem Gästehaus der Universität von Cartagena. 100 waren zuvor in einer Sporthalle in Cartagena einquartiert worden. Die Polizei rechnet mit einer weiteren Flüchtlingswelle vor der Küste von Murcia. Vergangenes Wochenende waren über 450 illegale Immigranten aus Nordafrika aufgegriffen worden.

Erstmeldung/Murcia/Cartagena - Das Coronavirus ist in der Region Murcia weiterhin auf dem Vormarsch. Die Zahl der Neuinfektionen steigt kontinuierlich. Am 30. Juli wurden über 584 aktive Coronavirus-Fälle in der Region Murcia registriert. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie steckten sich insgesamt bis jetzt fast 4.038 Menschen an, 151 starben an Covid-19. 4.500 Personen, die Kontakt zu Infizierten hatten, werden medizinisch überwacht.

Von einem Coronavirus-Ausbruch sei die Rede, wenn drei Infektionen auftauchen, die miteinander in Verbindung stehen, erklärte Landesgesundheitsminister Manuel Villegas. Zuletzt gab es Ausbrüche in Totana, Murcia, Lorca und Mazarrón. In Totana drohte die Lage zunächst außer Kontrolle zu geraten. In der 32.000 Einwohner zählenden Gemeinde breitete sich das Virus vor allem in der südamerikanischen Bevölkerung so rasant aus, dass die Landesregierung Totana als erste Gemeinde Spaniens seit Beginn der „neuen Normalität“ am 23. Juli für sieben Tage zurück in die Phase 1 des Deeskalationsplanes zur Bekämpfung der Corona-Krise schickte. Am 29. Juli wurde die Maßnahme um eine weitere Woche bis zum 6. August verlängert.

Coronavirus-Ausbruch in Murcia: Totana zählt schon 150 Neuinfizierte und bleibt in Phase 1 

Phase 1 bedeutet, dass Bewohner aufgefordert sind, zu Hause zu bleiben. Sie dürfen Totana nur in genehmigten Ausnahmefällen und die Region Murcia gar nicht verlassen. Restaurants und Bars dürfen Kunden nur auf Terrassen bedienen und müssen um 24 Uhr schließen. Seniorentagesstätten sind geschlossen. In Altersheimen herrscht Besuchsverbot. Die beiden Gesundheitszentren kümmern sich ausschließlich um Covid-19-Fälle.

Als Infektionsherd wurde der Pub Dubai in Totana ausgemacht. Das Nachtlokal wurde geschlossen, nachdem bei drei Besuchern das Virus nachgewiesen worden war. 300 Pubgänger ließen sich testen. Bisher fielen 150 Coronavirus-Tests positiv aus. Ähnlich ist die Lage in Murcia. Bei 91 Besuchern von Diskotheken in der Ausgehmeile Atalayas wurde Sars-CoV-2 nachgewiesen. Insgsamt zählt Murcia bisher 161 Fälle. Die beiden Ausbrüche gehen vermutlich auf vier infizierte Personen aus Bolivien zurück, die am 3. Juni nach Murcia reisten, wo sie als Erntehelfer arbeiten. Eine Frau mit Symptomen ging erst zehn Tage später zum Arzt.

Coronavirus-Welle in Murcia: 30 Infizierte in Mazarrón, betroffen ist auch ein Landwirtschaftsbetrieb

In Mazarrón schrillten die Alarmglocken am 21. Juli, als das Postamt geschlossen wurde, nachdem zwei Angestellte positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Nur wenig später wurden am 24. Juli auch die Tagesstätten für Senioren und Behinderte geschlossen, Besuche in Altersheimen ausgesetzt, nachdem sich ein Angehöriger einer Pflegerin infiziert hatte. Inzwischen stieg die Zahl der Angesteckten auf 30, darunter acht Mitglieder einer Familie. Betroffen ist ebenfalls ein Landwirtschaftsbetrieb.

In Lorca gab es nach Angaben des Bürgermeisters Diego José Mateos (PSOE) bis zum Morgen des 27. Juli nur einen bestätigten Coronavirus-Fall. Doch dann schoss die Zahl in die Höhe. Am 29. Juli zählte Lorca bereits 17 Fälle. Am 30. Juli waren es 29. Bei den Betroffenen handelt es sich zum Großteil um Besucher der Diskos Plaza Cool Beat und La Confiería, die beide geschlossen wurden. Villegas geht davon aus, dass die Zahl der Infizierten weiter steigen wird, da alle Besucher der Lokale aufgerufen sind, sich testen zu lassen.

Die Coronavirus-Ausbrüche in Mazarrón und Lorca stehen in Zusammenhang mit der Nachbargemeinde Totana. Die Landesregierung von Murcia hatte zwischenzeitlich ebenfalls eine Phasen-Rückstufung von Mazarrón und Lorca erwogen, doch dann davon abgesehen. Die Situation sei unter Kontrolle, werde aber strikt beobachtet, sagte Villegas.

Die Region Murcia steht vor einem weiteren großen Problem: Eine massive Flüchtlingswelle. Vom 24. bis 26. Juli wurden vor der Küste von Cartagena über 450 Immigranten auf mehr als 30 Booten abgefangen. Sie stammen aus Nordafrika, vor allem aus Algerien. So viele Flüchtlinge in so kurzer Zeit habe es in der Region Murcia noch nicht gegeben, sagte der Delegierte der Zentralregierung für Murcia, José Vélez, (PSOE). Die Unterbringung, Versorgung und Bewachung bereiten Probleme. 34 Flüchtlinge wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Sie wurden auf die Krankenhäuser Centro Médico Virgen de la Caridad und Santa Lucía in Cartagena verteilt, wie diie Bürgermeisterin von Cartagena, Ana Bélen Castejón, mitteilte.

Coronavirus in Cartagena: Elf infizierte Flüchtlinge befinden sich auf der Flucht

259 Immigranten, die mit den Infizierten während der sieben Tage dauernden Reise in Kontakt waren, müssen sich bis mindestens 7. August in Quarantäne begeben. Sie wurden provisorisch in Zelten des Roten Kreuzes am Hafenbecken Escombreras von Cartagena untergebracht und von der Nationalpolizei bewacht.

Doch während sich Zentral- und Regionalregierung gegenseitig die Verantwortung für die Bootsflüchtlinge zuschoben und nicht bereit waren, zusammenzuarbeiten, flüchteten 100 Nordafrikaner in der Nacht zum 28. Juli aus dem Zeltlager. Die meisten hatten sich auf dem Gelände hinter Kränen und Containern versteckt und wurden schnell gefunden. 30 gelang es allerdings, den Hafen zu verlassen. Über die Hälfte wurde wieder aufgegriffen und zurückgebracht. Am 30. Juli befanden sich noch elf auf der Flucht.

Coronavirus in Cartagena: Rechtsextreme Partei Vox will Armada gegen Flüchtlinge einsetzen

Coronavirus-Krise in Cartagena: Über 450 Bootsflüchtlinge in wenigen Tagen.

Inzwischen ist eine Lösung für rund 100 Flüchtlinge gefunden worden. Das Rathaus von Cartagena hat eine Sporthalle in Cabezo Beaza zur Verfügung gestellt. Fehlt noch immer eine sichere Unterbringung für die restlichen 130 Immigranten. Im Gespräche sind Sporthallen in Águilas, Mazarrón und La Unión und das Gästehaus der Universität von Cartagena.

Die chaotische Bewältigung des Flüchtlingsansturms hat die rechtsextreme Partei Vox, auf deren Unterstützung die Regierungskoalition in Murcia aus Volkspartei PP und Ciudadanos angewiesen ist, auf den Plan gerufen. Ex-Basketballspieler und Vox-Vertreter José Ángel Antelo forderte den Einsatz der spanischen Armada, um Flüchtlinge von der Küste fern zuhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare