Professor für Physik an der Universität Murcia UMU Juan Antonio Guirao zeigt auf eine Computer-Kurve.
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Physiker Juan Antonio Guirao versucht mit mathematischen Modellen die Coronavirus-Epidemie in Spanien vorauszusagen.

Entwicklung Coronavirus-Krise

Coronavirus-Krise in Spanien simuliert: Studie sagt überfüllte Krankenhäuser und 100 Tote pro Tag voraus

  • vonSandra Gyurasits
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Eine Studie der Universität Murcia sagt anhand von mathematischen Modellen die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Spanien voraus und zeichnet ein düsteres Bild, wenn keine Maßnahmen gegen die Ausbreitung ergriffen werden.

  • Die Lage der Coronavirus-Epidemie in Spanien ist besorgniserrend und noch schlimmer als nach Ende des Lockdown vorhergesagt.
  • Ohne Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungen mit dem Coronavirus gerät die Situation in Spanien Ende September außer Kontrolle.
  • Mathematische Modelle sagen bis Ende September rund 100 Covid-19-Tote pro Tag in Spanien voraus.

Murcia - Die Entwicklung der Coronavirus-Epidemie in Spanien ist besorgniserregend. Die Lage ist schlimmer als sie nach Ende des Ausgangssperre am 21. Juni vorhergesagt worden war. Zu diesem Schluss kommt der Professor für Physik an der Universität von Murcia (UMU), Juan Antonio Guirao. Er simuliert die Entwicklung der Pandemie seit Beginn des Ausbruchs mit Hilfe von mathematischen Modellen. Die Studie wird von dem Institut Carlos III, das zum Gesundheitsministerium der Zentralregierung gehört, finanziert und unterstützt. Derzeit werden eine Reihe von Studien zur Bekämpfung der Corona-Krise durchgeführt. In Almerías Krankenhaus Torrecárdenas wird ein intelligenten T-Shirt untersucht.

CoronavirusSars-CoV-2
Einstufung durch die WHO Pandemie (11. März 2020)
potenzielle Erkrankung Covid-19 (Atemwegserkrankung)
ÜbertragungswegeTröpfcheninfektion oder Aerosole
möglicher Übertragunsweg Schmierinfektion
ErstentdeckungProvinz Wuhan (Choina), 2019

Die Kurve der Neuinfektionen steige exponentiell an mit einer Reproduktionszahl von 1,35, wie aus dem wissenschaftlichen Bericht mit dem Titel "Studie zur Dynamik und Ausbreitung der Sars-CoV-2-Epidemie in Spanien“ hervorgeht. Die R-Zahl gibt an, wie viele Menschen von einer infektiösen Person durchschnittlich angesteckt werden. Ein Wert von über 1 bedeute, dass die Epidemie außer Kontrolle sei, hieß es.

Coronavirus-Krise in Spanien simuliert: 20.000 Neuinfektionen pro Tag Ende September

Die mathematischen Modellen von Guirao zeichnen nicht gerade ein optimistisches Bild. Wenn keine wirksamen Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus ergriffen werden und das Virus weiterhin so grassiert wie jetzt, könnte die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Spanien Ende August auf bis zu 5.000 pro Tag ansteigen. Ende September könnte die Situation mit 20.000 Fällen täglich außer Kontrolle geraten sein. Die Krankenhäuser wären überlastet, und die Zahl der Toten könnte auf täglich mehr als 100 steigen, ein Wert, der nähert rückt mit derzeit 131 Toten in sieben Tagen.

Dass die Sterberate zu sinken scheint, von zehn Prozent im März und April auf rund 0,5 Prozent im Moment, sei ein trügerisches Szeanrio, sagt Guirao. Die Abnahme sei hauptsächlich auf die gestiegene Zahl der Covid-19-Tests zurückzuführen. Dadurch würden viel mehr Infektionen mit dem Coronavirus festgestellt werden, vor allem Inifizierte mit leichten oder gar keinen Symptomen, die zuvor gar nicht entdeckt wurden und das Virus unwissend und ungebremst übertragen konnten.

Verlauf der Coronavirus-Krise in Spanien vorhergesagt: Die niedrige Sterberate bei Covid-19 trügt

Während des Lockdown konnte die Zahl der Ansteckungen reduziert werden. Der R-Wert fiel auf 0,8, was bedeutet, die Epidemie war unter Kontrolle. Während der schrittweisen Aufhebnung der Ausgangsbeschränkungen stieg die R-Zahl auf eins mit einer mehr oder weniger stabilen Zahl von rund 300 Coronavirus-Neuansteckungen pro Tag im Juni. Doch nach Ende des Lockdown schnellte der R-Wert innerhalb von elf Tagen auf 1,3 hoch und die Zahl der Neuinfektionen verdoppelte sich.

Auch wenn die Kurve der neuen Coronavirus-Fälle derzeit nicht so rasant ansteigt wie zu Anfang der Epidemie, als praktisch noch nichts über Sars-CoV-2 bekannt war, bleibt sie doch exponentiell, wie Guirao meint. Das bedeutet, dass die Fälle mittelfristig wieder genauso schnell zunehmen werden wie zu Anfang des Coronavirus-Ausbruchs. Guirao betont dabei, dass die düsteren Vorhersagen für den Fall gelten, dass keine Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungen unternommen werden würden.

Was hilft, die Coronavirus-Krise einzudämmen: Abstand, Händewaschen, Testen, Rückverfolgen

Wie eine Anti-Corona-Strategie aussehen könnte? Kontrolle, Hygiene, soziale Distanz, Beschränkungen, wenn nötig, kombiniert mit Tests und einer effizienten Rückverfolgung der Infektionen, meint der Physiker.

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