Corona in Murcia

Coronavirus-Krise: Region Murcia kommt relativ glimpflich davon

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Erste Lockerungen: Ein Spaziergang durch Cartagena.
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Kein AVE, wüstenähnliches Klima, gute Kontrolle und schnelles Abschotten werden als Argumente genannt, die erklären, warum die Region Murcia mit relativ wenig Coronavirus-Toten gut dasteht.

  • Schnelles Abriegeln der Küstengemeinden hat viele Ansteckungen verhindert.
  • Dennoch kann von Herdenimmunität keine Rede sein.
  • Das Virus macht einen Bogen um ein kleines Dorf.

Murcia - Weil die Region Murcia hinterherhinkt und noch immer keine Schnellzug (AVE)-Verbindung hat, weil das Klima wüstenähnlich warm ist oder weil 40.000 Verdachtsfälle gleich unter Quarantäne gestellt und telefonisch kontrolliert wurden: Das sind einige der Argumente, die immer wieder genannt werden, wenn es darum geht, zu erklären, warum die Region Murcia bis jetzt vergleichsweise glimpflich in der Coronavirus-Krise davon gekommen ist.

Täglich gibt die Landesregierung von Murcia (spanische Internetseite) die neuesten Zahlen von Neuansteckungen, Todesfällen und gesundgeschriebenen Patienten auf Twitter bekannt. Mit 134 Todsopfern beim Stand vom 4. Mai, schneidet die Region Murcia relativ gut ab. Ein Grund dafür war das schnelle Abriegeln der Küstengemeinden am 10. März, vier Tage bevor die Zentralregierung die Ausgangssperre für das ganze Land verhängte.

Von Herdenimmunität in Murcia kann noch keine Rede sein

Nachdem die Gemeinden festgestellt hatten, dass immer mehr Besitzer von Ferienwohnungen vor allem aus Madrid, der am schwersten betroffenen Region, ihre Urlaubsdomizile an der Küste von Murcia ansteuerten - manche davon, obwohl sie wussten, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert hatten - wurden die Küstenorte abgeriegelt. Verschärfte Polizeikontrollen verhinderten, dass Zweitwohnungsbesitzer aus anderen Provinzen oder Gemeinden Osterferien oder dem Mai-Brückentag am Mar Menor, in Águilas oder Mazarrón verbrachten.

Derzeit scheint der „Albtraum“, so wie Landesgesundheitsminster Manuel Villegas (PP) den Kampf gegen das Virus beschreibt, zu Ende zu gehen. Auf den Intensivstationen sind die meisten Betten frei, viele Gesundheitszentren haben keine Covid-19-Patienten mehr.

Dennoch ist die Zukunft ungewiss, weil fast zwei Monate nach dem ersten bestätigten Fall am 6. März von einer Herdenimmunität noch keine Rede sein kann. Die schrittweise Lockerung der strengen Ausgangssperre werde zu neuen Infektionen führen, hieß es. Wie viele es sein werden, vermag niemand vorauszusagen.

Ulea, kleines Dorf ohne Coronavirus-Fall

Das Gesundheistamt verfügt über detaillierte Informationen von 1.828 Infizierten, daraus ergibt sich eine Kurve, die einem Kamelhöcker gleicht, mit dem höchsten Punkt zwischen dem 13. und 23. März. Fast 46 Prozent der Patienten haben sich in Altersheimen angesteckt. Das Durchschnittsalter liegt bei 55 Jahren und im Gegensatz zu den landesweiten Statististiken infizierten sich in der Region Murcia mehr Frauen als Männer.

Von den insgesamt 45 Gemeinden der Region Murcia sind 44 betroffen, allen voran die beiden größten Murcia und Cartagena. Nur um das kleine, noch nicht einmal 900 Einwohner zählende Ulea mitten im Hinterland macht das Virus bis jetzt einen Bogen. Lange blieb auch Campos de Río verschont, bis das Rathaus am 29. April den ersten Coronavirus-Fall meldete.

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