Innenstadt von Cartagena mit geschlossenen Geschäften.
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Ausgangssperre und Treffverbot: Cartagenas Innenstadt ist verwaist.

Corona an Costa Cálida

Coronavirus in Murcia außer Kontrolle: Zu Hause bleiben, Leben retten

  • vonSandra Gyurasits
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Die Region Murcia bricht täglich den Rekord an Coronavirus-Fällen und hat die zweithöchste Infektionsrate von Spanien. Die Landesregierung zieht die Notbremse und verbietet Treffen mit Familie und Freunden.

  • In der Region Murcia haben sich an einem Tag 2.072 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt, so viele wie noch nie.
  • Murcia ist nach Extremadura die Region mit der höchsten Infektionsrate in Spanien.
  • Landesregierung verbietet Treffen mit Personen, die nicht in einem Haushalt zusammen leben.

Update, 20. Januar: Murcias Landesgesundheitsminister, Manuel Villegas, ist zurückgetreten. Das hat Landesministerpräsident Fernando López Miras bestätigt. Grund ist Villegas‘ außerplanmäßige Corona-Impfung, die durch Medienberichte bekannt geworden war. Auch an der Costa Blanca haben sich mehrere Bürgermeister impfen lassen, obwohl sie nach dem derzeitigen Impfplan noch längst nicht dran gewesen wären.

Coronavirus in Murcia: Rekord an Neuinfektionen

Erstmeldung, 14. Januar: Murcia - Die Region Murcia im Südosten von Spanien bricht täglich ihren eigenen Rekord an Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Beim Stand vom 14. Januar wurden 1.901 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden registriert, tags zuvor waren es 2.072, so viele wie noch nie. 20 Prozent der Tests fielen positiv aus. Zum Vergleich: Bei unter fünf Prozent gilt die Pandemie als kontrollierbar.

CoronavirusSars-CoV-2
Einstufungdurch die WHO Pandemie (11. März 2020)
potenzielle ErkrankungCovid-19 (Atemwegserkrankung)
ÜbertragungswegeTröpfcheninfektion oder Aerosole
möglicher Übertragunsweg  Schmierinfektion
ErstentdeckungProvinz Wuhan (China), 2019

Die Zahl der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern der Region stieg in nur zwei Tagen um 30 Prozent auf 583 an. 98 Patienten werden auf den Intensivstationen behandelt. Die Kliniken stehen erneut vor dem Kollaps. Deshalb wurden alle nicht notwendigen Operationen abgesagt. Die Zahl der Todesopfer stieg inzwischen auf 797.

Coronavirus in Murcia: Die Region weist eine der höchsten Infektionsraten in Spanien auf

Die Region Murcia weist die zweithöchste Infektionsrate in ganz Spanien auf, hinter Extremadura. Angesichts der außer Kontrolle geratenen Lage hat die Landesregierung neue Maßnahmen ergriffen. Seit 14. Januar sind Treffen mit Familienangehörigen und Freunden verboten. Personen, die nicht in einem Haushalt zusammenleben, dürfen weder draußen noch drinnen zusammenkommen oder gemeinsam in einem Auto fahren. Die Corona-Restriktionen gelten vorerst für zwei Wochen.

Landesministerpräsident Fernando López Miras (PP) erklärt die neuen Corona-Maßnahmen: „Heute gilt mehr als je zuvor: Zu Hause bleiben und Leben retten.“

López Miras stellte es den Gemeinden frei, ob sie Aktivitäten einstellen und öffentliche Einrichtungen wie Kulturhäuser, Kongresshallen, Theater, Bibliotheken oder Sportstätten schließen. Águilas, Cartagena und Molina de Segura machten bereits den Anfang und reduzierten das öffentliche Leben auf ein Minimum.

Coronavirus in Murcia: 36 von insgesamt 45 Gemeinden sind abgeriegelt

Die Landesregierung riegelte 36 der insgesamt 45 Gemeinden ab. Die Maßnahme betrifft 90 Prozent der Bevölkerung und bedeutet die Schließung aller Bars und Restaurants, die nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten dürfen. Geschäfte dürfen nur noch halb so viele Kunden einlassen. Die Einschränkungen gelten unter anderem für die drei großen Städte Murcia, Cartagena und Lorca, die Mar-Menor-Gemeinden Los Alcázares, San Javier und San Pedro del Pinatar sowie Águilas. In Mazarrón und Puerto Lumbreras, die bisher nicht abgeriegelt wurden, dürfen Bars und Restaurants Kunden auf ihren Terrassen bei einer Belegung von höchstens 75 Prozent bedienen.

Für die ganze Region wurde die Ausgangssperre auf 22 bis 6 Uhr erweitert. Die neuen Maßnahmen gelten zunächst bis zum 23. Januar. Die Abriegelung der gesamten Region Murcia wurde bis zum 21. Januar verlängert.

Coronavirus in Murcia: Ärzte fordern einen strengen Lockdown so wie im März während der ersten Welle

Die Ärztekammer der Region Murcia hatte einen strengen häuslichen Lockdown wie im März während der ersten Welle für mindestens zwei Wochen gefordert. Das würde zwar einen Eingriff in die persönliche Freiheit bedeuten, doch der Ernst der Lage rechtfertige die Maßnahme, hieß es. Das Landesgesundheitsministerium sieht von einem solchen Lockdown jedoch ab und setzt erstmal auf die Wirkung der neuen Corona-Beschränkungen.

Das Landesgesundheitsministerium fordert die Bevölkerung auf, auf soziale Kontakte zu verzichten.

Der Sprecher des Landesgesundheitsministeriums, Jaime Pérez, sprach von „harten Wochen“, die der Region Murcia bevorstehen würden. Er wies darauf hin, dass die Zahl der Neuinfektionen besonders in der Altersklasse der 17- bis 34-Jährigen zugenommen habe. Die Infektionsrate liegt in dieser Gruppe bei 1.181 Fällen pro 100.000 Einwohner in zwei Wochen. 78 Prozent der Ansteckungen seien auf Treffen mit der Familie und Freunden an Weihnachten und Silvester zurückzuführen. Virusträger hätten ganze Familien angesteckt, so Pérez. Die Folge: Derzeit sind in der Region Murcia fast 12.000 Menschen an Covid-19 erkrankt, der höchste Wert seit Ausbruch der Corona-Pandemie.

Coronavirus in Murcia: Das Schlimmste steht der Region noch bevor

Das Schlimmste sei jedoch noch nicht überwunden, sagte der Sprecher des Landesgesundheitsministeriums. Derzeit seien die Folgen von Silvester zu spüren. Wie viele Menschen in Murcia sich rund um den Feiertag Heilige Drei Könige am 6. Januar mit Corona angesteckt haben, wird sich erst noch zeigen.

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