Erneuter Ausbruch ist möglich

Coronavirus-Krise: Kommt sie nun die zweite Welle oder nicht?

  • vonSandra Gyurasits
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Mit Riesenschritten geht das Land in Richtung Normalität. Wie wahrscheinlich ist ein zweiter Ausbruch? Wissenschaftler erklären, warum das Virus zwar zurückkehrt, aber auf einen gewappneten Gegner trifft.

  • In Totana und Archena ist es bereits zu kleineren Ausbrüchen gekommen.
  • Ein Physiker und eine Epidemiologin aus Murcia sind von einer zweiter Welle überzeugt.
  • Das WHO und ein Facharzt für Infektionen sind optimistisch, dass das Virus verschwindet.

Murcia – Nach der fast zwei Monate dauernden strikten Ausgangssperre wegen der Coronavirus-Krise geht es nun mit Riesenschritten in Richtung „neue Normalität“. Die Staus auf den Straßen kehren zurück, Menschen treffen sich wieder - allerdings oft, ohne den vielbeschworenen Mindestabstand einzuhalten.

Experten rechnen mit einer zweiten Corona-Welle, sehen die Region aber gewappnet.

Einen Vorgeschmack einer möglichen zweiten Ansteckungswelle mit Sars-CoV-2 gab es in der Region Murcia bereits in Totana. Sechs Erntearbeiter wurden Mitte Mai positiv auf das Virus getestet. 45 Kontaktpersonen begaben sich in häusliche Quarantäne. Nur wenige Tage später meldete das Landesgesundheitsministerium in Murcia, dass sich fünf Mitglieder einer Familie in Archena mit Sars-CoV-2 angesteckt hätten. Neun Kontaktpersonen wurden isoliert.

Coronavirus-Krise: Bus mit Infiziertem in Murcia gestoppt

Erst am Donnerstag, 28. Mai, wurde in Murcia ein Autobus auf seiner Route von Granada nach Barcelona gestoppt. Das Auffanglager für Immigranten des Roten Kreuzes in Guadix in Granada hatte die Polizei informiert, dass vier Männer aus Nordafrika aus dem Zentrum geflohen und in den Bus gestiegen seien. Bei einem der Männer fiel der PCR-Test positiv aus. Nun müssen die insgesamt 22 Passagiere des Busses ausfindig gemacht und isoliert werden.

Wie real ist eine zweite Coronaviruswelle? Die Experten sind geteilter Meinung. Der Professor für Physik an der Universität von Murcia (UMU), Juan Antonio Guirao, simuliert die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie mit mathematischen Modellen. Er ist davon überzeugt, dass es einen zweiten Ausbruch geben wird. Zwar stabilisiert sich die Pandemie derzeit, sagt der Physiker gegenüber der Zeitung „La Verdad“. Dennoch stuft er das Risiko einer neuen Welle als real und hoch ein.

Corona-Virus: Einzig wirksames Mittel ist der soziale Abstand

Grund dafür sei, dass die Pandemie in Spanien hauptsächlich durch sozialen Abstand und Ausgangssperre unter Kontrolle gebracht wurde, ohne weitere Maßnahmen hinzuzuziehen wie zum Beispiel massive Tests in der Bevölkerung und eine strikte Rückverfolgung von Infektionsfällen wie sie in Südkorea durchgeführt wurden. Guirao befürchtet, dass mit der Deeskalation nun das einzig wirksame Mittel, der soziale Abstand, gelockert wird und damit die Gefahr von Ansteckungen wieder steigt.

Die Bedenken teilt auch die Medizinerin Carmen Navarro, die die Abteilung für Epidemiologie im öffentlichen Gesundheitssystem der Region Murcia aufgebaut und bis zu ihrer Pensionierung geleitet hat. Die menschlichen Kontakte seien der bestimmende Faktor.

DIe Fahndung nach Kontaktpersonen von Neuinfizierten ist aufwendig.

Dennoch sind sich beide Wissenschaftler einig. Eine zweite Welle wird Murcia und auch Spanien nicht mehr überrollen. Das Gesundheitssystem sei vorbereitet. „Das Virus ist kein Unbekannter mehr“, sagt Navarro. „Man weiß, wie es sich verhält, wie es sich überträgt, was es im Körper anrichten kann und ist in der Lage, entsprechend zu reagieren.“ Entscheidend sei, jeden Infizierten schnell zu entdecken, zu testen, zu isolieren und seinen Fall rückzuverfolgen. Dem System dürfe kein Fall durch die Lappen gehen.

Im Fall von Neuinfektionen: Eine Rückverfolgung ist aufwendig

Wie schwierig das ist, erklärt die Medizinerin in einem Interview mit der „La Verdad“. Am wichtigsten sei es, die Kontakte ausfindig zu machen. Also alle Personen, die mit dem Infizierten mindestens 15 Minuten lang zusammen waren, ohne den Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten und ohne eine Schutzmaske zu tragen. Anschließend muss bei Kontaktpersonen mit Symptomen sofort ein Schnelltest durchgeführt werden. Betroffene ohne Symptome werden 14 Tage lang in Quarantäne geschickt und müssen von einem Arzt telefonisch betreut werden.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO verbreitet derweil Optimismus. Ein zweiter Ausbruch werde immer unwahrscheinlicher, sagt die Direktorin für Gesundheit, María Neira aus Spanien. Modelle und Berechnungen der WHO wiesen darauf hin, dass die strengen Ausgangssperren ihre Wirkung zeigten. Die Zahl der Übertragungen sei derart gesunken, dass das Virus es schwer habe, zu überleben. Dennoch sei der Kampf gegen Sars-CoV-2 noch nicht gewonnen. Die nächsten Wochen auf dem Weg zurück zur Normalität seien kritisch, so Neira. Dann werde sich zeigen, wie das Virus reagiert.

WHO und Arzt aus Barcelona sind optimistisch

Der Chef der Abteilung für Infektionskrankheiten am Krankenhaus Valle d'Hebrón in Barcelona, Benito Almirante, ist davon überzeugt, dass sich die Coronavirus-Pandemie bereits in der Endphase befindet. In zwei bis drei Wochen könne sie nur noch ein Randphänomen sein, sagte er in einem Interview mit einem lokalen Fernsehsender in Barcelona. Er vergleicht Covid-19 mit einer Grippe, die ebenfalls anfangs einen sprunghaften Anstieg von Infektionsfällen verursacht. Der Grippe-Virus würde mehrere Wochen grassieren, um dann langsam zu verschwinden. Das Coronavirus werde sich ähnlich verhalten, ist der Facharzt überzeugt.

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