Ein Polizist in Cartagena hebt den Arm bei einer Verkehrskontrolle.
+
Alle 45 Gemeinden der Region Murcia sind abgeriegelt. Rein und raus darf nur, wer einen trifftigen Grund hat.

Kampf gegen Virus in Murcia

Coronavirus in Murcia: Reichen schärfere Restriktionen aus?

  • vonSandra Gyurasits
    schließen

Die Region Murcia hat harte Maßnahmen im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus ergriffen. Doch ob sie ausreichen und ein Desaster in den Krankenhäusern verhindern können? Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass es wieder einen Lockdown geben wird. Gewaltbereite Corona-Leugner randalieren.

  • Gesellschaft für Intensivmedizin in Murcia Somiuc: Die Betten in den Intensivstationen sind bereits zu 100 Prozent belegt.
  • Murcias Landeschef Fernando López Miras kündigt an, dass innerhalb von 24 Stunden 500 Betten bereitgestellt werden können.
  • Rund 80 Corona-Leugner randalieren auf den Straßen von Murcia und Cartagena.

Murcia – Murcia gehört zu den Regionen Spaniens, die die härtesten Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie ergriffen haben mit der Abriegelung der Region und ihrer 45 Gemeinden sowie der nächtlichen Ausgangssperre. Die verschärften Bedingungen sind angesichts der kritischen Situation in den Krankenhäusern notwendig, da sind sich alle einig. Mit Ausnahme der Corona-Leugner in der Region. 

Coronavirus\t \t \t \tSars-CoV-2
Einstufung durch die WHOPandemie (11. März 2020)
potenzielle ErkrankungCovid-19 (Atemwegserkrankung)
ÜbertragungswegeTröpfcheninfektion oder Aerosole
möglicher ÜbertragunswegSchmierinfektion
ErstentdeckungProvinz Wuhan (China), 2019

Mit Nachrichten in den Sozialen Netzwerken wie „Die Krankenhäuser sind leer. Die belügen uns und lassen uns vor Hunger sterben. Nicht alles ist Covid.“ haben Corona-Leugner in der Nacht zum 31. Oktober zu Protesten in Murcia und Cartagena aufgerufen. In mehreren spanischen Städten kam es zu Protesten. In Murcia und Cartagena randalierten um die 80 Personen auf den Straßen, zündeten Silvester-Böller, steckten Müllcontainer in Brand und demolierten geparkte Autos. Insgesamt wurden vier Randalierer festgenommen. Nach Angaben der Polizei handelt es sich nicht um eine Organisation, sondern um Anhänger aus dem extrem rechten und linken Lager sowie um Fußball-Hooligans, die kein politisches Ziel verfolgten, sondern für Krawall und Chaos sorgen wollten.

Coronavirus in Murcia: Corona-Leugner randalieren auf den Straßen von Murcia und Cartagena

Zurück zu den Fakten: Nach Angaben der murcianischen Gesellschaft für Intensivmedizin Somiuc stehen in der Region insgesamt 117 Intensivbetten bereit. Fast 100 sind derzeit mit Covid-19-Patienten belegt, das entspricht einer Belegung von über 80 Prozent. Das Problem: Zu den Covid-19-Fällen kommen noch Patienten, die sich wegen anderer Krankheiten in kritischem Zustand befinden. Das ergebe eine Belegung von über 100 Prozent, sagte Somiuc-Präsident Miguel Fernández Vivas gegenüber der Zeitung „La Verdad“.

Kampf gegen Coronavirus in Murcia: Innerhalb von 24 Stunden können 500 Betten bereitgestellt werden

Somiuc-Präsident Miguel Fernández Vivas erklärt, dass sich die Situation noch verschlimmern werde.

Diese Angaben stehen im Widerspruch zu den Zahlen des Landesgesundheitsministeriums, dem zufolge es nur eine Belegung von 18 Prozent gebe. Das liegt an der Zählweise. Während Somiuc nur die Betten auf den Intensivstationen zählt, rechnet das Ministerium mit dem gesamten Kontingent, also Betten auf den Intensiv- und Aufwachstationen nach Operationen sowie Betten in OP-Sälen und in aufbaubaren Feldlazaretten. Diese Daten würden jedoch den falschen Eindruck erwecken, dass es keine komplette Auslastung gebe, sagte Vivas.

Murcias Landesministerpräsident Fernando López Miras (PP) verkündete derweil, dass das Gesundheitssystem vorbereitet sei und innerhalb von 24 Stunden 500 zusätzliche Betten in den Krankenhäusern bereitstellen und die Zahl auf den Intensivstationen verdreifachen könne. Insgesamt würden 892 Beatmungsgeräte zur Verfügung stehen. Die Menge an Material wie Handschuhe, Masken und Schutzanzüge werde bis September nächsten Jahres reichen.

Coronavirus in Murcia: Sperrstunde und Abriegelung werden nicht ausreichen

Dennoch bezweifeln Gesundheitsexperten, dass die verschärften Beschränkungen ausreichen werden, um ein Desaster in den Krankenhäusern zu verhindern. Der Facharzt für Infektionskrankheiten am Krankenhaus Reina Sofía in Murcia, Enrique Bernal, befürchtet, dass die nächtliche Ausgangssperre nicht ausreichen könnte, wie die Beispiele Frankreich und Israel gezeigt hätten, und ein härterer Lockdown, bei dem die Menschen zu Hause bleiben müssen, notwendig werden könnte, wie er gegenüber der „La Verdad“ erklärte.

Der Leiter der Intensivstation am Hauptkrankenhaus La Arrixaca in Murcia, Rubén Jara, glaubt nicht, dass die Abriegelung der Region und der Gemeinden wirksam dazu beitragen werden, die Infektionskurve zu senken. Es ergebe keinen Sinn, dass jemand aus Murcia mit seiner Familie nicht an den Strand von Mazarrón fahren dürfe, dafür aber in einem Restaurant in einem geschlossenen Raum mit sechs Personen ohne Maske essen gehen dürfe, wo das Ansteckungsrisiko wesentlich größer sei.

Coronavirus in Murcia: Mediziner gehen davon aus, dass es wieder einen Lockdown geben wird

Tatsächlich sind die Maßnahmen in der Region Murcia mit einer Infektionsrate von 700 pro 100.000 Einwohner im Vergleich mit Deutschland mit 150 Fällen pro 100.000 Einwohner relativ lax. In Deutschland werden Bars, Restaurants und Fitness-Studios für einen Monat geschlossen. Besser wäre jetzt ein härterer Lockdown wie in Frankreich für kurze Zeit, meint der Leiter der Notfallstation im Krankenhaus Reina Sofía in Murcia, Pascual Piñera. Das würde Leben retten und letztendlich auch der Wirtschaft zugute kommen. Derzeit werde der Lockdown nur hinausgezögert, der vermutlich in zwei oder drei Wochen kommen werde, so Piñera.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare