Erkrankung mit Covid-19

Coronavirus greift an: Wer steckt sich an, wer wird krank, welche Folgen hat es?

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Die Menge eines Enzyms entscheidet darüber, wer krank wird.
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Das Coronavirus macht vor keinem Organ Halt. Ein Enzym entscheidet, wer an Covid-19 erkrankt und wer davon kommt. Ein Kardiologe aus Murcia erklärt wieso.

  • Covid-19 greift auch Herz, Darm, Nieren und Nervensystem an.
  • Viel ACE2 bedeutet ein höheres Risiko, an Covid-19 zu erkranken.
  • Lebensgewohnheiten, Klima und Genetik könnte die Region Murcia vor dem schlimmsten bewahrt haben

Murcia - Welche Schäden richtet das Coronavirus im Körper an? Was bleibt nach überstandener Krankheit zurück und wer ist besonders gefährdet, schwer an Covid-19 zu erkranken? Der Herzspezialist und Leiter der Kardiologieabteilung am Landeshauptkrankenhauses La Arrixaca in Murcia, Domingo Pascual, hat Antworten in einem Interview mit der Zeitung "La Verdad" gegeben.

Mit der Zeit werde immer klarer, dass Covid-19 alle Organe im Körper angreife mehr oder weniger heftig, sagt der Spezialist. Besonders betroffen seien Herz, Darm, Nieren und Nervensystem, was erkläre, dass manche Patienten den Geruchssinn verlieren würden. Offensichtlich ist, dass das Coronavirus nicht alle Menschen gleich trifft. Die Krankheits-und Sterberate bei über 60-Jährigen ist höher als bei jüngeren, die in der Regel ein stärkeres Immunsystem haben. Dennoch ist auch ein junger Mensch nicht davor gefeit, schwer an Covid-19 zu erkranken. Eindeutige Risikofaktoren seien das Alter und Vorerkrankungen wie Herz-Kreislaufleiden.

Coronavirus: Enzym entscheidet, wer sich infiziert und an Covid-19 erkrankt

Wen es trifft und wer davon kommt, lasse sich letztlich aber nicht vorhersagen, sagt Pascual. Entscheidend ist ein Enzym mit der Bezeichnung ACE2, das wie ein Schlüssel zur menschlichen Zelle wirkt. Sars-CoV-2, einmal über die Schleimhäute in den Körper gelangt, dockt über ACE2 an die Zelle an, tritt ein und vermehrt sich bis die Zelle zugrunde geht, um sich dann die nächste zu suchen. Bei Menschen, die genetisch bedingt viele dieser Enzyme besitzen, ist die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken größer. Die ACE2-Enzyme sind in vergleichsweise großer Menge bei Patienten mit Herzerkrankungen festgestellt worden. Bei Personen mit wenig Schlüssel-Enzymen findet das Coronavirus dagegen nicht genügend Andockstellen und die Infektion verläuft symptomlos.

Wer viele dieser Enzyme besitzt und anfälliger für das Coronavirus ist und wer nicht , lässt sich nicht vorhersagen, sagt Kardiologe Pascual, der auch nicht daran glaubt, dass es in Zukunft einen entsprechenden Test geben wird. In dieser Hinsicht vergleicht er Covid-19 mit Krebs. Zwar wolle jeder zwissen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, an Krebs zu erkranken. Doch auch in diesem Fall gibt es keine vorhersagenden Analyse, aber Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, Ernährung oder Alter.

Covid-19 vorbeugen mit gesundem Lebensstil

Viele Nachwirkungen, die Covid-19 nach überstandener Infektion mit sich bringt, sind noch gar nicht bekannt, weil es die Krankheit erst seit Dezember 2019 gibt. Dennoch, sagt Pascual, sei es von Nutzen, auf die Riskiofaktoren zu achten und einen gesunden Lebensstil anzunehmen, sich gesund ernähren, nicht zu rauchen und sich zu bewegen.

Dass nur 1,4 Prozent der Bevölkerung in der Region Murcia immun sind gegen das Coronavirus, wie aus einer Studie des Hauptforschungslabors Carlos III in Madrid hervorgeht, und dadurch anfälliger bei einem weiteren Ausbruch sein könnte, sieht der Herzspezialist nicht negativ. Einerseits bedeute die geringe Infektionsrate, dass der Lockdown rechtzeitig angeordnet wurde und Wirkung gezeigt habe. Wenn die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden und neue Coronavirus-Infektionen sofort festgestellt und rückverfolgt werden , sei die Bedrohung gering. Die Region Murcia sei in der Lage, Sars-CoV-2 in Schach zu halten, was bei Ausbruch des Pandemie vor einigen Monaten nicht der Fall gewesen sei.

Nebeneffekt der Coronavirus-Krise: Leergefegte Krankenhausstationen

Warum die Region Murcia relativ gut davon gekommen ist, erklärt Pascual mit der Hypothese, dass nicht alle Städte, Regionen und Länder gleichermaßen betroffen sind. In Großstädten wie Madrid, Barcelona oder New York lebten die Menschen dicht an dicht, was die Gefahr der Ansteckung mit dem Coronavirus erhöht, ebenso wie die viel genutzten öffentlichen Verkehrsmittel. Auf der anderen Seite stehen Lebensgewohnheiten, Klima und auch die Genetik der Bevölkerung als mögliche Faktoren für eine geringe Ausbreitung des Coronavirus. Zum Beispiel gebe es in Portugal, Griechenland und Athen, Argentienien und Buenos Aires nur sehr wenige Fälle, meint Pascual. Vermutlich finde das Virus auch in die Region Murcia keine optimalen Bedingungen, um sich auszubreiten.

Einen weiteren Nebeneffekt, den der Sars-CoV-2-Ausbruch mit sich gebracht hat: Die Station für Herzkranke in La Arrixaca war während der Pandemie wie leergefegt. Es gab kaum Herzinfarkt-Patienten. Unter normalen Umständen werden auf der Station täglich im Duchschnitt 15 Patienten behandelt. Während des Höhepunkts der Coronavirus-Krise waren es gerade einmal zwei bis drei. Anfangs wurde angenommen, die Augangsssperre hätte einen therapeutischen Effekt. Aber dem scheint nicht so zu sein. Heute sind die Stationen voll mit zum Teil schweren Fällen. Herzspezialist Pascual geht davon aus, dass die Patienten Angst hatten, während der Pandemie das Krankenhaus aufzusuchen und zu Hause ausharrten.

Viele chronisch Kranke seien nicht mehr behandelt worden. Covid-19 betrifft nicht nur Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, sondern alle Patienten. Die Pandemie sei eine Chance, Arbeitsweisen im Gesundheitswesen zu verändern, um in Zukunft solche Krisen besser meistern zu können. Dazu sei aber eine Investition ins öffentliche Gesundheitssystem nötig.

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