Konkurrenz im Tourismus

Buhlen um Touristen: Costa Cálida präsentiert sich als sichere Alleskönnerin 

  • vonSandra Gyurasits
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Die 17 autonomen Regionen Spaniens konkurrieren nach der Coronavirus-Krise um Urlauber. Die Costa Cálida zieht dabei die Trumpfkarte, eine der Regionen mit den wenigsten Coronavirus-Fällen zu sein.

  • Ein dynamisches 48-Sekunden-Video wirbt für die Costa Cálida als Urlaubsziel.
  • Die Reservierungen für die Costa Cálida sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Dennoch sieht die Branche schwarz.
  • Die Konkurrenz ist monströs und neue vereinzelte Virus-Ausbrüche an der Costa Cálida schaden dem Image

Murcia - Warum sollten Touristen, egal ob aus der Nachbarschaft, aus ganz Spanien oder der Welt ihren Urlaub ausgerechnet an der Costa Cálida verbringen? Die Antworten beginnen mit der spanischen Vorsilbe „re“, die sinngemäß mit „auf“ oder „wieder“ übersetzt werden kann, und werden in dem neuesten Werbevideo für die Region Murcia gezeigt. Der Slogan des 48 Sekunden dauernden, dynamischen Filmchens lautet „Reencuéntrate en la Región de Murcia“ (Treffe dich in der Region Murcia wieder).

Costa Cádila touristischer Name der Küste der Region Murcia
Länge 250 Kilometer von San Pedro del Pinatar bis Águilas
Wichtige SchutzgebieteSalines y Arenales, Calblanque, Cabo Tiñoso, Cabo Cope
Sonne3.000 Stunden pro Jahr
Durchschnittstemperatur 18 Grad Celsuis

Sonne, Strand, Meer, Tauchen, Kayakfahren, Mountainbiken, Burgen besichtigen, Wein und murcianische Spezialitäten kosten oder sich mit Freunden treffen: In dem Video, das die Landesministerin für Tourismus Cristina Sánchez (PP) in Cabo de Palos, einem beliebten Küstenort und Taucherrevier in Cartagena, vorstellte, wird nichts ausglessen. An der Costa Cálida kann man einfach alles machen. Zu Schlagworten wie "Revive", "Recarga", "Reactiva", "Resurge" oder "Resetea" (aufleben, aufladen, reaktivieren, auferstehen oder auf Reset drücken) rekeln sich schöne Menschen am Pool, radeln durch schattige Wälder, sitzen an einem gut gedeckten Tisch, besichtigen eine Sehenswürdigkeit oder sind aktiv auf oder unter dem Wasser.

Costa Cálidas Trumpfkarte im Kampf um Touristen: Wenig Corona-Fälle

Doch die wichtigste Werbung für die Costa Cálida dürfte mit dem Coronavirus zusammenhängen. Virusfrei sind nur die wenigsten Ecken der Welt, wenn überhaupt. Aber Murcia ist eine der Regionen in Spanien, die am wenigsten von Covid-19 betroffen ist. 50 Hotels bemühen sich um das Gütesiegel "Turismo seguro" (Sicherer Tourismus), sagte Sánchez bei der Präsentation der Kampagne. Die Anträge werden von dem spanischen Institut für Qualität und Tourismus ICTE geprüft.

Laut Statistikamt INE sind die Reservierungen von Hotels und Ferienwohnungen in der Region Murcia um fast fünf Prozent gestiegen im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Doch Optimismus will nicht aufkommen. Voraussagen seien unmöglich, weil sich die Lage täglich ändern könnte, sagte der Präsident des Hotelverbandes Cartagena (Hostecar), Juanjo López. Die Einnahmen könnten in diesem Sommer um bis zu 40 Prozent sinken.

Beliebt bei Strandgängern: Die Playa Cocedores in Águilas.

Starke Konkurrenz für Costa Cálida: Die Nachbarn Andalusien und Valencia

Noch pessimistischer ist der Präsident des Hotelsverbandes von Murcia (Hostemur) Jesús Jiménez. Er sagt einen Preiskampf zwischen den 17 autonomen Regionen in Spanien voraus, die sich um die Touristen streiten werden. Murcia mit seiner Costa Cálida sei "ein Niemand zwischen den beiden Tourismus-Monstern Andalusien und Valencia".

Was dem Sektor zusätzlich zu schaffen macht, sind die vereinzelten neuen Ausbrüche des Coronavirus, die umgehend zu Stornierungen führen, so wie im Fall des eingeschleppten Virus aus Bolivien. Drei infizierte Südamerikaner reisten am 3. Juni zu ihren Wohnsitzen in Murcia und Cartagena. Die erste Person spürte bereits am 5. Juni Covid-19-Symptome, ging aber erst zehn Tage später zum Arzt. Das positive Testresultat lag am 17. Juni vor. In der Zwischenzeit wurden 19 Kontaktpersonen positiv getestet, 60 befinden sich in Quarantäne.

Zuletzt wurden 20 Polizisten aus Lorca und drei Agenten aus Águilas isoliert, weil sie Kontakt mit einem infizierten Bootsflüchtling hatten. Die Ergebnisse der Test stehen noch aus. Zudem wurden zwei Mitglieder einer Familie aus San Pedro del Pinatar positiv getestet. Insgesamt sind derzeit 42 Menschen in der Region Murcia mit dem Coronavirus infiziert.

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