Mengen an Spielzeug, Fahrrädern, Spielen und Plüschtieren stehen in einem Raum.
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Deutsche an der Küste von Almería helfen Kindern in Not: Mengen an Fahrrädern, Spielen und Plüschtieren.

Deutsche spenden für Kinder

Deutsche an der Küste helfen Familien in Not: Kein Kind ohne Geschenk

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Deutsche Residenten an der Küste von Almería sammeln seit zwölf Jahren Spielzeug für Kinder in Armut. Diesmal sind besonders viele Spenden zusammen gekommen.

Vera – Seit zwölf Jahren sammeln die deutschen Residenten Karin und Volker Radomsky aus Vera an der Küste von Almería Spielzeug für Kinder aus bedürftigen Familien, die sich keine Weihnachtsgeschenke leisten können. Diesmal haben sich Berge an Plüschtieren, Puppen, Fahrrädern, Rollern, Spielen und Schmusedecken angehäuft. So viel, dass ein Raum zu Hause bei Karin und Volker Radomsky nicht mehr ausreichte, um alles aufzubewahren.

Eigentlich sollten Roller und Co am Tag der Heiligen Drei Könige, an dem die Kinder nach spanischer Tradition beschenkt werden, verteilt werden. Doch die Coronavirus-Pandemie machte der Spendenaktion nun schon zwei Jahre hintereinander einen Strich durch die Rechnung. In diesem Jahr sollte es dann endlich klappen, wenn auch mit Verspätung.

AlmeríaProvinz
Fläche8.774 km²
Bevölkerung706.871 (2019) Eurostat
HauptstadtAlmería

Ein Mitarbeiter der Caritas in der Nachbargemeinde Garrucha, mit dem die Radomskys zusammenarbeiten, infizierte sich im Januar mit dem Virus. Wieder genesen, war es dann im Februar endlich so weit: Das Spielzeug konnte an arme Kinder verteilt werden. „Alles war super organisiert und hat hervorragend geklappt“, sagt Karin Radomsky.

Deutsche an der Küste von Almería helfen Kindern in Not: Spenden von Residenten

Die Geschenke wurden von der Caritas abgeholt und in einer kleinen Kapelle der Kirche Iglesia Parroquial in Garrucha an Almerías Küste aufgebaut. Jedes Kind durfte sich ein Geschenk aussuchen, im besten Fall ohne den Einfluss der Eltern. „Die Fahrräder, die etwas mehr wert sind als die anderen Geschenke, wurden verlost“, sagt Karin Radomsky. „In Garrucha gibt es viele Kinder aus armen Familien, und alle Nationalitäten sind dabei, spanische, englische, marokkanische, afrikanische.“ Insgesamt gingen 128 Kinder mit mindestens einem Spielzeug nach Hause. Die Familien seien alle im Sozialamt von Garrucha gemeldet, also wirklich arm, sagt Karin Radomsky. Viele seien mit mehreren Kindern gekommen. Auch in Alicante helfen Freiwillige den Ärmsten.

Das Geld für all die Geschenke kommt durch Spenden zusammen. „Eine Schweizer Familie spendet schon von Anfang an für unsere Aktion“, sagt Karin Radomsky. „Eine deutsche Familie bringt immer Spielsachen aus Deutschland mit, britische Residenten geben mal hier und dort zehn Euro.“ Auch Karin Radomsky trägt einen großen Anteil bei. Sie hat Masken genäht und verkauft. „Mit dem Erlös konnten wir Fahrräder, Puppen und Schmusedecken kaufen, die sonst viel zu teuer gewesen wären.“ Auch mit der britischen Krebshilfe Macs klappe die Zusammenarbeit „spitzenmäßig“.

Deutsche an der Küste von Almería sammeln Spenden für Kindern in Not: Kein Bedarf in Antas

Bis vor der Pandemie arbeiteten die Radomskys auch mit dem Kloster der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul (Hijas de la Caridad de San Vicente de Paúl) in Vera und dem Pfarrer aus Antas zusammen. Doch der Kontakt zu dem Kloster, in dem Kinder aus zerrütteten Familien leben, die unter der Obhut der Landesregierung von Andalusien stehen, ist während der Pandemie und durch den Wechsel der leitenden Nonne abgebrochen. Und in Antas scheint es keinen Bedarf mehr an gespendeten Weihnachtsgeschenken zu geben.

„Der Pfarrer sagte uns, dass in Antas im Moment fast alle Familien eine Arbeit hätten, was in anderen Gemeinden in Almería nicht der Fall sei“, berichtet Karin Radomsky. Dank der Landwirtschaft und der Transport- und Logistik-Unternehmen, die sich in Antas niedergelassen haben, hat die Gemeinde eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote, die unter zehn Prozent liegt – und ist offenbar auf Spenden nicht mehr angewiesen.

Deutsche an der Küste von Almería helfen Kindern in Not: Karin Radomsky sammelt Spielzeug.

Deutsche an der Küste von Almería sammeln Spielzeug für Kinder: Kein billiger Plastikramsch

Die Idee, sich für Kinder in Armut in ihrer Wahlheimat zu engagieren, kam vor mehr als zwölf Jahren auf. „Wir haben so viel Armut gesehen“, erzählt Karin Radomsky. „Für Tiere wird so viel getan, warum nicht auch für Kinder?“, fragten sich die Radomskys und starteten ihre Spendenaktion. Inzwischen hat sich das Projekt „Kein Kind ohne Weihnachtsgeschenk“ längst herumgesprochen. In vielen Geschäften, Bars und auf Flohmärkten bekommen die deutschen Residenten einen Sonderpreis für den guten Zweck.

„Es gibt keinen billigen Plastikramsch“, sagt Karin Radomsky. „Gebrauchtes Spielzeug muss sehr gut erhalten sein.“ Beim Einkauf achten sie darauf, dass das Spielzeug altersgerecht, weder kriegerisch noch sexistisch und für Mädchen und Jungen geeignet ist. Zudem soll jedes Spiezeug ungefähr den gleichen Wert haben, zwischen fünf und zehn Euro. Puppen zum Beispiel seien sehr teuer und könnten nur gebraucht gekauft werden. Karin Radomsky wäscht sie dann und kleidet sie komplett neu ein mit selbstgenähten Kleidung, inklusive Unterwäsche und Schuhe.

Ob die Radomskys weiter Weihnachtsgeschenke für bedürftige Kinder sammeln? „Wir haben noch einige Spielsachen übrig, die werden wir aufheben für das nächste Jahr“, sagt Karin Radomsky und ist sich sicher, „dass da noch mehr dazu kommen wird.“

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