Menschen stehen in Lorca um einen Monolithen, der an die Erdbebenopfer von 2011 erinnert.
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Erdbeben vor zehn Jahren in Lorca: Die Stadt gedenkt der neun Opfer mit einem Monolithen und neun Hibiskusbäumen.

Naturkatastrophe in Spanien

Erdbeben an Costa Cálida: Lorca gedenkt Opfern von vor zehn Jahren

  • Sandra Gyurasits
    vonSandra Gyurasits
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Vor zehn Jahren verwüstet ein Erdbeben die Stadt Lorca in der Region Murcia. Neun Menschen sterben. Die Stadt erinnert sich und gedenkt der Opfer.

Lorca – Zehn Jahre ist es her, dass die Erde in Lorca in der Region Murcia am 11. Mai 2011 bebte, die Stadt verwüstete und in ganz Spanien für Schlagzeilen sorgte. Neun Menschen starben, darunter zwei schwangere Frauen und ein 14-jähriger Junge. 324 Personen wurden verletzt. 1.164 Häuser wurden zerstört, 80 Prozent der Gebäude beschädigt, auch historische Monumente und viele Kirchen. Die Region Murcia ist nicht das einzige Erdbeben gefährdete Gebiet. Auch in den Nachbarprovinzen Granda und Málaga bebt es regelmäßig.

Lorca
Höhe353 m
Fläche1.675 km²
Bevölkerung93.079 (2018) Instituto Nacional de Estadística
ProvinzMurcia

Die Stadt Lorca hat den Erdbeben-Opfern mit mehreren Aktionen gedacht. Am Dienstag, 11. Mai, fand auf der Plaza España ein schlicht gehaltener Akt um 19 Uhr statt, nur wenige Minuten, nachdem die Erde vor zehn Jahren ein zweites Mal mit einer Stärke von 5,1 auf der Momenten-Magnituden-Skala gebebt hatte.  Bereits um 17.05 Uhr war ein Beben der Stärke 4,5 registriert worden. Neun Kinder, die im Erdbeben-Jahr 2011 in Lorca geboren wurden, zündeten zur Erinnerung an die Todesopfer neun Kerzen an. An der Zeremonie nahmen neben Lorcas Bürgermeister und Murcias Landeschef Fernando López Miras auch Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles teil.

Erdbeben von Lorca: Für jedes der neun Opfer wird ein Hibiskusbaum gepflanzt

Am Tag zuvor wurde in der Rambla Las Señoritas in Lorcas Stadtviertel La Viña, dem Ground Zero nach dem Erdbeben, ein Monolith mit dem Titel „11 de Mayo“ enthüllt. Im Anschluss wurde für jedes Opfer ein Hibiskusbaum gepflanzt, der für Stärke, Wiederaufbau und Leben steht, den Werten, die den Lorquinos nach den Erdbeben abverlangt wurden. Den Hibiskusbäumen werden demnächst Pappeln zur Seite gestellt, die die Solidarität der Lorquinos nach der Katastrophe symbolisieren sollen.

Heute ist Lorca zum größten Teil wieder aufgebaut. Der Stadtteil San Fernando ist ein Beispiel für die Zerstörung und den Wiederaufbau. Das Viertel fiel auf wegen seiner Wohnblöcke, die auf Stelzen gebaut waren. Das Beben beschädigte die Struktur der Häuser so stark, dass sie mit ihren insgesamt 232 Wohnungen abgerissen werden mussten. Die meisten Bewohner konnten inzwischen in ihre neuen Unterkünfte wieder einziehen – mit Ausnahme von zehn Familien, die zwar seit 30 Jahren in San Fernando wohnen, aber nicht nachweisen können, dass sie die Besitzer ihrer Wohnungen sind. Zum zehnten Jahrestag der Erdbeben übergab ihnen Murcias Landesministerpräsident Fernando López Miras die Schlüssel für zehn Apartments, die sich im Besitz der Landesregierung befanden.

Zehn Jahre Erdbeben in Lorca: Die berühmten Häuser auf Stelzen in dem Viertel San Fernando müssen nach dem Beben abgerissen werden.

Erdbeben von Lorca: Bilder kurz nach der Katastrophe, die sich ins Gedächtnis einbrennen

Auch wenn die Trümmer längst verschwunden und die meisten Häuser wieder aufgebaut sind, haben sich die Bilder vom 11. Mai 2011 in das Gedächtnis der Menschen eingebrannt. Zum Beispiel der kleine Junge, der nach dem ersten Beben lebend aus den Trümmern gezogen wird und unter Schock stehend die ganze Zeit das Brötchen in seiner Hand festhält. Nur wenige Meter entfernt liegt seine Mutter tot unter einem Laken. Sie hatte ihn und seinen Bruder mit ihrem Körper vor den Trümmern geschützt und ihnen das Leben gerettet.

Zum Thema: Im Jahre 1829 zerstörte ein schweres Erdbeben an der Costa Blanca die halbe Vega Baja. Warum die Gefahr aktuell bleibt.

Oder der 14-jährige Junge, der aus der Bar „La Viña“ seiner Eltern lief, um seinen Hund zu retten, und von den Trümmern erschlagen wird. Das Bild erschien in vielen Zeitungen in Spanien und im Ausland. Menschen, die fassungslos, mit versteinerten Gesichtern oder weinend ziellos durch das Barrio La Viña irren. Die Stadt gleicht einem Schlachtfeld nach dem Krieg, als am nächsten Tag das spanische Militär anrückt, um vom Einstürzen bedrohte Gebäude zu sichern und aufzuräumen. Die Bewohner sind verzweifelt, weil sie nicht wissen, ob sie ihre Wohnungen betreten können, um ein paar Habseligkeiten herauszuholen.

Zehn Jahre Erdbeben in Lorca: Vor dieser Bar kam ein 14-jähriger Junge am 11. Mai 2011 ums Leben.

Erdbeben von Lorca: Ungewöhnlich starke Erdstöße, weil das Epizentrum in einer Tiefe von nur drei Kilometern liegt

Dass das Erdbeben der Stärke 5,1 solch verheerende Auswirkungen hatte, lag auch daran, dass sich das Epizentrum in einer Tiefe von nur drei Kilometer ereignet hatte. Laut Wissenschaftlern kommen Beben dieser Stärke normalerweise in größeren Tiefen vor. Forscher der University of Western Ontario in Kanada schrieben 2012 im Fachmagazin „Nature Geoscience“, dass das massenhafte Abpumpen von Grundwasser für das Beben mitverantwortlich sein könnte. Sie werteten Satellitenaufnahmen aus und kamen zu dem Schluss, dass der Grundwasserspiegel in Lorca seit 1960 um mindestens 250 Meter abgesunken ist. Dadurch könnten Risse in der Erdkruste entstanden sein, die an der bereits existierenden seismischen Bruchlinie zu neuen Spannungen führten und das Beben auslösten.

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