Korbflechter zeigen in Águilas an einem Spinnrad, wie Fäden aus Espartogras gesponnen werden.
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Flechtkunst mit Espartogras: Die Meister zeigen in Águilas, wie das Gras gesponnen wird.

Alte Traditionen an der Küste

Flechtkunst mit Espartogras: Alte Kunst mit neuem Schwung an Spaniens Küsten

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Das Espartogras hat eine mehrere tausend Jahre alte Geschichte und noch heute eine große Bedeutung in Murcia, Andalusien und Valencia. Die Meister des Korbflechtens sorgen dafür, dass die alte Tradition nicht ausstirbt.

Águilas - Es wächst zuhauf an der Levante-Küste von Spanien und macht auf den ersten Blick nicht viel her. Ein Büschel von eher grauen Grashalmen, denen Trockenheit und salzige Böden nichts anhaben können. Dennoch haben diese scharfkantigen, widerspenstigen Halme des Espartograses vor allem in den Regionen Murcia, Andalusien und Valencia eine immense Bedeutung. Jeden Sommer wird dieses störrisches Gras und mit ihm das vom Aussterben bedrohte Handwerk des Flechtens gewürdigt.

Espartogras
Wissenschaftlicher NameLygeum spartum
Höhere KlassifizierungLygeum
RangArt
ArtEspartogras

Aktionstage, Workshops und Museen zeigen, wie die Meister des Flechtens aus dem Gras Taschen, Körbe, Matten, Hüte oder Schuh, die espardeynes, herstellen und sogar Fliegenklatschen, die weitaus besser funktionieren sollen als die Modelle aus Plastik, weil die Naturklatsche engmaschiger sei und deshalb weniger Schatten werfe, der die Fliege vor dem Schlag warne, ist von einem alten Flecher aus Águilas an der Costa Cálida überliefert.

Flechtkunst mit Espartogras: „Die Geschichte von Águilas und die Geschichte des Espartogras gehören zusammen“

Früher verstauten Fische ihre Brote in Schultertaschen aus Espartogras und nahmen sie mit zur Arbeit. Noch heute werden die grobmaschigen Beuteln Schnecken gesammelt und gereinigt, indem Mehl dazugegeben wird, um die Därme der Tiere zu säubern. Besonders kunstvoll und spektakulär sind die Kostüme der Mussona, eine der Hauptfiguren des bekannten Karnevals von Águilas. Die Mussona stellt eine Mischung aus Mensch und wildem Tier dar. Die Kreationen aus Espartogras machen aus ihr ein furchteinflößendes Wesen.

Einer der letzten großen Meister des Flechtens ist Juan Hernández aus Águilas, der auch der Vereinigung Amigos del Esparto (Freunde des Esparto) vorzitzt. Sein Ziel ist es, das alte geliebte Handwerk am Leben zu erhalten. „Die Geschichte von Águilas und die Geschichte des Espartogras gehören zusammen“, sagt Juan Hernández. Selten seien die Eigenheiten eines Volkes, seine Lebensauffassung und sogar seine sprachlichen Wendungen so eng mit einer Tradition verknüpft wie hier.

Flechtkunst mit Espartogras an der Küste: Wie das widerspenstige Gras gefügig gemacht wird

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war das Espartogras mit 30 Fabriken eine Wirtschaftssäule in Águilas. Die Qualität des Espartogras sei unbestritten gewesen, sagt Hernández. Das Gras wurde zuerst ausgerissen, dann getrocknet und im Meerwasser unter Sonneneinstrahlung aufgeweicht, quasi gekocht. Anschließend wurde es mit Hammer und Harke behandelt bis es biegsam genug war, um mit einem Spinnrad zu Fäden gesponnen zu können. 15 verschiedene Seil-Typen wurden so hergestellt. Die meisten Stränge seien damals für den Fischfang bestimmt gewesen. Ein großer Teil sei auch nach England und Schottland exportiert worden, so Hernández.

Flechtkunst aus Espartogras: Einkaufskörbe aus Espartogras.

Die Geschichte des Espartogras reicht mehere tausend Jahre in die Vergangenheit zurück. So wurden in der prähistorischen Höhle Cueva de los Murciélagos in Albuñol in Granada Skelette gefunden, deren Kleidung aus Espartofasern bestanden genauso wie Gegenstände aus der Grabbeilage. Die Fundstücke wurden auf das Jahr 3.500 vor Christus datiert. In Mazarrón in der Region Murcia wurden Grasfasern in der Ausgrabungsstätte La Ciñuela aus der Bronzezeit (2.200 bis 800 vor Christus) entdeckt,  ebenso auf den 2.700 Jahre alten Phönizierbooten, die vor der Küste von Puerto de Mazarrón sanken, und in den römischen Minen in Coto Fortuna.

Viele Gemeinden in Murcia, Andalusien und Valencia bieten regelmäßig Ausstellungen und Aktivitäten rund um das Espartogras-Flechten an, um diese geliebte Tradition am Leben zu halten.

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