Rettungskräfte suchen am Strand Percheles in Mazarrón nach Überlebenden.
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Flüchtlingsdrama am Strand Percheles in Mazarrón: Rettungskräfte suchen anch Überlebenden.

Flüchtlingsdrama an Costa Cálida

Boot vor Mazarrón gekentert: Auch Mutter und Tochter ertrinken

  • Sandra Gyurasits
    vonSandra Gyurasits
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Nachdem ein Flüchtlingsboot vor Mazarrón an der Costa Cálida kenterte, wird fast täglich eine Leiche vor der Küste von Murcia und Almería angeschwemmt. Besonders tragisch: Auch eine junge Mutter und ihre Tochter verlieren ihr Leben.

Mazarrón – Seit dem 27. März werden fast täglich Leichen an die Küste von Murcia und Almería geschwemmt. Zuletzt entdeckten Fischer am 5. April einen Kilometer vor dem Hafen von Águilas an der Costa Cálida den Körper eines Mannes, der auf dem Wasser trieb. Dabei handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit um einen der Flüchtlinge auf dem Boot, das vor dem Strand Percheles in Puerto de Mazarrón kenterte.

Mazarrón
Höhe55 m
Fläche318,7 km²
Bevölkerung31.562 (2018) Instituto Nacional de Estadística
RegionMurcia

Auf dem Boot befanden sich 14 Personen, zwölf aus Algerien und zwei aus Marokko. Nur drei Männer konnten lebend gerettet werden. Bisher wurden acht Leichen geborgen. Von drei weiteren fehlt noch jede Spur. Unter den Toten befindet sich auch eine 28-jährige Mutter und ihre neunjährige Tochter aus Algerien – die einzigen weiblichen Flüchtlinge an Bord. Die Frau wurde vergangene Woche vor Vera geborgen, ihr Kind vor Mojácar. Über ihre Geschichte berichteten die Medien.

Flüchtlingsdrama an Costa Cálida: 3.200 Euro für ein „Flüchtlings-Taxi“ nach Spanien

Mutter und Tochter hatten sich auf den gefährlichen Weg nach Spanien gemacht, um der Armut und der Misshandlung durch den Ehemann zu entkommen, wie der Zeitung „La Verdad“ zu entnehmen ist. Ziel war es, von Spanien nach Frankreich zu kommen, wo bereits der Vater der 28-Jährigen lebt, um dort ein besseres Leben aufzubauen.

3.200 Euro soll die Frau für einen Platz in dem motorisierten Schlauchboot bezahlt haben, das auch als „Flüchtlings-Taxi“ bezeichnet wird, weil es wieder nach Algerien zurückgefahren wird. Ihren vierjährigen Sohn hatte die Mutter zurückgelassen und in die Obhut der Großmutter in Algerien gegeben. Vermutlich war sie davon ausgegangen, dass der Junge in der Heimat bessere Chancen hat als seine Schwester, mutmaßt die Präsidentin des internationalen Zentrums für die Identifikation vermisster Migranten (Cipimd), Ángeles Colsa.

Flüchtlingsdrama an Costa Cálida: Kurz vor dem Ziel wird eine Fehleinschätzung zum Todesurteil

Kurz vor dem Ziel der Reise in eine bessere Zukunft, wurde das Meer plötzlich unruhig und der hohe Wellengang  bringt das Boot zum Kentern. Der Schlepper, der das Boot steuerte, war zu spät aus Algerien gestartet. Die Boote, die früher am selben Tag losgefahren waren, konnten von der Guardia Civil rechtzeitig abgefangen werden.

Vor dem beliebten Naturstrand Percheles in Mazarrón spielt sich ein Flüchtlingsdrama ab.

Einer der Überlebenden berichtete, dass sich der Chef an Bord kurz vor dem Untergang einen leeren Benzinkanister geschnappt hatte, um sich über Wasser zu halten. Dabei hatte er geschrien, dass das Boot sinke und alle ins Wasser springen sollten, wie Cipimd-Präsidentin Colsa der „La Verdad“ sagte. Es gab weder Schwimmwesten noch anderes Rettungsmaterial an Bord, so der Zeuge. Sieben Stunden hätten sie im kalten Wasser ums Überleben gekämpft bis die rettende Hilfe kam. Unter den Überlebenden befindet sich auch der mutmaßliche Schlepper, der in Totana in Untersuchungshaft sitzt. Ihm drohen sechs Jahre Gefängnis.

Für die Familie der ertrunkenen Mutter und Tochter gebe es wenigstens einen kleinen Trost, sagte Colsa, ihre Körper seien gefunden und in die Heimat transportiert worden, wo sie beerdigt werden und die Angehörigen Abschied nehmen könnten. Von anderen, vielen hunderten Flüchtlinge fehle dagegen jede Spur.

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