Strand in Las Urrutias in Cartagena am Mar Menor voller Schlamm und Algen.
+
Eine Reinigungsbrigade versucht dem Schlamm und den Algen am Mar Menor Herr zu werden.

Schwarze Flaggen für schockierende Strände

Von Málaga bis Murcia: Wo die Strände an der Küste Trauer tragen

  • vonSandra Gyurasits
    schließen

Schwarze Flaggen für kontaminierte und zugebaute Strände vergibt der Umweltverband Ecologistas en Acción. Diesmal hat es Málaga und Murcia erwischt.

  • Umweltschützer vergeben schwarze Flaggen als Gegenstück zu den blauen Fahnen, mit denen die Küstengemeinden um Touristen werben.
  • Die Spitzenreiter der Costa Cálida bei den Antipreisen sind das Mar Menor und die Bucht Portmán.
  • Die schwarzen Schafe der Costa del Sol sind Nerja und Salobreña.

Murcia – Kurz vor der Hauptsaison bemühen sich die Küstengemeinden, eine der begehrten blauen Flaggen zu ergattern. Das Tuch ist ein Gütesiegel, steht für Qualität am Strand und im Wasser und ist eine gute Werbung, um Touristen anzulocken. Eine Reihe von Stränden an der Mittelmeerküste geht jedoch leer aus. Stattdessen wird ihnen regelmäßig das Gegenstück, die schwarze Flagge verliehen. Die Umweltorganisation Ecologistas en Acción vergibt bereits seit 15 Jahren das schwarze Tuch als Symbol für schlechtes Umwelt-Management, Kontamination und Zerstörung. Nur gehisst werden die symbolischen Fahnen nie.

Mar Menor eine der größten Lagunen Europas
Länge der Küste73 Kilometer
Tiefe durchschnittlich vier Meter
Angrenzende GemeindenCartagena, San Javier, Los Alcázares, San Pedro del Pinatar
Problemdas Ökosystem droht durch stetige Verschmutzung zu kippen

An der Costa Cálida in der Region Murcia gehören die Strände am Mar Menor und die Bucht Portmán in Cartagena zu den Dauerabnehmern der schwarzen Fahne. Das Urteil über das Mar Menor fällt vernichtend aus: Der Zustand der Lagune sei so schlimm wie noch nie, heißt es in dem Bericht der Umweltschützer. Seit Jahrzehnten werde das Binnenmeer kontinuierlich verschmutzt. Der zerstörerische Prozess sei durch das Unwetter im September 2019 noch einmal beschleunigt worden und habe seinen vorläufigen Höhepunkt im Oktober erreicht, als Tausende von toten Fischen an die Ufer gespült wurden.

Costa Cálida: Problembucht Portmán in Cartagena ist noch heute mit Schwermetallen belastet

Ecologistas en Acción kritisiert die laxe Haltung der Landesregierung von Murcia gegenüber illegalen Anbaufeldern in Campo de Cartagena direkt am Mar Menor, deren nitrathaltige Abwässer in die Lagune geleitet würden. Jeder Tag, an dem keine Maßnahmen gegen die Kontamination ergriffen werden, würde die Rettung der einzigartigen Lagune erschweren.

Auch Portmán trägt schwarz. Die Zerstörung der Bucht habe während der Zeit des Bergbaus begonnen, als die Bucht als Halde für den Abraum aus den Minen genutzt wurde. Noch heute seien riesige Becken mit giftigen Abfällen gefüllt, die bei Regen über die Ramblas auch ins Mar Menor gelangten. Der Strand sei bis heute mit Schwermetallen belastet. Die Säuberung von Portmán gehe seit Jahrzehnten nicht voran, hieß es in dem Bericht von Ecologistas en Acción. Die schwarze Geschichte von Portmán:

Costa del Sol: Schwarze Schafe an den Küsten von Málaga und Grandas sind Nerja und Salobreña

Schwarze Schafe gibt es auch an der Costa del Sol. Nerja in der Provinz Málaga ist ein Fall. Nerja hat die Antiauszeichnung für ein Megabauprojekt in Maro erhalten. Auf einer 250 Hektar großen Fläche, die derzeit landwirtschaftlich genutzt wird, sollen ein Luxushotel, 680 Wohnungen und ein 18-Loch-Golfplatz entstehen. Hinter dem Vorhaben steht das Unternehmen Azucarera Larios S.L., Besitzerin des Geländes. Seit vielen Jahrzehnten wurde hier Zucker angebaut, bis die Produktion 1976 eingestellt wurde und Larios den Bau- und Immobilienmarkt entdeckte. Seitdem liegt das Golfplatz-Projekt auf dem Tisch und wird nun erneut geprüft. Die Realisierung des Projektes würde nach Angaben von Ecologistas en Acción die Zerstörung einer einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt bedeuten.

Die Bucht Cala Cañuelo zwischen den Steilküsten von maro in Nerja ist bedroht.

Ebenfalls mit schwarzem Tuch wurde die Playa del Peñón in Salobreña an der Costa Tropical in Granada bedacht und zwar aus den gleichen Gründen. Das Rathaus von Salobreña genehmigte vor vier Jahren den Bau einer Feriensiedlung mit vier Luxushotels und zerstörte damit einen bis dahin fast unberührten Küstenstreifen, der von der Junta de Andalucía als „herausragende Landschaft“ beworben wurde. Heute beleuchten eine Vielzahl von Straßenlaternen verlassene Straßen, leerstehende Häuser und verwilderte Grundstücke, wie die Umweltschützer in ihrem Gutachten schreiben. Raubvögel und Fledermäuse, die zuvor an den Felswänden zu Hause waren, sind indes verschwunden.

Stränden an Costa del Sol und Costa Cálida droht auch Gefahr durch weggeworfene Masken

Zu den Anti-Stränden zählt ebenfalls die Playa de La Rábita an der Küste von Granada. Sie wird auch „Playa de la Mugre“ (Strand des Schmutzes) genannt, weil sie von Tonnen an Plastikfetzen bedeckt ist, die von den Gewächshäusern aus der Umgebung stammen. Dabei hatte die Küstenbehörde das Gebiet vor ein paar Jahren reinigen und die illegalen Gewächshäuser abreißen lassen, damit sich der Boden wieder erholen kann. Doch die heimische Flora und Fauna ist noch immer nicht zurückgekehrt. Der Boden ist noch mit Düngemitteln kontaminiert. Dennoch ist Ecologistas en Acción optimistisch. Wenn das Rathaus von Albuñol sich für eine Regenerierung einsetzen würde, hätte die Playa de La Rábita eine Zukunft.

Die Umweltschützer wiesen auch auf die Folgen der Coronavirus-Krise für die Umwelt hin. Hunderte Millionen von Atemschutzmasken, Einmalhandschuhen und Schutzkleidung aus Plastik könnten im Meer landen. Die Lockerung der Bauvorschriften, um der Wirtschaftskrise entgegenzutreten, könnte nach Ansicht von Ecologistas en Acción außerdem zu einer unkontrollierten Bebauung der Küste führen – mit Folgen. Die Konzentration von Menschen an der Küste zerstöre nicht nur die Küstenlandschaft, sondern begünstige auch die Ansteckung mit dem Coronavirus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare