Eine Gruppe von Menschen zum Teil in weißen Schutzanzügen breitet Algenbüschel auf einer Strandpromenade aus.
+
Protest am Mar Menor: Aktivisten holen massenhaft Algen aus dem Wasser.

Aktion am Mar Menor

Mar Menor am Tag der Umwelt: Algen, Poteste und ein Negativpreis

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
    schließen

Umweltschützer haben den Internationalen Tag der Umwelt zum Tag des Mar Menor gemacht. Sie holten viele Handvoll Algen aus der Lagune und breiteten sie auf den Promenaden aus, um gegen die Verschmutzung zu protestieren.

Cartagena - Zum Internationalen Tag der Umwelt am 5. Juni gab es in der Region Murcia im Südosten von Spanien Mengen an Algen, einen Negativpreis und eine Auszeichnung. Den Anfang machten die Algen aus dem Mar Menor. 15 Umweltorganisationen und Nachbarschaftsvereine haben an den Stränden des Mar Menor symbolische Protestaktionen durchgeführt.

Sie holten mit ihren Händen Massen an Algen und Seetang aus dem Wasser an den Ufern von Los Alcázares, Cartagena, San Javier und auf La Manga. Dabei trugen sie weiße Schutzanzüge, wie die Reinigungstrupps der Landesregierung von Murcia, die seit Beginn des Jahres tausende Tonnen Algen gesammelt haben, die wie ein Teppich die Oberfläche des Mar Menor bedecken.

Mar Menor am Tag der Umwelt: Protest mit Algen gegen Verschmutzung mit Nitraten

Die Aktivisten legten die Algen-Büschel fein säuberlich und gut sichtbar auf den Strandpromenaden am Mar Menor aus und forderten mit Transparenten und Sprechchören den Schutz des Mar Menor, vor allem den Stopp der Einleitung von nitrathaltigen Abwässern aus der Landwirtschaft.

Der Überschuss an Nitraten im Mar Menor verursacht eine übermäßige Algenproduktion, die dem Unterwasserleben den Sauerstoff nimmt. In San Javier tauchten kürzlich die ersten toten Fische an den Stränden auf. Weitere werden in diesem Sommer folgen, da sind sich Wissenschaftler sicher. Und keine Maßnahme könne das Sterben mehr aufhalten.

Mar Menor am Tag der Umwelt: Einst einzigartiges Ökosystem, heute ein trübes Becken mit fauligem Schlamm

Die Aktivisten warfen den Politikern vor, Gesetze zum Schutz der Lagune nicht einzuhalten. Sie glauben den Argumenten nicht mehr, dass die starken Regenfälle, der hohe Grundwasserspiegel, das viele Süßwasser, das ins Mar Menor fließt, oder die hohen Temperaturen die einzigen Probleme des Binnenmeeres seien. Sie sind davon überzeugt, dass das Grundübel die Nitrate sind.

In einer Probe, die die Aktivisten an der Playa del Castillico in San Javier entnahmen, wurden Nitrate und Phosphate nachgewiesen. Statt das Mar Menor zu schützen, werde die Landwirtschaft als Hauptverschmutzer mit nitrathaltigen Abwässern finanziell unterstützt, um immer mehr zu produzieren und zu exportieren, als ob das ohne Folgen bliebe, hieß es in einem gemeinsamen Manifest der Umweltverbände von Greenpeace bis Pacto por el Mar Menor. Ein in Europa einzigartiges und reiches Ökosystem sei in ein nicht mehr wiederzuerkennendes trübes Becken mit einem Boden aus fauligem Schlamm verwandelt worden.

Mar Menor am Tag der Umwelt: Negativpreis für Landwirtschaftsminister von Murcia

Am Internationalen Tag der Umwelt vergibt die Organisation Ecologistas en Acción seit 30 Jahren Negativpreise für Personen, Einrichtungen oder Projekte, die den größten Beitrag zur Zerstörung der Umwelt geleistet haben.

Der so genannte Attila-Preis ging dieses Jahr an den Landesminister für Landwirtschaft und Umwelt von Murcia, Antonio Luengo (PP), wegen „seiner Entschlossenheit, Umweltschutzgesetze nicht anzuwenden“ und wegen „seines enormen Einsatzes, ein nicht nachhaltiges Modell der Landwirtschaft zu schützen und dafür das Mar Menor zu opfern und die Wirtschaft der Region, den Tourismus und die Fischerei ernsthaft zu gefährden“.

Auch das Umweltministerium in Madrid hat Außerordentliche Umweltpreise verteilt – im positiven Sinn – für den Einsatz für ein nachhaltigeres Wirtschafts- und Sozialmodell mitten in der globalen Klimakrise. Ausgezeichnet wurde unter anderem der Direktor der Umweltorganisation in Murcia Asociación de Naturalistas del Sureste (Anse), Pedro García. Das Ministerium würdige sein herausragendes Engagement für den Schutz symbolträchtiger Naturschutzgebiete wie das Mar Menor, hieß es.

Mehr zum Thema