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Mar Menor in Not: Neues Fischsterben an Murcias Küste droht

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Von: Sandra Gyurasits

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Fünf Männer entfernen Algen an einem Strand am Mar Menor.
Mar Menor in Not: Täglich werden die Strände von Algen und Schlamm gereinigt. © Marlene Schuster

Es sieht nicht gut aus für das Mar Menor: Algen und Schlamm schwimmen auf der Oberfläche. Experten befürchten, dass sich ein massives Fischsterben schon im Juni wiederholen könnte.

Cartagena – Wenn Marlene Schuster aus ihrer Wohnung im neunten Stock von oben auf das Mar Menor blickt, sieht sie Teppiche aus Schlamm und grünlichen Klumpen. „Der Strand vor unserem Haus wird jeden Morgen gereinigt“, berichtet sie, „aber was da am nahen Uferbereich schwimmt, macht mir Sorgen“. Die deutsche Residentin steht nicht allein da mit ihrem Unbehagen.

Auch Wissenschaftler und Umweltschützer aus Murcia ahnen nichts Gutes. Sie befürchten, dass es schon im Juni wieder zu einem massenhaften Fischsterben im Mar Menor im Südosten von Spanien kommen könnte, so wie im August vergangenen Jahres und im Oktober 2019, als der Sauerstoffgehalt so niedrig war, dass die Meeresbewohner erstickten. Es sind nicht nur die sichtbaren Algen-Teppiche und der Schlamm nach den ausdauernden Regenfällen der letzten Zeit, die die Experten alarmieren. Es sind die unsichtbaren Parameter, wie zum Beispiel der Chlorophyll-Gehalt, der auf 1,14 Mikrogramm pro Liter gestiegen ist und doppelt so hoch ist wie im April vergangenes Jahr.

Mar Menor
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe4 m
InselnIsla Mayor, Isla Perdiguera, Isla del Ciervo, Isla Rondella, Isla del Sujeto

Zwar liege die Sauerstoffkonzentration mit einem Durchschnittswert von 8,37 Miligramm pro Liter noch im Rahmen, hieß es. Doch mitten im Mar Menor in einer Tiefe von einem Meter wurden nur noch bedenkliche 5,5 mg/l gemessen. Sorgen bereitet auch der sinkende Salzgehalt, der das Schutzschild der Lagune sein und Eindringlinge aus dem Mittelmeer abwehren sollte.

Neues Fischsterben im Mar Menor droht: Zu wenig Salz, zu viel Algen

Doch die Salzkonzentration ist auf 39,53 Gramm pro Liter gesunken, normalerweise sollte sie bei Mindestwerten von 44 bis 45 g/l liegen sollte. Das bedeutet, dass das Mar Menor nur noch geringfügig salziger ist als das Mittelmeer mit 38 g/l.  Ein Grund sind die Mengen an Süßwasser, die der Regen in die Lagune gespült hat.

Besorgniserregend sind aber vor allem die großen Mengen an Nitraten und Phosphaten aus landwirtschaftlichen Düngemitteln, die über die Rambla El Albujón täglich in die Lagune strömen. Nach Angaben des Komitees zur Überwachung des Mar Menor wurden am 11. April 21 Tonnen Nitrate und 60 Kilogramm Phosphate gemessen. Die Folgen: Es bilden sich mehr Chlorophyll und mehr Algen, die weniger Licht durchlassen, was zur Sauerstoffknappheit und schließlich zum Fischersterben führen kann.

Mar Menor in Not: Von den beschlossenen Rettungsmaßnahmen nur wenig umgesetzt

Wenig optimistisch stimmt auch ein Gutachten des Wasserwirtschaftsamts des Segura, CHS. Einem Bericht der „La Verdad“ zufolge wurde in den letzten Jahren nur wenig für die Regenerierung des Mar Menor getan. Der noch gültige Plan für die Verbesserung des Mar Menor umfasse 100 Maßnahmen, von denen 56 als vorrangig eingestuft wurden, hieß es. Allerdings seien nur ein Bruchteil umgesetzt und der große Rest noch nicht einmal in Angriff genommen worden.

Ziel ist es – wie schon so oft gehört –, das Sterben des Mar Menor zu verhindern durch Maßnahmen wie die Kontrolle des Einsatzes von Düngemittel in der Landwirtschaft, die Überwachung der Nitratkonzentration im Boden, den Bau von Dämmen und Pflanzenhecken, die Schadstoffe auffangen sollen, oder die Förderung von ökologischem Anbau.

Mar Menor in Not: Agrarumweltbeauftragte sollen aufpassen, dass sich Landwirte an die Vorschriften halten

Eine Gruppe badet im Mar Menor, eine Frau sitz am Strand auf einem Stuhl.
Mar Menor in Not: Nach den ausdauernden Regenfällen werden Mengen an Algen an die Strände geschwemmt. © Rathaus Cartagena

Wenn der Mensch die Folgen seiner Aktivitäten am Mar Menor nicht eindämme, sei an eine Regenerierung des Mar Menor bis 2027 nicht zu denken. Laut CHS tragen die intensive Landwirtschaft und die 446 Schweinezüchtereien mit 787.000 Tieren zum Verfall der Lagune bei genauso wie die unzulänglichen Kanalisationssysteme der Mar-Menor-Gemeinden und die drei künstlichen Kanäle für die Schifffahrt, die das Mittel- mit dem Binnenmeer verbinden. Ein weiteres Übel sind die giftigen Rückstände aus dem Minengebiet in der Sierra Minera in Cartagena, die mit jedem Regen Richtung Mar Menor getragen werden.

Die Landesregierung hat nun eine neue Vorschrift zur Rettung des Binnenmeeres auf den Weg gebracht, die am 19. April im offiziellen Amtsblatt Borm veröffentlicht wurde. Demnach ist jeder landwirtschaftliche Betrieb ab einer bewässerten Anbaufläche von 0,5 Hektar verpflichtet, einen Agrarumweltbeauftragten zu beschäftigen. Seine Aufgabe ist es, den Landwirten bei der korrekten Umsetzung der per Gesetz geforderten Schutzmaßnahmen zu helfen. Die Beauftragten müssen unter anderem sicherstellen, dass Gülle richtig entsorgt wird, dass der Betrieb das Recht zur Bewässerung besitzt, die Begrenzung von Anbauzyklen eingehalten oder das Plastik der Gewächshäuser ordnungsgemäß recycelt werden.

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