Eine Auster liegt auf dem Meeresboden des Mar Menor in der Region Murcia.
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Austern für das Mar Menor: Die Muscheln sollen das Wasser des verschmutzten Lagune reinigen.

Rettung des Mar Menor

Austern für das Mar Menor: Muscheln sollen für glasklares Wasser sorgen

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Austern sollen das verschmutzte Mar Menor vor dem Tod retten. Jede dieser Muscheln ist eine Kläranlage und kann bis zu 240 Liter Wasser pro Tag filtern. Wissenschaftler versuchen, die Auster in Spaniens einzigartiger Lagune wieder anzusiedeln.

Cartagena – Sie gelten als natürliche Superkläranlagen und sollen helfen, das Mar Menor an der Küste von Murcia vor dem Tod durch Verschmutzung zu bewahren. Es geht um Austern. Jede einzelne soll in der Lage sein, bis zu 240 Liter Wasser pro Tag zu filtern und Phosphate und Nitrate zu eliminieren. Bei einer geschätzten Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren kommt dabei eine gewaltige Menge Wasser zusammen. Austern sorgen für klares Wasser in Flüssen und Meeren, genau das, was Europas größte Salzwasserlagune, das Mar Menor, derzeit dringend braucht.

Mar Menor
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe4 m
Als Welterbestätte ernannt4. Oktober 1994
Inseln Isla Perdiguera, Isla Mayor, Isla del Ciervo, Isla Rondella, Isla del Sujeto

Nach der schweren Ökokrise im Mar Menor im Oktober 2019, als tausende toter Fische nach einem schweren Unwetter an die Ufer des Binnenmeeres gespült worden waren, brachte Spaniens Ozeanographische Institut (IEO) das Projekt Austern für das Mar Menor auf den Weg. Durch die Coronavirus-Krise mussten die Wissenschaftler eine Zwangspause einlegen und erleben, dass sich ein noch massiveres Fischsterben im August 2021 wiederholte.

Austern sollen Mar Menor retten: Austernbestand in der Lagune dramatisch geschrumpft

Kaum jemand wisse, dass es noch vor 50 Jahren 185 Millionen dieser Muscheln im Mar Menor gab, erklärte die Biologin am IEO von Murcia, Marina Albentosa, im Radiosender Ser. Das Erschreckende: Im Jahr 2006 waren gerade einmal sechs Millionen Exemplare übrig. Der Großteil sei in den 1980er Jahren verschwunden, so die Wissenschaftlerin. Vor allem die Ausbreitung von Grünalgen und Schwämmen habe den Bestand der Austern geschrumpft. Ihren Angaben zufolge gab es 1992 noch 135 Millionen Exemplare im Mar Menor, die in 50 Tagen das gesamte Wasser der Lagune filtern konnten. Heute würden die verbleibenden Austern ein Jahr brauchen.

Die Methode der biologischen Sanierung, bei der Organismen wie Pflanzen, Pilze oder eben Muscheln verunreinigte Ökosysteme entgiften, hat sich bereits in den USA bewährt. Das Team um Marina Albentosa steht mit Wissenschaftlern aus den USA in Kontakt, die bereits seit 30 Jahren Erfahrungen mit Austern als Wasserfilter haben.

Austern sollen Mar Menor retten: Lebende und tote Austern bilden Riffe und damit Lebensraum

Nicht nur wegen der hohen Filterleistung setzen die Wissenschaftler auf die Auster. Die Muschel hat noch eine weitere besondere Eigenschaft: Sie formt Riffe. Wo es eine Auster gebe oder eine Auster gestorben ist, machten viele kleine Muscheln fest, erklärte Albentosa. So bilde sich Schicht um Schicht, die nicht nur das Wasser reinigten, sondern auch Sediment aufhielten und Unterschlupf für Meeresbewohner bieten würden.

Die Umweltsanierung mit Muscheln sei umweltfreundlich und funktioniere ausgezeichnet, erklärte die Biologin. Allerdings, schränkte sie ein, handele es sich auch nicht um einen Zauberstab, der andere Maßnahmen überflüssig mache. Wenn ein derart zerstörtes Ökosystem wie das Mar Menor wieder aufgebaut werden solle, müssten zunächst wieder die Organismen hergestellt werden, die ganz unten in der Nahrungskette stehen. Selbst wenn jetzt sofort der Schadstoffeintrag zu 100 Prozent gestoppt werden würde, würde es Jahrzehnte dauern, bis sich das Mar Menor wieder erholt. Allein der Meeresboden sei mit einer Schicht aus Nährstoffen und organischer Materie stark verschmutzt.

Austern sollen Mar Menor retten: Junge Austern werden im Labor gezüchtet und im Mar Menor ausgesetzt

Da kommt eine schwere Aufgabe auf die Austern im Mar Menor zu. Wie kommen die Muscheln eigentlich in die Lagune? „Die Exemplare, die es noch im Mar Menor gibt, werden entnommen“, erklärte Albentosa. Im Labor vermehren sie sich und die jungen Muscheln werden wieder ins Mar Menor gesetzt – vorausgesetzt der Meeresboden lässt es zu.“

In den 1980er Jahren war die Verschmutzung des Mar Menor kein Thema, ganz zu schweigen von einer möglichen Ökokatastrophe, obwohl Wissenschaftler in den 1980er Jahren bereits genau darauf hingewiesen hatten, was dann 2016 geschah, als sich das Mar Menor in eine grüne Suppe verwandelte.

Austern sollen Mar Menor retten: Fischer erinnern sich an riesige Austernbänke im Mar Menor

Ansässige Fischer, die die Biologin Albentosa befragte, erinnerten sich an riesige Austernbänke in den 1970er und 80er Jahren. Einem Bericht der Zeitung „El País“ aus dem Jahr 1984 zufolge gab so viele Austern im Mar Menor, dass sich immer mehr Badegäste selbst bedienten, bis die Behörden einen Riegel vorschoben und Fanglizenzen an Fischer vergaben.

Doch das Geschäft lief nicht. Niemand wollte den Mindestpreis von damals 300 Peseten pro Kilogramm, umgerechnet etwa 1,80 Euro, zahlen. Die Fischer kippten die Austern deshalb wieder ins Meer.

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