Auster aus dem Wattenmeer von Sylt.
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Auster mit enormer Filterkapazität: 60 Millionen könnten das Mar Menor reinigen.

Umweltverschmutzung in Spanien

60 Millionen Austern fürs Mar Menor: Muscheln filtern Schadstoffe

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Die Auster hat eine enorme Filterkapazität und kann helfen, das verschmnutzte Mar Menor vor dem Sterben zu bewahren. Allerdings sind 60 Millionen dieser Hochleistungs-Muscheln nötig.

Cartagena –  Die Ökokatastrophe, die der Mensch am Mar Menor angerichtet hat, soll nun die Auster wieder richten oder zumindest soll sie helfen, die Wasserqualität zu verbessern. Das ist das Ziel des Forschungsprojekts RemediOS, das vom spanischen Institut für Ozeanographie IEO-CSIC geleitet wird. Die Muscheln sollen aufgrund ihrer enormen Filterkapazität Nitrate aus dem Mar Menor in der Region Murcia eliminieren.

Nach den Berechnungen der Wissenschaftler sind um die 60 Millionen Austern erforderlich, damit sich ihre Filterfunktionen positiv auf das verschmutzte Mar Menor auswirkt, das seit 40 Jahren mit Abwässern aus der Landwirtschaft und den Städten verschmutzt wird. Dennoch könne die Auster nur eine Helferrolle in einem umfassenden Plan zur Regenerierung der Lagune spielen, sagte die Biologin Marina Albentosa am IEO-CSIC in Lo Pagán in San Pedro del Pinatar gegenüber der Zeitung „La Verdad“.

Mar Menor
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe4 m
InselnIsla Mayor, Isla Perdiguera, Isla del Ciervo, Isla Rondella, Isla del Sujeto

Dann ist der kritische Moment gekommen: Die kleinen Austern werden im Mar Menor ausgesetzt. Sie werden auf schwimmenden Hilfsplattformen zunächst an drei Stellen in Lo Pagán, Los Alcázares und Los Nietos in Cartagena in die Lagune gelassen.

60 Millionen Austern für das Mar Menor: Die Muscheln sollen gezüchtet werden und Lebensraum schaffen

Die Auster braucht zwei Jahre, um zehn bis elf Zentimeter groß zu werden. Es gehe nicht nur darum, Austern zu züchten, sondern auch darum, wieder einen Lebensraum zu schaffen, sagte Albentosa. Die Auster sei das erste Glied im Ökosystem, das wiederhergestellt werden müsse. Die Muschel bildet Riffe, die wiederum Zufluchtsorte für Fische sind und für biologische Vielfalt sorgen. Das wird auch die Fänge der Fischer steigern. Die Natur hilft quasi der Natur. Vor 30 Jahren gab es rund 135 Millionen Exemplare in der Lagune, so Albentosa. Heute seien es nur noch ein paar Hundert, höchsten 1.000 bis 2.000.

Austern für das Mar Menor: Grünalge könnte die Muschel erstickt und aus der Lagune verbannt haben

Die Auster gelangte gemeinsam mit der Großen Steckmuschel in den 70er Jahren ins Mar Menor, nachdem der Kanal Estacio, der Binnen- und Mittelmeer verbindet, eröffnet worden war. Über den Rückgang des Austern-Bestands gibt es kaum Daten. Aus den Aufzeichnungen der Fischereigenossenschaft in San Pedro del Pinatar geht hervor, dass nach 1985 keine Austern mehr geerntet und versteigert wurden. Wissenschaftler vermuten, dass sie durch die Ausbreitung von Grünalgen erstickt worden sein könnten.

An die neue Mar-Menor-Auster als Leckerbissen sei in keinster Weise zu denken, warnte Albentosa. Wegen der schlechten Wasserqualität im Mar Menor seien die Muscheln nicht essbar. Die Austernart würde auch keine Perlen produzieren. Dafür seien sie wertvoll für die Umwelt, indem sie Schadstoffe aus dem Wasser filtern, Kohlendioxid in den Schalen binden und Kalziumcarbonat aus ihnen gewonnen werden kann.

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