Elf Spiegeleiquallen bewegen sich im Mar Menor.
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Mar Menor siegt bei Fotowettbewerb: Elf Spiegeleiquellen in Szene gesetzt.

Umweltzerstörung an der Küste

Sieg für Mar Menor: Foto aus geplagter Lagune gewinnt renommierten Wettbewerb

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Ausgerechnet ein Foto aus dem in Mitleidenschaft gezogenen Mar Menor siegt bei einem der renommiertesten Wettbewerbe für Naturfotografie. Angel Fitor setzte Quallen eindrucksvoll in Szene und überzeugte die Jury.

Cartagena – Kaum vorstellbar, dass mit dem sterbenden Mar Menor an der Costa Cálida noch Preise zu gewinnen sind. Europas größte Salzwasserlagune wird derzeit mit Umweltzerstörung, außer Kontrolle geratener Landwirtschaft und toten Fischen verbunden. Da stechen positive Nachrichten hervor. So wie diese: Die international besetzte Jury eines der renommiertesten Wettbewerbe für Naturfotografie, der Wettbewerb Europäischer Naturfotograf des Jahres, hat eine Aufnahme aus dem Mar Menor zum Siegerbild 2021 gekürt.

Mar Menor
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe4 m
Als Welterbestätte ernannt4. Oktober 1994
InselnIsla Perdiguera, Isla Mayor, Isla del Ciervo, Isla Rondella, Isla del Sujeto

Der spanische Fotojournalist Angel Fitor aus Benidorm überzeugte die Juroren mit seinem Bild „Ballett der Medusen“. Dabei setzte er die oft im Mar Menor vorkommende Spiegeleiqualle eindrucksvoll in Szene. Zu sehen sind elf Medusen. Dabei hatte Angel Fitor nur zwei Exemplare vor der Linse, die sich dicht unter der Wasseroberfläche von einer leichten Wirbelströmung treiben ließen. Elf Blitzauslösungen unterhalb der beiden Quallen erzeugten die Illusion eines Schwarmes, wie der Fotograf erklärt. „Sechs Jahre habe ich versucht, diese Bildidee umzusetzen, und musste unzählige Fehlversuche hinnehmen.“

Mar Menor Foto gewinnt Wettbewerb: Kraftvolles Bild und starkes Signal für die bedrohten Meere

Das Foto, auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag, ist nicht digital manipuliert worden, das ist einer der hohen Standards des Wettbewerbes. Gewürdigt werden dafür der Einsatz neuer Techniken, Kreativität und der Mut zu ungewöhnlichen Kompositionen. Das „Ballett der Medusen“ von Angel Fitor wurde aus 1.900 Aufnahmen von 1.000 Profis aus 36 Ländern und aus 89 Siegerbildern in verschiedenen Kategorien zum Gesamtsieger auserwählt. Eine zusätzliche Bedeutung bekommt das Foto, weil es nach der Aufnahme im Mar Menor zur ökologischen Katastrophe gekommen war. Tonnenweise tote Fische wurden an die Ufer der Strände gespült, nachdem sie in dem umgekippten Binnenmeer wegen Sauerstoffmangels erstickt waren.

Als „kraftvoll“ bezeichneten die Preisrichter das Werk und als „starkes Signal für die bedrohten, stark verschmutzen und überfischten Meere“. Angel Fitor, der sich lange mit Meereswissenschaften beschäftigt hat, will den Ökosystemen mit seinen Bildern eine Stimme geben. Er glaubt an die Kraft der Fotografie, um notwendige Veränderungen anzustoßen.

Mar Menor Foto gewinnt Wettbewerb: Lagune als Musterbeispiel für Fehlplanung und Korruption

„Das Problem des Mar Menor sind die exzessive, fehlgeplante Entwicklung der Landwirtschaft und der massive Ausbau der touristischen Infrastruktur“, erklärt Angel Fito und bezeichnet das Mar Menor als Musterbeispiel für schlechte Planung und Korruption. Warum das Ökosystem der Salzwasserlagune zusammengebrochen ist, habe einen einfachen Grund: „Zu viele Nährstoffe in einem praktisch geschlossenen System führen zu einer massiven Phytoplanktonblüte, die den gesamten Sauerstoff verbraucht. Das wiederum führt zum Absterben der meisten Seegras- und Algenbestände, die die Grundlage des Lebens in der Lagune sind“.

Die letzten fünf Jahre bezeichnet Angel Fitor als „besonders katastrophal“ für das Mar Menor. Sein Foto sei eine Ode an das einzigartige Naturerbe, das einst das Mar Menor war.

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