Drei Männer am Rand eines Wasserbeckens in San Javier, in dem Mikroalgen gezüchtet werden.
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In San Javier am Mar Menor werden Mikroalgen im großen Stil gezüchtet und vermarktet.

Gesundes aus dem Meer

Mikroalgen aus dem Mar Menor: Vitaminbombe, Sonnenschutz und Abnehmhilfe

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Wissenschaftler nehmen Mikroalgen aus dem Mar Menor unter die Lupe und stellen fest: Der grüne Schleim ist eine Gesundheits-Bombe und vielseitig einsetzbar.

San Javier – Wenn von Mikroalgen die Rede ist, erscheint das Bild des verschmutzten Mar Menor mit trüben, grün gefärbten, unappetitlichen Wasser. Doch Mikroalgen sind mehr als grüner Schleim. Sie enthalten regelrechte Gesundheits-Bomben, viele Vitamine, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Antioxidantien, Substanzen, die vor UV-Strahlung schützen und helfen sollen, Gewicht zu reduzieren.

Mar Menor
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe4 m
Als Welterbestätte ernannt4. Oktober 1994
InselnIsla Mayor, Isla Perdiguera, Isla del Ciervo, Isla del Sujeto, Isla Rondella

Wissenschaftler der Universität von Murcia UMU untersuchen, wie Mikroalgen in der Medizin, in der Kosmetik und in der Lebensmittelindustrie angewendet und zur Regeneration von Ökosystemen genutzt werden können. Konkret werden Kieselalgen aus dem Mar Menor im Südosten von Spanien unter die Lupe genommen. Von den mikroskopisch kleinen Einzellern existieren über 600 Arten.

Mikroalgen aus dem Mar Menor: Kieselalgen binden Schwermetalle im Wasser

Bisher fand das Team um Biologie-Professorin an der UMU, Marina Aboal, heraus, dass sie Algen Omega-3-Fettsäuren enthalten, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern und entzündungshemmend wirken sollen. Zudem wiesen sie Vitamine der Gruppen B, D und K nach und natürliche Hemmstoffe bei Krankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit, Alzheimer, Hautkrebs oder Thrombose. Für die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie seien Polyphenole und Carotinoide aus den Kieselalgen interessant, die antioxidativ und als UV-Schutz wirkten.

Kieselalgen sind auf einem weiteren Feld aktiv, dem Umweltschutz, erklärte Aboal gegenüber der Zeitung „La Verdad“. Das Mar Menor sei auch mit Schwermetallen belastet, die aus den alten Waschanlagen der Minen in der Sierra Mineras stammen und bei Regen in das Binnenmeer gespült werden. Die Algen würden das Wasser reinigen, indem sie die Schwermetalle auf ihrer Oberfläche festhalten. Das ist nicht die einzige, besondere Fähigkeit. Die Alge kann auch schädliches Kohlendioxid binden. So sollen Mikroalgen bis zu viermal mehr Treibhausgas aufnehmen können als ein Wald.

Mikroalgen aus dem Mar Menor: Alleskönner Kieselalge in Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie

In weiteren Experimenten stellten die Wissenschaftler fest, dass die Organismen zum Beispiel mehr Fettsäuren produzieren, wenn die Nährstoffanteile verändert werden. Kieselalgen ernähren sich unter anderem von Mengen an Nitraten und Phosphaten. Werden die Algen mit UV-Licht bestrahlt, entwickeln sie größere Mengen an Mycosporinen, die als UV-Filter wirken.

In San Javier werden Mikroalgen bereits gezüchtet und vermarktet. Der Produzent Álvaro Martínez betreibt eine 150 Quadratmeter große Anlage. In drei großen Becken mit je 20.000 Litern Wasser wachsen die Mikroalgen, werden geerntet, verpackt und verkauft. Pro Jahr werden zwischen 1.500 und 2.000 Kilogramm hergestellt für die Lebensmittel, Pharma- und Kosmetikindustrie.

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