Mehrere Golbrassen in Eis aufgebwahrt.
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Goldbrassen sind beliebte Speisefische. Noch können sie bedenkenlos verzehrt werden.

Plastik im Mittelmmer

Plastikfische im Mar Menor: Mikroplastik bei Tests in Goldbrassen nachgewiesen

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Wissenschaftler haben sich Goldbrassen aus dem Mar Menor vorgenommen und in jedem Tier Mikroplastik gefunden. Doch noch kann der Fisch bedenkenlos verzehrt werden.

Cartagena – Ein gestrandeter Pottwal an der Küste von Cabo de Palos in Cartagena an der Costa Cálida im April 2018 hatte für Schlagzeilen gesorgt. Das Tier war gestorben, weil es 29 Kilogramm Plastikmüll in seinem Magen hatte und daran zugrunde gegangen war. Plastiktüten, Fischernetze und sogar einen Kanister fanden Veterinäre im Bauch des Wales.

Mar MenorEuropas größtes Binnenmeer
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe4 m
Maximale Tiefeca. 7 m
LageRegion Murcia, Spanien
Als Welterbestätte ernannt4. Oktober 1994
InselnIsla Mayor, Isla Perdiguera, Isla del Ciervo, Isla Rondella, Isla del Sujeto

Nicht ganz so spektakulär, aber nicht weniger besorgniserregend sind die Ergebnisse einer Untersuchung von Wissenschaftlern der Polytechnischen Universität von Cartagena (UPCT), die kürzlich in dem Fachmagazin „Environmental Research and Public Health“ veröffentlicht wurden. Die Chemie-Ingenieure der UPCT haben sich einen beliebten Speisefisch aus dem Mar Menor vorgenommen: die Goldbrasse. Insgesamt fingen Fischer 17 Goldbrassen, die auf dem Seziertisch im Labor landeten. Sie alle hatten Mikroplastik und Fasern in ihren Magen-Darm-Trakten.

Plastikfische im Mar Menor: Polymere aus Sonnencreme und Kosmetika im Bauch der Fische

Das gefundene Mikroplastik bestand aus vier Formen: Fasern, Fragmente, Filme und Kügelchen, deren Größe von 91 Mikrometern bis zu fünf Millimetern reichte. Den größten Teil machten die Fasern aus, die von Fischernetzen, aus Kosmetika und Sonnencremes stammen oder Abbauprodukte von größeren Plastikteilen sind. Zudem wiesen die Wissenschaftler neun Polymertypen nach, am häufigsten kamen Polyethylen, Polypropylen und Polyvinyl vor.

Sie stellten auch fest, dass Fische in Lagunen wie dem Mar Menor oder halbgeschlossenen Buchten mehr Mikroplastik aufnehmen als Artgenossen im offenen Mittelmeer, was auf die größere Verschmutzung durch die Fischerei zurückzuführen ist. Aber nicht nur Mikroplastik stellt eine Gefahr für die Meeresbewohner dar. Die Verschmutzung des Mar Menor und der dadurch verursachte Sauerstoffmangel führen derzeiit zu einem großen Fischsterben in der Lagune.

Plastikfische im Mar Menor: Keine Gefahr für den Menschen

Eine Goldbrasse aus dem Mar Menor: Auch sie hat Mikroplastik in Magen und Darm.

Im Sommer, wenn die Küste von Touristen bevölkert wird, nimmt die Kontamination durch Plastik noch einmal zu, wie Francisco Javier Bayo, Umweltingenieur an der UPCT, gegenüber der Zeitung „La Opinión“ berichtete. Die gute Nachricht: Mikroplastik wurde nur in Magen und Darm der Fische nachgewiesen, aber nicht in der Muskulatur, was bedeutet, dass der Verzehr von Mar-Menor-Goldbrassen für den Menschen keine gesundheitliche Gefahr darstellt.

Dennoch seien Kontrollen von Mikroplastik in Fischen als eines der Hauptnahrungsmittel des Menschen notwendig, sagte Bayo. Bisher fehle es an standardisierten, wissenschaftlichen Methoden, um Mikroplastik zu messen. Kürzlich wurde eine Konferenz zu dem Thema Mikroplastik, Ethik und Recht an der Universität von Murcia abgehalten. Noch seien wir uns der Bedeutung des Problems, das wir selbst schaffen, nicht bewusst, sagte der Toxikologe Miguel Motas.

Plastikfische im Mar Menor: Jede Wasserprobe aus dem Meer enthält Mikroplastik

Jede Probe aus dem Wasser enthalte Mikroplastik. Schätzungen zufolge gelangen pro Jahr fünf bis zwölf Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere. Das entspricht einer Lastwagenladung pro Minute. Mikroplastik stelle ein Problem dar, dass „grenzüberschreitende Schäden“ verursache, und es sei schwierig, einen Verantwortlichen zu finden, sagte Jura-Professorin Blanca Soro. Das Hauptaugenmerk solle deshalb auf Schadensbegrenzung, Vorbeugung und auf die Wiederherstellung der betroffenen Ökosysteme ausgerichtet sein.

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