Über dem Mar Menor fliegt ein Schwarm Vögel, im Hintergrund sind Häuser zu sehen.
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Am Mar Menor leben 80 verschiedene Arten von Wasservögeln, auch eine der seltensten Enten ist dabei.

Tierwelt an Spaniens Küste

Das Mar Menor piept: 80 Wasservögel und eine sehr seltene Ente

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Was flattert und schwimmt denn da am Mar Menor? Wissenschaftler aus Murcia nehmen die Wasservögel der Lagune im Südosten von Spanien unter die Lupe.

Cartagena – 80 verschiedene Arten von Wasservögeln zwitschern, nisten, schwimmen und tauchen am Mar Menor und Umgebung. Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität von Murcia UMU hat die Vögel an Europas größtem Binnenmeer in einem Handbuch vorgestellt. Der 400 Seiten starke „Atlas de las aves acuáticas del Mar Menor y humedales de su entorno“ (Atlas der Wasservögel am Mar Menor und der umgebenden Feuchtgebiete) beinhaltet unter anderem die Zählungen der Arten seit 1972 bis heute.

Mar Menor
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe4 m
Als Welterbestätte ernannt4. Oktober 1994
InselnIsla Mayor, Isla Perdiguera, Isla del Ciervo, Isla Rondella, Isla del Sujeto

Wie ist es den Piepmätzen des Mar Menor im Südosten von Spanien in den vergangenen 50 Jahren ergangen? Gut, wenn sie im Regionalpark Salinas y Arenales in San Pedro del Pinatar oder an den Lagunen von Cabezo Beaza in Cartagena leben, sagte Gustavo Ballesteros, einer der Autoren und Professor für Geografie an der UMU. Dagegen haben die Vögel direkt am Mar Menor zu kämpfen. Ihre Bestände gehen zurück.

Die Vögel vom Mar Menor: Flamingos, Kormorane und Co bekommen die Verschmutzung zu spüren

Der Grund dafür ist die Verunreinigung des Binnenmeeres mit nitrat- und phosphathaltigen Abwässern aus der intensiv betriebenen Landwirtschaft in direkter Umgebung. Dieser Überschuss an Nährstoffen verändere den Lebensraum für die Vögel, erklärte Ballesteros gegenüber der Zeitung „La Verdad“. Beispiele dafür seien die wenigen Feuchtgebiete, die am Ufer des Mar Menor noch verblieben sind, wie Marina del Carmolí, Lo Poyo, La Hita und Lengua de Vaca. Diese Habitate seien verarmt. Das bekommen Vögel zu spüren wie Kormorane, Seeschwalben, Flamingos sowie Haubentaucher, Seeregenpfeifer, Flussregenpfeifer, Stelzenläufer, Austernfischer, Brachvögel, Lappentaucher, Strandläufer oder Krickenten.

Ein Beispiel, das Hoffnung macht, sind die Lagunen von Cabezo Beaza in Campo de Cartagena, das ans Mar Menor grenzt. Eigentlich wurden sie ursprünglich zur Klärung von städtischen Abwässern aus Cartagena angelegt. Doch heute dienen sie als Regulierungsbecken für Wasser, das zuvor in einer Kläranlage gereinigt wurde und zur Bewässerung von Anbaufeldern genutzt wird. 2016 vereinbarten die Umweltorganisation Anse und das Wasserversorgungsunternehmen Hidrogea, die Artenvielfalt in den Lagunen zu fördern. Mit Erfolg.

Die Vögel vom Mar Menor: Federvieh findet Gefallen an Kläranlagen-Lagunen und schwimmenden Brutstätten

Heute sind hier 30 Arten Wasservögel am Mar Menor zu Hause, darunter 14 Spezies, die in der Region Murcia, in ganz Spanien und international unter Schutz stehen. Auch die Weißkopfruderente ist dabei, einer der seltensten Brutvögel Europas und eine der am stärksten bedrohten Entenarten der Welt. Sie ist das ganze Jahr über in Cabezo Beaza anzutreffen. Daher seien die Lagunen als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung einzustufen, so Anse.

Die Vögel vom Mar Menor: Das Federvieh findet Gefallen an schwimmenden Brutstätten.

Um die Weißkopfruderente vor dem Aussterben zu bewahren und sie dazu zu bewegen, sich in Spanien zu reproduzieren, wurden ihr schwimmende Inseln zur Verfügung gestellt. Diese Plattformen sind auf einem Holzrahmen und Schwimmringen aufgebaut und mit einem natürlichen Sumpfgebiet aus Rohrkolben, Flusslilien und Schilf ausgestattet.

Die Vögel vom Mar Menor: Auch die seltenste Ente von Spanien lässt sich blicken

Offenbar stiegen die Enten auf. Nach Angaben der Landesregierung von Murcia pflanzten sich im Jahr 2020 in der Region Murcia 26 Paare fort. 73 Kücken schlüpften. 2020 wurden insgesamt 154 Exemplare gezählt, 2019 waren es nur 114. Nicht nur die seltene Weißkopfruderente hat Gefallen an den treibenden Brutstätten gefunden. Auch die Löffelente, die ihren Namen dem löffelartigen Schnabel zu verdanken hat, gesellte sich dazu, genauso wie die Kolbenente, die Brandgans, Stockente und Tafelente. Die vermutlich am stärksten gefährdete Ente von Spanien, die Marmelente, lässt sich ebenfalls in Cabezo Baeza blicken. Nur Anstalten, sich zu vermehren, hat sie noch nicht gemacht.

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