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Quallen aus dem Mar Menor: Bestens gerüstet für den Klimawandel

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Von: Sandra Gyurasits

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Eine Spiegelqualle im Wasser.
Die Spiegeleiqualle aus dem Mar Menor: Klimawandel kein Problem. © pixabay

Was Quallen aus dem Mar Menor, Kakerlaken und Ratten gemeinsam haben? Sie sind Überlebenskünstlerinnen. Der Spiegeleiqualle kann der Klimawandel nichts anhaben.

Cartagena – Kakerlaken und Ratten wird nachgesagt, sogar eine Atombomben-Katastrophe überstehen zu können. Sie sind nicht die einzigen auf der Liste der Überleber. Auch die Spiegeleiqualle aus dem Mar Menor in der Region Murcia erfüllt die Kriterien. Sie ist die am häufigsten vorkommende Qualle im Mittelmeer und vermehrt sich explosionsartig im Mar Menor. Sie soll sogar die schlimmsten Szenarien des Klimawandels bis zum Jahr 2100 problemlos überleben können.

Die Verschmutzung des Mar Menor kann der Spiegeleiqualle, die den Namen ihrem Aussehen zu verdanken hat, offenbar nichts anhaben, steigende Wassertemperaturen und Versauerung der Meere ebenso wenig. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des staatlichen Forschungsinstituts CSIC in Cádiz in ihrer Studie über die Auswirkungen der Erwärmung und Versauerung der Ozeane auf die ungeschlechtliche Fortpflanzung der Spiegeleiquallen. Die Ergebnisse wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Plos One“ veröffentlicht.

Spiegeleiqualle
Wissenschaftlicher NameCotylorhiza tuberculata
Höhere KlassifizierungCotylorhiza
ArtSpiegeleiqualle
FamilieCepheidae
OrdnungWurzelmundquallen (Rhizostomeae)

Demnach kann sich die Spiegeleiqualle an extreme Bedingungen durch den Klimawandel anpassen, die in den kommenden Jahrzehnten im Mittelmeer und auch im Mar Menor zu erwarten sind. Dazu gehören Wassertemperaturen von bis zu 30 Grad Celsius im Sommer und ein ph-Wert von 7,7. Der aktuelle Wert liegt bei 8. Je geringer der ph-Wert, um so saurer das Wasser. Fischen und Krustentieren geht es im sauren Milieu dagegen an den Kragen.

Quallen im Mar Menor: Die Auswirkungen des Klimawandels steckt die Spiegeleiqualle problemlos weg

Ursache der Versauerung der Meere ist die steigende Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre. Das Meer nimmt Kohlendioxid aus der Luft auf und bildet im Wasser Kohlensäure, die den ph-Wert sinken lässt. Bei einem gleichbleibenden Ausstoß an CO2 sei bis 2100 mit einem Anstieg der Wassertemperatur um 2,6 bis 4,8 Grad zu rechnen und einem Absinken des ph-Werts um 0,32, sagen die Forscher.

Die massive Vermehrung der Spiegeleiqualle im Mar Menor an der Küste von Murcia begann Anfang der 1990er Jahre. Wissenschaftler warnten damals, dass das Phänomen ein deutliches Zeichen für ein aus dem Gleichgewicht geratenes Ökosystem sei. Als Gründe führten sie den Bau des Kanals Estacio vor 20 Jahren an, der Mittelmeer und Mar Menor miteinander verbindet, und die zunehmende Verschmutzung des Binnenmeeres durch Abfälle aus den Siedlungen und der Landwirtschaft. Der Kanal öffnete den Quallen den Weg ins Mar Menor und die nitrathaltigen Abwässer dienten als ergiebige Futterquelle.

Quallen im Mar Menor: 130 Millionen Exemplare in einem Sommer

Anstatt das Problem bei der Wurzel zu packen, ließen die Gemeindeverwaltungen am Mar Menor Netze vor die Buchten spannen, um die Glibber-Tiere davon abzuhalten, Badegäste zu stören und dem Tourismus zu schaden. In manchen Sommern, in denen die Konzentrationen besonders hoch waren, wurden Boote eingesetzt, die die Quallen von der Oberfläche abschöpften. Schätzungen zufolge sollen in einem Sommer bis zu 130 Millionen Quallen im Mar Menor gewesen sein.

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