Ein traditionelles Fischwehr, encanizada, im Mar Menor in der Region Murcia.
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Ein traditionelles Fischwehr am Mar Menor. Hier werden Fische ins Labyrinth gelockt.

Fischfang an Costa Cálida

Fischen wie früher am Mar Menor: Den Fisch in die Falle locken

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Murcia will den traditionellen Fischfang am Mar Menor wieder aufleben lassen. Dazu wird ein altes Fischwehr mit seinem Labyrinth, in das sich der Fisch verirren soll, instand gesetzt.

San Javier – „Ich war 27 Jahre im Fischwehr Ventorillo und 21 Jahre in La Torre. Das bedeutet 48 Jahre Gefängnis und eine vergeudete Jugend. Schlechte Zeiten.“ Die tristen Worte stammen von Rafael Gallut, dem Wächter der Fischereibetriebe Encañizadas del Ventorrillo und La Torre im Mar Menor, und sind in die Mauer des Hauses geritzt, das den Wächtern und Fischtransporteuren Schutz vor Unwettern bot. Die Worte geben eine Vorstellung von der Abgeschiedenheit der Landschaft, die sich zwischen dem Binnenmeer und Mittelmeer befindet und für den Wasseraustausch zwischen den Meeren sorgt.

Mar Menor
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe4 m
Als Welterbestätte ernannt4. Oktober 1994
InselnIsla Mayor, Isla Perdiguera, Isla del Ciervo, Isla del Sujeto, Isla Rondella

Bei dem Fischwehr, encañizada, handelt es sich um eine Art Labyrinth mit Reusen aus Schilf, in die Fische wie Goldbrassen und Meeräschen gelangen und nicht wieder hinausfinden. Sie bleiben im Wasser, können sich bewegen, aber ohne Fett zu verlieren, bis sie aus der Reuse entnommen werden. So funktioniert der traditionelle Fischfang. Im Gegensatz dazu stehen die vielen Fischzuchtanlagen vor der Küste des Mittelmeeres.

Fischen wie früher am Mar Menor: Für junge Fische gibt es einen Ausweg

Das verlassene Fischwehr Encañizada de Ventorillo soll nun für 700.000 Euro wieder aufgebaut und restauriert werden, wie Murcias Landesministerpräsident Fernando López Miras und San Javiers Bürgermeister José Miguel Luengo (beide PP) bekannt gaben. Die Arbeiten bestehen aus dem Bau eines Holzsteges vor dem Haus des Wächters und der Konstruktion eines kleinen Steinwalls, der Sand abhalten soll, um die Wasserwege zu erhalten.

Zudem wird das Wassergebiet 50 Zentimeter tief ausgebaggert, damit die Fische freie Bahn haben. Zum Abschluss sollen Abgrenzungen aus Schilf eingerichtet werden. Die Halme werden im Abstand von eineinhalb Zentimetern aufgestellt, so dass das Wasser weiterhin hindurchströmen und Jungfische aus dem Labyrinth entkommen können, um groß und stark zu werden. Die Fischwehre dienen nicht nur zum Fischfang, sondern auch dem Schutz des stark verschmutzten Mar Menor.

Fischen wie früher am Mar Menor: In einer Woche wurden so  2.500 Kilo Fisch gefangen

Dass diese uralte Methode, Fische in die Falle zu locken und dann bequem zu fangen, auch heute noch etwas abwirft, bestätigt der Betreiber der noch aktiven encañizada de La Torre im Mar Menor. Vergangene Woche seien 2.500 Kilogramm Fisch gefangen worden, hieß es, 80 Prozent Goldbrassen und 20 Prozent Meeräschen.

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