EineHandvoll toter kleiner Fische und Krabben aus dem Mar Menor.
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Großes Fischsterben im Mar Menor: Vor allem kleine Fische und Krebse werden tot an die Strände gespült.

Fischsterben im Mar Menor

Tausende toter Fische im Mar Menor:  Es mangelt an Sauerstoff

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Das Mar Menor erlebt eine Ökokatastrophe: Tausende von Fischen und kleinen Krebsen werden tot an die Strände gespült. Erste Analysen deuten auf Sauerstoffmangel wegen Verschmutzung hin.

Cartagena – Tausende von toten Fischen werden seit Tagen an die Strände des südlichen Mar Menor und auf La Manga an der Küste der Region Murcia angespült. Besonders viele sind an die Playas Los Alemanes, Isla del Ciervo und Cala del Pino in Cartagena geschwemmt worden. Bei den meisten Exemplaren handelt es sich um Grundeln, Ähren-, Schleim-, Speer- oder Tintenfische, Seepferdchen und Blaukrabben, die als dominante und aggressive Exoten gelten.

Mar Menor
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe 4 m
Maximale Tiefe ca. 7 m
LageRegion Murcia, Spanien
Als Welterbestätte ernannt4. Oktober 1994
InselnIsla Mayor, Isla Perdiguera, Isla del Ciervo, Isla Rondella, Isla del Sujeto

Umweltschützer und Anwohner befürchten, dass sich ein Massensterben wie im Oktober 2019 wiederholen könnte, und demonstrierten gegen den „Ökozid“. Damals erstickten die Meeresbewohner wegen Sauerstoffmangels, hervorgerufen durch die Verschmutzung des Mar Menor mit düngehaltigen Abwässern aus der intensiven Landwirtschaft in unmittelbarer Nähe der Lagune und einem Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen. Die Katastrophe sorgte für negative Schlagzeilen auch über die Grenzen von Spanien hinaus.

Großes Fischsterben im Mar Menor: Hohe Wassertemperatur ist nur ein Grund

Schnell legte die Umweltabteilung der Landesregierung von Murcia ein wissenschaftliches Gutachten vor, in dem der Professor für Chemieingenieurwesen an der Polytechnischen Universität von Cartagena, Javier Gilabert, eine ähnliche Situation wie 2019 ausschloss und das Fischsterben auf die ungewöhnlich hohe Wassertemperatur im Mar Menor von 30 Grad Celsius zurückführte. Der Sauerstoffgehalt hänge von der Temperatur ab, so Gilabert. Je wärmer es sei, um so weniger Sauerstoff sei vorhanden, worunter vor allem kleine sensible Fische litten.

Die Umweltschutzorganisationen Anse und WWF überzeugen die Argumente nicht. Sie fordern eine gründliche und unabhängige Untersuchung des aktuellen Fischsterbens. Erste Analysen deuteten daraufhin, dass die Meerestiere durch Sauerstoffmangel verendet seien, sagte Ángel Pérez Ruzafa, Professor für Ökologie an der Universität von Murcia und Sprecher des wissenschaftlichen Komitees zur Überwachung des Mar Menor. An mindestens zwei Stellen der Lagune sei der Sauerstoffgehalt gesunken.

Großes Fischsterben im Mar Menor: Kleine Meeresbewohner verlieren ihre Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit

Seit mehreren Tagen werden tote Fische an die Strände des Mar Menor gespült.

Auch die Wissenschaftler des Ozeanographischen Instituts in San Pedro del Pinatar schließen Ersticken als Todesursache nicht aus. Die hohe Temperatur sei nur einer von mehreren Faktoren, die zu dem Fischsterben geführt haben könnten. Betroffen seien vor allem kleine Tiere, die am Meeresgrund lebten und sich normalerweise gut an Änderungen in ihrer Umgebung wie Temperaturwechsel anpassen könnten. Doch ihre Widerstandsfähigkeit sei durch die Kontamination des Mar Menor verringert.

Unterdessen lassen Badegäste an den betroffenen Stränden ihren Unmut an den Reinigungstrupps aus, die die toten Fische wegräumen. Die Staatsanwaltschaft und die Umweltbrigade der Guardia Civil, Seprona, haben die Ermittlungen aufgenommen. Brisant: Der Landesumweltminister von Murcia, Antonio Luengo (PP), ist ins Visier geraten. Ihm wird vorgeworfen, gegen das Gesetz zum Schutz des Mar Menor verstoßen und die Interessen des Landwirtschaftsunternehmens Hacienda El Molino seines Onkels begünstigt zu haben. Luengo bestreitet die Vorwürfe.

Großes Fischsterben im Mar Menor: Wer ist schuld an der Umweltzerstörung?

21 Landwirtschaftsunternehmen und Grundbesitzer aus Campo de Cartagena sind für 92 Prozent der nitrathaltigen Abwässer, die ins Mar Menor flossen, verantwortlich. Sie entnahmen illegal Wasser aus Brunnen und entsorgten die Lake nach der Entsalzung im Mar Menor. Das geht aus einem Gutachten des Ökotoxikologen Luis Burillo Borrego am Institut für Biologie und Rechtsmedizin in Valencia hervor, wie „La Verdad“ berichtet.

Umweltaktivist und Anse-Sprecher Pedro García mit toten Fischen aus der Cala Pino am Mar Menor in den Händen.

Das Gutachten wurde vom Gericht in Murcia in Auftrag gegeben. Burillo bezeichnete die Schäden der Lagune als „irreversibel“ und „katastrophal“. Das Mar Menor könne die Zerstörungen, die seit Ende der 90er Jahre zu beobachten sind, durch seine natürliche Entwicklung nicht mehr rückgängig machen. Der Wissenschaftler schätzt, dass die Landwirtschaftsunternehmen, gegen die ermittelt wird, einen Schaden von 18 Millionen Euro verursacht haben könnten.

Großes Fischsterben im Mar Menor:  Politiker schieben sich Verantwortung und  Schuld gegenseitig zu

Die Zerstörung des Mar Menor ist längst zum Politikum geworden. Parteien und Regierungen auf allen Ebenen schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Die Opposition wirft der Landesregierung von Murcia vor, in den 25 Jahren nichts gegen die Zerstörung des Mar Menor getan zu haben, und fordert den Rücktritt des Landesumweltministers Antonio Luengo (PP). Die Landesregierung sieht die Verantwortung dagegen in Madrid und droht mit einer Klage gegen Umweltministerin Teresa Ribera (PSOE), weil sie die Verschmutzung nicht verhindert habe.

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