Eine Gruppe von Menschen befindet sich an einem Strand am Mar Menor und blickt auf das Meer.
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EU-Besuch am Mar Menor: Das Ausmaß der Verschmutzung ist dramatisch.

Dramatische Lage am Mar Menor

EU-Besuch am Mar Menor: Zank, Vertuschung und ein Souvenir

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Eine EU-Delegation macht sich ein Bild vom Zustand des Mar Menor und ziehen eine erste Bilanz: Das Ausmaß der Verschmutzung ist dramatisch.    

Cartagena – Drei Tage lang hat sich eine Delegation des Europäischen Parlaments ein Bild von dem Zustand des Mar Menor in der Region Murcia gemacht. Die sechsköpfige Gruppe, angeführt von der grünen Politikerin Tatjana Zdanoka aus Litauen, traf sich mit Politikern, Wissenschaftlern, Umweltschützern und Bewohnern. Sie begutachteten die verschlammten Strände am südlichen Binnenmeer und statteten dem „Ground Zero“ einen Besuch ab. Das ist die Mündung der Rambla del Albujón, wo Abwässer, die mit Nitraten aus der Landwirtschaft, mit Phosphaten und mit Schwermetallen aus den alten Minen verunreinigt sind, in die Lagune fließen.

Ein Bericht der EU-Parlamentarier wird erst in drei Monaten erwartet. Die Grünen-Politikerin Zdanoka zog zum Abschied am 25. Februar aber schon mal Bilanz. Sie nehme ein Souvenir vom Mar Menor mit, sagte sie und hielt zwei Reagenzgläser in die Kameras, die sie mit Wasser aus der Lagune füllte und die in einem unabhängigen Labor in Litauen analysiert werden. Der Besuch sei kurz, aber sehr intensiv gewesen, sagte sie.

Mar Menor
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe4 m
InselnIsla Mayor, Isla Perdiguera, Isla del Ciervo, Isla del Sujeto, Isla Rondella

Zdanoka kritisierte vor allem die mangelnde Zusammenarbeit zwischen der Landesregierung von Murcia und dem Umweltministerium in Madrid. Alle seien sich über die Diagnose einig. Die wichtigsten Maßnahmen zur Rettung des Mar Menor seien bekannt, nur müssten sie auch umgesetzt werden, sagte die Grünen-Politikerin. Mit anderen Worten: Die Verwaltungen sollen aufhören zu zanken und endlich zur Tat schreiten. Zdanoka versprach, in dem Abschlussbericht Empfehlungen zu geben, die es allen Beteiligten ermöglichen, Hand in Hand an der Lösung des Umweltproblems im Mar Menor zu arbeiten.

EU-Besuch am Mar Menor: Strände voller Schlamm und der vermeintliche Versuch, das zu vertuschen

Eine Rüge gab es auch für einen vermeintlichen Vertuschungsversuch. Der Sprecher der Umweltorganisation Anse, Pedro García, führte die EU-Delegierten an das Ufer in Los Urrutias, an dem sich normalerweise Mengen an schwarzem Schlamm anhäufen. García musste jedoch erst ein Loch in den Sand graben, um den Morast zum Vorschein zu bringen. Der Umweltschützer unterstellte der Landesregierung, in den Tagen vor dem Besuch damit beschäftigt gewesen zu sein, den Schlick abtragen und mit Sandschichten verdecken zu lassen. Während die Abgeordneten ihre Handys zückten und die schwarze Masse fotografierten, wies Murcias Landwirtschaftsminister Antonio Luengo (PP) den Vorwurf des Strand-Make-up zurück. Es handle sich um Reinigungsarbeiten, die das ganze Jahr über durchgeführt werden würden, sagte er.

EU-Besuch am Mar Menor: Umweltschützer und rechter Politiker geraten einander

Zdanok zeigte sich derweil überrascht von dem dramatischen Ausmaß der Verschmutzung des Mar Menor. Solche Dinge zu vertuschen, sei unmöglich, sagte sie. Am Ground Zero kam es zu einem verbalen Zusammenstoß zwischen Umweltschützer García und Jorge Buxadé, Vertreter der rechtsextremen Partei Vox, der den EU-Tross ebenfalls begleitete. García erklärte der Delegation, dass über die Rambla Albujón pro Sekunde 100 Liter Süßwasser, die 2.000 Kilogramm Nitratdünger aus der Landwirtschaft enthalten, in die Lagune gelangen. Die einzige Lösung sei, das Problem an der Wurzel zu fassen und illegal bewässerte Äcker von einer Größe von 8.000 bis 10.000 Hektar zu schließen und die Fläche wieder zu renaturieren.

Buxadé gefielen die Aussagen gar nicht. Die Landwirtschaft, die hier erfolgreich betrieben werde und sich in ganz Europa verkaufe, dürfe nicht verurteilt werden. Seiner Ansicht nach enthält das Wasser, dass durch die Rambla rauscht, keine Nitrate, sondern Phosphate aus Kläranlagen.

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