In einer Sporthalle in Lorca warten viele Menschen auf ihre Coronavirus-Impfung und sitzen auf Plastikstühlen.
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Massenimpfungen an der Küste von Murcia: In Lorca warten die Menschen in einer Sporthalle auf ihren Pieks.

Impfen an der Küste

Massenimpfungen in Murcia und Almería: Mulmiges Gefühl bei AstraZeneca

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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An der Küste von Murcia und Almería hat das Massenimpfen begonnen. Anruf, Termin, Spritze. Alles geht ganz schnell. Aber nicht jeder ist von AstraZeneca überzeugt.

Almería/Murcia – Plötzlich geht alles ganz schnell. Am Montagmorgen klingelt das Handy: „Sie haben heute Abend um 20 Uhr einen Impftermin in Almería. Mit AstraZeneca“, sagt die Stimme des Gesundheitsdienstes von Almería und erteilt gleich den Termin zur zweiten Impfung gegen das Coronavirus drei Monate später. Etwas mulmig ist Paul Janssens aus Mojácar schon. Gerade werden in den Medien die Nebenwirkungen und ein möglicher Impfstopp mit AstraZeneca rauf und runter diskutiert. Der 61-jährige Belgier, der seit über 20 Jahren an der Küste von Spanien lebt, will sich nicht verrückt machen lassen. „Jedes Medikament hat Nebenwirkungen. Bei AstraZeneca sind sie wenigstens bekannt.“

AstraZenecaInternationaler Pharmakonzern
HauptsitzCambridge, Vereinigtes Königreich
CEOPascal Soriot (1. Okt. 2012–)
Gründung6. April 1999
TochtergesellschaftenMedImmune, AstraZeneca GmbH

Das Impfen in der Sporthalle Palacio de los Juegos Mediterráneos in Almería selbst geht ganz schnell. Janssens zeigt seine spanische Gesundheitskarte, krempelt den linken Ärmel hoch, bekommt die AstraZeneca-Spritze und soll noch 15 Minuten warten, falls sich eine allergische Reaktion zeigt. Das war‘s. Keine Nebenwirkungen, keine Beeinträchtigungen, nur ein leichter Schmerz im Impf-Arm.

Massenimpfungen in Murcia und Almería: Deutsche Residenten in Cartagena mit Moderna geimpft: Keine Probleme

Ähnlich glatt lief die Impfung auch bei den deutschen Residenten Evelin und Manfred Metzner aus Mazarrón an der Costa Cálida. Der 80-jährige Manfred Metzner wurde angerufen und zwei Tage später nach Cartagena zur Impfung mit Moderna bestellt. „Ich bin einfach mitgefahren und habe meine Impfanmeldung und meinen Ausweis vorgelegt“, sagt die neun Jahre jüngere Ehefrau Evelin Metzner. Nachdem ihre Daten überprüft worden waren, bekam auch sie die Moderna-Spritze und den nächsten Termin in vier Wochen. Von Nebenwirkungen keine Spur. „Den Impf-Einstich merkt man ein bisschen, wie bei der Grippeimpfung“, sagt Evelin Metzner.

Ob sie sich auch mit AstraZeneca hätte impfen lassen? „Auf jeden Fall“, sagt die Deutsche. „Wir Frauen haben damals ja auch die Pille genommen und uns keine Gedanken über mögliche Thrombosen gemacht. Außerdem haben wir bei keiner Impfung gefragt, was in dem Impfstoff drin ist, auch nicht bei der Grippeimpfung.“

Massenimpfungen in Murcia und Almería: Geteilte Meinung über AstraZeneca

Karin Radomsky aus Vera hat dagegen Vorbehalte gegen AstraZeneca und würde sich am liebsten nicht mit diesem Stoff impfen lassen. „Ich weiß aus dem Bekanntenkreis von vielen, die Nebenwirkungen erfahren haben“, sagt die 71-Jährige, die bisher noch auf einen Impftermin wartet. Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Fieber sollen keine Seltenheit sein.

Die Meinungen über AstraZeneca gehen auseinander. In der Region Murcia haben rund 30 Prozent eine Impfung mit AstraZeneca abgelehnt, in Andalusien sind es 20 Prozent, wie die jeweiligen Landesministerien für Gesundheit bekannt gaben. Die Daten seien allerdings nicht exakt, hieß es. Inzwischen ist die Akzeptanz des Impfstoffes wieder gestiegen. Der Delegierte für Gesundheit der Provinzverwaltung von Almería, Juan de la Cruz Belmonte (PP), hob hervor, dass die positiven Effekte einer Impfung mit AstraZeneca die Risiken bei Weitem übertreffen würden. Auf 25 Millionen verabreichter Dosen kämen nur 86 Fälle von Thrombosen, die mit dem impfstoff in Verbindung gebracht werden könnten.

Keine Angst vor AstraZeneca: Auch in Águilas werden Massenimpfungen durchgeführt.

Impfungen an der Küste: Anmeldung, Termin, Bescheinigung

Unterdessen wird weiterhin massenhaft geimpft, unter anderem in Águilas, Mazarrón, Cartagena, Lorca und Murcia. Jeder, der eine spanische Krankenversicherungskarte (Tarjeta Sanitaria) hat, wird angerufen und bekommt einen Termin. Residenten, die nur zeitweise in der Region Murcia leben und über keine spanische Gesundheitskarte verfügen, können einen Impftermin online beantragen auf der Internetseite des Landesgesundheitsministeriums. In einem Formular müssen danach unter anderem Name, Adresse, die Nummer der Europäischen Krankenversicherungskarte und eine spanische Telefonnummer angegeben werden. Möglich ist ebenfalls, sich beim Gesundheitszentrum mit einer Meldebescheinigung vom Rathaus (empadronamiento), der europäischen Gesundheitskarte und einem Ausweis anzumelden.

Eine Impfbescheinigung wird nicht automatisch ausgehändigt und die Impfung wird auch nicht in einen Pass eingetragen. Das Dokument kann nach der zweiten Impfung beantragt werden. Das andalusische Gesundheitsministerium bietet drei Möglichkeiten. Der Hausarzt im Gesundheitszentrum stellt das Papier aus, oder die Bescheinigung kann online auf der Internetseite unter „Salud“ und „Vacunas“ sowie über die Handy-App „Salud Andalucía“ heruntergeladen werden. Allerdings ist dazu ein Zugangsschlüssel notwendig, der ebenfalls online beantragt werden kann.

In der Region Murcia wird noch an einer Art Covid-19-Impfpass gearbeitet. Informationen bekommt man dazu im Internet unter murciasalud.es und dieser Seite sowie telefonisch unter 968 365 900.

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