Meeresschildkröte Caretto mit Sender im Wasser an der Cala Arturo im Regionalpark Calblanque in Murcia.
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Meeresschildkröten an der Costa Cálida: Das ist Caretto mit Sender kurz nachdem sie in der Cala Arturo in Calblanque frei gelassen wurde.

Meeresschildkröten an der Küste

Auf Tour mit Meereschildkröten: Von der Costa Cálida in die Freiheit

  • Sandra Gyurasits
    vonSandra Gyurasits
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An der Costa Cálida schlüpfen und gedeihen 21 Meeresschildkröten. Umweltschützer haben drei Schwestern mit Sendern versehen und verfolgen ihre Reise von Murcia in die freie Wildbahn.

Murcia – Sechs Monate ist es her, dass 21 junge Meeresschildkröten, die an der Costa Cálida schlüpften und ein Jahr lang aufgezogen wurden, wieder in die Freiheit entlassen wurden. Was sie bisher auf ihrer Reise von Murcia in die freie Wildbahn erlebten und wohin es sie verschlagen hat, haben die Umweltschützer der Organisation Anse in Murcia aufgezeichnet.

Meeresschildkröte
Wissenschaftlicher NameCheloniidae
Höhere KlassifizierungMeeresschildkrötenverwandte
RangFamilie
OrdnungSchildkröten
GewichtUnechte Karettschildkröte: 160 kg

Sie wählten drei Schildkrötenschwestern aus, nannten sie Caretto, Bobico und Argonauta und präparierten ihre Panzer mit Satelliten-Sendern, die mit winzigen Solarzellen versorgt werden. Der Sender liefert die genaue Position der Meerestiere, so dass Anse die Reise der drei verfolgen kann.

Meereschildkröten mögen die Costa Cálida: Nur noch Argonauta sendet und paddelt vor Kreta herum

Nach dem Start an der Küste von Murcia schwammen die drei Schwestern zunächst gemeinsam an die Küste von Algerien. Dann trennten sich ihre Wege. Caretto zog es für mehrere Monate nach Ibiza und Formentera. Sie setzte ihren Weg nach Sardinien und Sizilien fort und bog nach Malta ab, als das Signal auf ihrem Panzer verloren ging.

Bobico und Argonauta blieben unterdessen zusammen und steuerten ebenfalls Sardinien und Sizilien an. Irgendwo zwischen den beiden Insel fiel jedoch auch das Signal von Bobico aus. Das sei nicht ungewöhnlich, wie Anse mitteilte, und bedeute nicht, dass es der Schildkröte an den Kragen gegangen sei. Die Solarzellen und Sender würden mit der Zeit im Wasser an Energie verlieren oder ganz verloren gehen. Immerhin ist der Sender von Argonauta nach sechs Monaten noch intakt. Derzeit hält sich die Schildkröte vor Kreta auf, 2.000 Kilometer von ihrem Geburtsort in Murcia entfernt.

Meereschildkröten mögen die Costa Cálida: Schildkröten-Babys wurden in Murcia und am Mar Menor ein Jahr kang aufgepäppelt

Meeresschildkröten an der Costa Cálida: Argonauta und Caretto auf dem Weg ins Wasser.

Meeresschildkröten-Weibchen kehren immer an den gleichen Strand zurück, an dem sie selber geboren wurden, um dort ihre Eier abzulegen. Doch noch ist es nicht soweit bei Argonauta. Sie wird erst mit zwölf bis 15 Jahren geschlechtsreif. Die 21 Meeresschildkröten aus Murcia schlüpften im Sommer 2019 in der Cala Arturo im Regionalpark Calblanque und in der kleinen Bucht Ensenada del Esparto auf La Manga in San Javier am Mar Menor.

Mitarbeiter der Aufzuchtstation für Wildtiere El Valle in Murcia und des Ozeanographischen Instituts in San Pedro del Pinatar nahmen sich der nur wenige Gramm schweren Schildkröten-Babys an, um sie ein Jahr lang in Gefangenschaft aufzuziehen, bis sie ein Gewicht von ein bis eineinhalb Kilogramm und gute Überlebenschancen hatten. In den ersten Monaten ihres Lebens sind die jungen Schildkröten leichte Beute für größere Fische und Vögel. Experten schätzen, dass nur eine von 1.000 frisch geschlüpften Schildkröten das Erwachsenenalter erreicht.

Meereschildkröten an der Costa Cálida: Größte Gefahren für die Meeresbewohner gehen von Schleppnetzen und Plastikmüll aus

Anse wies darauf hin, dass die Meeresschildkröte vom Aussterben bedroht ist und unter internationalem Schutz steht. Die Hauptrisiken gehen von Schleppnetzen aus, in die die Schildkröten als Beifang geraten oder mit denen sie sich strangulieren können. Plastikabfälle, die sie versehentlich für Nahrung halten oder in denen sie sich verfangen, sind nicht minder gefährlich.

Dass sich ein Schildkröten-Weibchen ausgerechnet einen Strand auf der zugebauten Landzunge La Manga für ihren Nachwuchs ausgesucht hat, bestärkt die Umweltschützer in ihrem Bestreben, die Küste vor weiterer Bebauung zu bewahren, Dünen zu schützen und schwere Reinigungsmaschinen an den Stränden während der Brutzeit zu verbieten. Dann könnte auch Argonauta sicher an ihren Geburtsort zurückkehren.

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