Blick auf die Isla del Fraile an der Küste von Águilas.
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Archäologischer Schatz: Auf der Isla del Fraile in Águilas wurde eine islamische Grabstätte entdeckt.

Costa-Cálida-Insel gibt Rätsel auf

Mysterien an der Costa Cálida: Kleine Insel mit großem Schatz in Águilas

  • vonSandra Gyurasits
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Auf der Isla del Fraile in Águilas an der Costa Cálida liegt ein einzigartiger archäologischer Schatz, der Wissenschaftlern Rätsel aufgibt. Obwohl die kleine Insel zur Zeit des Ersten Weltkrieges bewohnt wurde, fehlt nicht ein einziges Fundstück.

  • 1912 zieht ein vornehmer Schotte auf die Isla del Fraile in Águilas und verschwindet 1920 wieder.
  • Die águileños schätzen den Bewohner, werden aber nicht schlau aus ihm.
  • Wissenschaftler entdecken später eine islamische Grabstätte für Kinder auf der Insel und wundern sich.

Águilas – Um die kleine unbewohnte Isla del Fraile vor der Küste von Águilas ranken sich viele Geschichten und Mysterien. Ein Beispiel ist der Schotte Hugh Pakenham Borthwick. Er kam 1912 mit dem Bergbauboom nach Águilas in der Region Murcia, zog mit seinen Bediensteten auf die gerade einmal sechs Hektar große Isla de Fraile und verschwand 1920 nach dem Ersten Weltkrieg wieder. Dass er auf einem einzigartigen archäologischen Schatz saß – eine weitere Besonderheit des Eilands, aber dazu später –, schien ihn nicht zu interessieren. Er nahm keine Amphore und keine Münze an sich.

Águilas
Fläche251,8 km²
Bevölkerung35.031 (2018) Instituto Nacional de Estadística
ProvinzMurcia

Eine frühere Bedienstete berichtete, dass Don Hugo, wie der vornehme Schotte in Águilas genannt wurde, sehr viele Briefe bekommen habe, die er gleich nach dem Lesen vernichtete. Er habe nicht viel Kontakt zu britischen Landsleuten gehabt, die im Bergbau tätig waren und die englische Sprache und den Fußball nach Águilas brachten. Das Fußballstadion „El Rubial“ soll eines der ersten in Spanien sein. Don Hugh sei früh schlafen gegangen, immer mit einer Pistole unter dem Kopfkissen, erinnerte sich die Bedienstete.

Mysterien an der Costa Cálida: Don Hugo hatte einzig Augen für die Schiffe an der Verladerampe von Águilas

Das Einzige, das ihn interessierte, war die Anlegestelle der Schiffe an der Verladerampe am Strand El Hornillo. Dort wurden die Boote mit Eisenerz aus der Sierra Filabres beladen, ein äußerst begehrtes Material kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Die Schiffe kamen aus England und Deutschland, waren aber unter neutraler Flagge unterwegs.

Historiker sind sich einig: Don Hugo war ein Spion. Seine Aufgabe war es, jedes deutsche Schiff zu melden, sodass britische U-Boote die Ladungen Erz vor den Deutschen verstecken konnten. Die Isla del Fraile war der ideale Beobachtungsposten für einen Spion.

Mysterien an der Costa Cálida: Wissenschaftler rätseln, wie eine islamische Grabstätte nach Águilas kommt

Don Hugo war bei den águileños hoch angesehen, nicht nur wegen seiner Körpergröße, der blauen Augen, der Pfeife oder der tadellosen, meist schwarzen Kleidung. Hugh Pakenham Borthwick half der Bevölkerung, die damals in extremer Armut lebte. Er verteilte großzügig Geld und brachte seinen Angestellten Lesen, Schreiben und Englisch bei. 1920 verschwand er wieder so, wie er gekommen war, plötzlich und ohne Hinweis.

Er ließ nur 100 Meter von der Küste entfernt eine kleine Insel mit großem Schatz zurück, die danach nie wieder von Menschen bewohnt wurde. Archäologen der Universität von Murcia und des Museums für Archäologie in Águilas legten bei Ausgrabungen im September und Oktober vergangenen Jahres Erstaunliches frei. Sie fanden Reste eines monumentales Bauwerkes, Bronzemünzen, eine Siedlung aus der Zeit des Römischen Reichs und eine muslimische Grabstätte für Kinder mit sieben Körpern, die den Wissenschaftlern Rätsel aufgibt.

Mysterien an der Costa Cálida: Oft wechselte die Isla del Fraile den Besitzer, nun gehört sie dem Staat

Ein System aus Wasserbecken, ein Angelhaken aus Bronze, Mahlsteine und verzierter Marmor deuten daraufhin, dass die Insel von Römern bewohnt wurde. In den vielen Amphoren und Tongefäßen wurden Reste von Fischsoßen gefunden. Die Archäologen vermuten, dass die Soßen auf der Isla del Fraile in großem Stil hergestellt wurden.

Von der Isla del Fraile in Águilas aus hatte der Spion einen guten Blick auf die Verladerampe an der Playa El Hornillo.

Das ganze Treiben fand jedoch ein jähes Ende, wie die Reste eines abgebrannten Gebäudes und hunderte von verbrannten Ton- und Stoffresten annehmen lassen.

Die Isla del Fraile gehörte bis zum Jahr 1855 dem Staat. Danach ging sie in den Besitz des schottischen Bankers John Gray über, der sie 1910 an den Oberst der britischen Armee, Alexander Brothwick, verkaufte, der sie wiederum zwei Jahre später seinem Sohn Hugh Brothwick vermachte. 1968 versuchte die Familie, die kleine Insel wieder für sich zu reklamieren. Doch der Besitzanspruch war verjährt und die Isla del Fraile gehört wieder dem Staat.

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