Notstand auf Murcias Feldern

Landwirtschaft in Murcia: Schuften auf den Feldern für 150 Euro im Monat

  • vonSandra Gyurasits
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In Torre Pacheco ist eine Organisation aufgeflogen, die illegale Immigranten ausbeutet. Die Erntehelfer arbeiten für 150 Euro im Monat. Das ist kein Einzelfall. Das Arbeitsministerium hat Inspektionen angekündigt und viel Empörung geerntet.

  • Die Landwirtschaft macht in der Region Murcia 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus.
  • In Torre Pacheco fliegt eine Organisation auf, die illegale Immigranten unter prekären Bedingungen beschäftigt.
  • Das Arbeitsministerium ordnet Kontrollen in der Region Murcia an. Bauern und Politiker fühlen sich auf den Schlips getreten.

Murcia - Die Coronavirus-Krise hat die Gesellschaft bis ins Mark erschüttert. Der Lockdown hat einen großen Teil der Wirtschaft zum Erliegen gebracht - mit einer Ausnahme: die Landwirtschaft. Die Menschen brauchen schließlich täglich etwas zu essen. Die Agrarindustrie, die zu den wichtigsten Wirtschaftsstandbeinen Spaniens gehört, in letzter Zeit jedoch in Verruf geriet und im Verdacht steht, Ökosysteme zu zerstören, präsentiert sich nun als "systemrelevant".

Harte Arbeit auf den Feldern der Region Murcia.

Der Landeschef von Murcia, Fernando López Miras, und der Landesminister für Landwirtschaft in der Region Murcia, Antonio Luengo (beide PP), lobten die Arbeiter als stille Helden, die garantierten, dass die Bevölkerung jederzeit mit frischen Lebensmitteln aus dem Gemüsegarten Murcias, so wie der Anbau in der Region bezeichnet wird, versorgt wird. Doch die Sache hat einen unschönen Haken. Obwohl die Landwirtschaft 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht und die Obst- und Gemüseexporteure jedes Jahr Gewinne einfahren, bleibt der stille Held auf der Strecke.

Erntehelfer in der Region Murcia gehören zu den am schlechtesten bezahlten

Die Feldarbeiter in der Region Murcia sind die am schlechtesten bezahlten in ganz Spanien, sagte José Ibarra, Vertreter der Gewerkschaft CCOO, in dem Radiosender Onda Cero. Immer wieder wird in den Medien über die prekären Arbeits- und Lebensverhältnisse der Erntehelfer, die meisten sind Immigranten, berichtet. Erst Ende Mai hat die Guardia Civil in Torre Pacheco eine kriminelle Organisation ausgehoben, die Feldarbeiter ausgebeutet haben soll.

14 verdächtige Personen wurden festgenommen, darunter der Kopf der Organisation, ein Ehepaar und ihr Sohn, die eine Zeitarbeitsfirma betrieben. Ihnen wird vorgeworfen, illegale Immigranten, die meisten aus Indien, mehr Stunden beschäftigt und ihnen weniger Lohn als vertraglich vereinbart gezahlt zu haben. Sie sollen zwischen 150 und 200 Euro im Monat verdient haben. Zudem arbeiteten die Männer und Frauen mit einer falschen Identität von Personen, die über legale Papiere verfügen.

Die Ernte von Melonen steht derzeit in Murcia an.

Murcia: Arbeitsministerium kündigt Inspektionen an, die prüfen, ob die Arbeiter misshandelt werden

Die Polizei kam den Machenschaften auf die Spur, nachdem sie im April während des Lockdowns einen Bus mit den Feldarbeitern an Bord kontrollierten und feststellten, dass die Erntehelfer keine gültigen Papiere vorweisen konnten.

Der Fall Torre Pacheco ist kein Einzelfall. Die Arbeitsministerin in Madrid Yolanda Díaz (Podemos) ordnete nun eine Inspektion an, um gegen Schwarzarbeit, Verstöße gegen die Arbeitssicherheit und Nichteinhaltung der Sicherheitsvorschriften,um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden, vorzugehen. Dabei wird zudem kontrolliert, unter welchen Bedingungen die Arbeiter auf den Feldern beschäftigt werden und ob sie ausgebeutet werden.

Yolanda Díaz
Amtseit Januar 2020 Ministerin für Arbeit
ParteiVereinigte Linke IU
Geburtsdatum und -ort6. Mai 1971 in Fene, La Coruña
AusbildungJura, Universität Santiago de Compostela

Die Inspektoren sollen einem Bericht der Zeitung "La Verdad" zufolge unter anderem prüfen, ob die Arbeiter Verletzungen an den Händen haben, ob Zäune und Wächter ihnen verbieten, den Arbeitsplatz zu verlassen, ob das Aufsichtspersonal gewalttätig ist.

Große Empörung bei Landwirten und Politikern aus Murcia: „Hier wird in Würde gearbeitet“

Die Ankündigung der Kontrollen löste eine Welle der Empörung in der Region Murcia aus. Die Bauernverbände Coag, Asaja, UPA und Proexport sprachen von einer ungerechtfertigten Attacke auf den Sektor. Die murcianischen Landwirte seien beispielhaft für eine effiziente Bewässerung, den Einsatz neuester Technologien, die Internationalisierung der Branche und die Einhaltung von Gesetzen, sagte Proexport-Vertreter Alfonso Galvéz.

Landesminister Luengo warf der Arbeitsministerin Díaz vor, keine Ahnung zu haben und die Landwirte zu kriminalisieren. Für Landeschef López Miras (PP) ist klar, es gibt weder Zäune, noch Wächter und schon gar keine Misshandlungen. Auf den Feldern werde mit Würde und Rechtschaffenheit gearbeitet, so López Miras. Ausbeutung gebe es nicht.

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