Strände voller Plastik

Plastik an Spaniens Küste: Wissenschaftler untersuchen drei Strände in Murcia und finden die Verursacher

  • vonSandra Gyurasits
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Wissenschaftler des Ozeanographischen Instituts nehmen drei Strände an der Küste von Murcia unter die Lupe und finden heraus, woher die Mengen an Mikroplastik kommen und wer für die Verschmutzung verantwortlich ist.

  • Wissenschaftler schlagen Alarm: Zu viel Mikroplasstik an den Stränden von Murcia.
  • Drei Strände unter der Lupe: Playa La Llana in San Pedro del Pinatar, Calblanque in Cartagena und Cabo Cope in Águilas.
  • In Calblanque wurden die meisten Plastikteilchen gefunden.

Murcia – Wissenschaftler des Ozeanographischen Instituts IEO in San Pedro del Pinatar in der Region Murcia haben Alarm geschlagen und auf die hohe Konzentration von Mikroplastik an der Küste von Murcia, der Costa Cálida, hingewiesen. Dabei handelt es sich um Partikel, die kleiner als fünf Millimeter sind und sich aus verschiedenen Polymeren und Zusatzstoffen zusammensetzten, die die Struktur des Kunststoffes ausmachen. Durch die Analyse der Polymere können die Experten feststellen, aus welchem Produkt das Plastik stammt und wo es herkommt.

Die Wissenschaftler des IEO haben dabei die drei Strände an der Küste von Murcia, der Costa Cálida, genauer unter die Lupe genommen: die bei FKKlern beliebte Playa La Llana in San Pedro del Pinatar, die naturbelassenen Strände Calblanque in Cartagena und Cabo Cope in Águilas.

Ein Knäuel aus Bewässerungsschläuchen, Plastikfolie und Fischernetzen am Strand Cabo Cope in Águilas.

Plastik an den Stränden von Murcia: Hauptverursacher sind Landwirtschaft, Tourismus, Fischerei

In den Buchten Cabo Cope und Calblanque wurden Mikroplastik und größere Plastikpartikel gefunden, die in ihrer Zusammensetzung unterschiedlich waren. Das am häufigsten vorkommene Polymer war Polypropylen, was niemanden überraschte, da 50 Prozent aller Kunststoffe weltweit aus diesem Riesenmolekül gefertigt werden.

Die Analysen der Partikel im IOE ergaben, dass der Plastikabfall in Cabo Cope in Águilas hauptsächlich aus der Landwirtschaft stammt. Dabei handelt es sich unter anderem um wie Bewässerungsschläuche, Reste von Plastikplanen aus den Gewächshäusern, Schnüre und Klammern, mit denen die Tomaten an Stangen festgemacht werden, sowie Kisten, in denen junge Pflanzen geliefert werden.

Plastik an den Stränden von Murcia: Zu den Verschmutzern von Calblanque zählen auch Sonnencremes

Als Hauptverschmutzer in Calblanque machten die Wissenschaftler des IEO den Tourismus und die Schifffahrt aus. Auch in Sonnencremes mit Lichtschutzfaktor befinden sich Polymere, die in nicht geringer Menge am Strand Calblanque nachgewiesen wurden. Die Mikropartikel, die vorwiegend am Strand La Llana gefunden wurden, haben ihren Ursprung in den Nylonnetzen der Fischer, wie die Wissenschaftler herausfanden. Dabei handelt sich um das Polymer Polyamid.

Die meisten Mikroteilchen wurden dien Calblanque gefunden mit 128 Partikel pro Quadratmeter, in Cabo Cope waren es 21,8 und am Strand von La Llana 21,3.

Plastik an Murcias Stränden: Umweltschützer finden in Águilas noch in einer Tiefe von zehn Zentimetern Mikroteilchen im Sand

Die Umweltorganisationen „Ambiente Europeo“ und „Marina Nos Interesa“ führten unter der Leitung von Daniel Rolleri bereits im November 2016 eine Säuberungsaktion an der Küste von Marina de Cope in Águilas durch und wurden überrascht. "Wir waren sehr erstaunt, wie viele kleine Plastikteile wir an den Stränden gefunden haben“, berichtete Daniel Rolleri. Nicht nur Mikroplastik, sondern auch Pellets, die auch Tränen der Meerjungfrau genannt werden und aus Resten von Plastikgegenständen und Fischernetzen, bestehen, die Jahrhunderte überleben.

Tränen der Meerjungfrau aus Plastik und Fischernetzen überleben Jahrhunderte.

„Wir haben die Strände in einen und zwei Quadratmeter und sogar 40 mal 40 Zentimeter kleine Abschnitte eingeteilt und Mikroplastik-Proben entnommen, die im Ozeanographischen Institut analysiert wurden“, sagte Daniel Rolleri. „Wir haben an der Oberfläche und in einer Tiefe bis zu zehn Zentimeter gesucht. Selbst wenn man ein tiefes Loch in den Sand gräbt, findet man immer noch Mikroplastik.“

Plastik an den Stränden von Murcia: Wissenschaftler untersuchen, was die Zusatzstoffe aus dem Kunststoff in der Umwelt anrichten

Der Koordinator der Organisation wirft der Landwirtschaft Nachlässigkeit vor. Dass Müll entstehe, lasse sich nicht zu 100 Prozent vermeiden, aber die Menge könne durch mehr Sorgfalt sicherlich reduziert werden. „Wir haben beobachtet, dass alte Schläuche einfach weggeworfen werden, wenn die Bewässerungssysteme erneuert werden. Die Klemmen für die Tomaten bleiben ebenfalls liegen. Die Pflanzen verroten, der Kunststoff nicht.“ Wind und Regen tragen den Abfall dann an die Strände und ins Meer.

Die Wissenschaftler des Ozeanographischen Instituts nehmen auch die Zusatzstoffe oder Additive, die den Kunststoffen zur Verbesserung bestimmter Materialeigenschaften zugesetzt werden, unter die Lupe, wie Flammschutzmittel oder Stabilisatoren. Studien belegen, dass sich diese Stoffe aus dem Plastik herauslösen können. Was sie in der Umwelt anrichten können, muss noch genauer untersucht werden. Forscher befürchten, dass die chemischen Substanzen aus den Kunststoffen über Fische in die Nahrungskette gelangen könnten.

Rubriklistenbild: © Daniel Rolleri/Ambiente Europeo

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