Eine Spiegelqualle schwimmt im Meer.
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Mar Menor Modell für Klimawandel: Die Spiegeleiqualle macht ihrem Namen alle Ehre.

Klimawandel an Spaniens Küste

Mar Menor als Modellsystem: Wie Quallen auf globale Erwärmung reagieren

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Experten rechnen mit massenhaft Quallen an den Stränden der Küste von Murcia und Andalusien. Das Mar Menor an der Costa Cálida dient den Wissenschaftlern als Modell, um herauszufinden, wie sich der Klimawandel auf die Glibbertiere auswirkt.

Cartagena - Strandbesuchern an der Levante-Küste von Murcia bis Andalusien könnte ein Quallen-Sommer bevorstehen. Experten rechnen mit einem vermehrten Auftreten der bei Badegästen so unbeliebten Nesseltiere in den Buchten der Costa Cálida und Almería. Ursachen könnten die globale Erwärmung, menschliche Aktivitäten wie Fischerei und die Bebauung der Küste von Spanien sowie eine Anreicherung an Nährstoffen sein. Um herauszufinden, wie diese Faktoren die Quallenpopulation weltweit beeinflussen, dient den Forschern das Mar Menor als ökologisches Modellsystem.

Mar Menor
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe4 m
Maximale Tiefeca. 7 m
LageRegion Murcia, Spanien
Als Welterbestätte ernannt4. Oktober 1994
InselnIsla Mayor, Isla Perdiguera, Isla del Ciervo, Isla Rondella, Isla del Sujeto

Was das Binnenmeer zum Modell macht? Das Wasser sei warm – im August 2016 wurden Höchsttemperaturen von 33 Grad Celsius gemessen –, die Lagune sei reich an Fischbeständen und an der Küste seien viele Sporthäfen gebaut worden, zählt der Doktorand Alfredo Fernández Alías in der Abteilung für Ökologie an der Universität von Murcia auf. Zudem konnte in den vergangenen Jahren genau beobachtet werden, welche Folgen die Einleitung von nährstoffreichen Abwässern, wie Düngerreste von den benachbarten Äckern, in das Mar Menor hat.

Mar Menor als Modell für Klimawandel: Wie Quallen reagieren, wenn die Wassertemperatur steigt

Je mehr über das Verhalten und die Lebensweise der Quallen bekannt sei, um so einfacher sei es, Maßnahmen bei einer massiven Vermehrung zu ergreifen und negative Auswirkungen zu reduzieren, so Fernández Alías. Quallen belästigen nicht nur Badegäste, sie erschweren Fischern die Arbeit und können Kraftwerke lahmlegen, wenn sie die Pumpen für Kühlwasser aus dem Meer verstopfen.

Der Forscher untersucht, wie sich die Eutrophierung, also die Anreicherung von Nährstoffen in einem Ökosystem, auf den Bestand und das Verhalten von drei Arten der Schirmqualle auswirkt. Dazu werden in der gesamten Lagune und an den Kanälen, die sie mit dem Mittelmeer verbinden, Probeentnahmestellen eingerichtet, die unter anderem Informationen über die Temperatur, den Salzgehalt, die Chlorophyll-Konzentration und die Menge an Quallen liefern sollen. Die Daten sollen auch Aufschluss darüber geben, ob Quallen die Trübung der Lagune reduzieren können, indem sie Algen fressen, und ob sie untereinander oder mit anderen Fischen um Nahrung konkurrieren.

Mar Menor als Modell für Klimawandel: Quallen mögen es warm, salzig und algenreich

Quallenplage erwartet: Vor Murcias Küste werden tonnenweise Quallen aus dem Meer gefischt.

Außerdem könnte das Rätsel um die Spiegelei-Qualle gelöst werden. Das tatsächlich wie ein Spiegelei aussehende Tier hat sich im vergangenen Jahr kaum blicken lassen, obwohl es in den Sommern davor Schwärme von mehr als 40 Millionen Exemplaren gebildet hatte. Dabei wurden kaum Unterschiede zwischen den Sommern festgestellt.

Im Allgemeinen mögen Quallen es warm, salzig und algenreich. Durch die globale Erwärmung, die zu einer Erhöhung der Wassertemperatur führt und die Algenproduktion, ihre Lieblingsspeise, ankurbelt, finden sie ideale Bedingungen vor. Auch der Salzgehalt an der Küste nimmt zu, da immer weniger Süßwasser durch Flüsse oder Bäche zufließt. Zudem geht es dem größten Feind der Qualle an den Kragen: Die Meeresschildkröte, die vornehmlich Nesseltiere frisst, ist vom Aussterben bedroht.

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