Zwei Männern stehen mit Harken im Wasser des Mar Menor und beseitigen Pflanzenreste.
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Umwelttragödien an der Costa Cálida: An den Ufern des Mar Menor müssen massenhaft Pflanzenreste weggeschaufelt werden.

Umwelttragödien an Costa Cálida

Schwarze Flaggen für Murcias Strände: Antipreis für Mar Menor und Portmán

  • Sandra Gyurasits
    VonSandra Gyurasits
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Umweltschützer vergeben jedes Jahr schwarze Fahnen als Symbol für Verschmutzung und Zerstörung. Immer dabei sind die toxische Bucht Portmán in Cartagena und das hoch belastete Mar Menor.

Cartagena – Zu Beginn jeder Hochsaison schmückt sich die Küste von Spanien mit blauen und weißen Fahnen, die für saubere Strände, gute Wasserqualität und Nachhaltigkeit stehen. Die Gütesiegel sind touristische Werbeplakate. Seit über 15 Jahren verleiht die Umweltorganisation Ecologistas en Acción ebenfalls Flaggen. Sie sind jedoch schwarz und werden selbstredend nicht gehisst, denn sie stellen einen Antipreis dar und stehen als Symbol für schlechtes Umwelt-Management, Kontamination und Zerstörung.

Mar Menor
Fläche170 km²
Mittlere Tiefe4 m
Maximale Tiefeca. 7 m
LageRegion Murcia, Spanien
Als Welterbestätte ernannt4. Oktober 1994
InselnIsla Mayor, Isla Perdiguera, Isla del Ciervo, Isla Rondella, Isla del Sujeto

Ecologistas en Acción vergibt pro Provinz nur zwei schwarze Fahnen. Es könnten jedoch viel mehr sein, wie die Koordinatorin der Aktion, Clara Megías, betont. Die Organisation habe sich auf die schwerwiegendsten Fälle beschränkt. In der Region Murcia sind das wie im Vorjahr und den Jahren davor die Bucht von Portmán in La Unión und das Mar Menor, das sich die Gemeinden Cartagena, San Javier, Los Alcázares und San Pedro del Pinatar teilen.

Umweltverschmutzung an Costa Cálida: Bucht Portmán ist eine der größten Umwelttragödien Europas

Portmán trägt schwarz wegen Verschmutzung. Ecologistas en Acción bezeichnet die Bucht in La Unión als eine der größten Umweltkatastrophen Europas. Während des Bergbau-Booms Mitte des 20. Jahrhunderts wurden um die 60 Millionen Tonnen hochgiftigen Abraums aus den Minen in der Sierra Minera in der Bucht abgeladen. Die mit Schwermetallen kontaminierten Gesteinsmassen, die nach dem Waschen von Eisenerz zurückblieben, sammelten sich und verschoben das Meeresufer um 600 Meter.

Portman steht praktisch auf hochtoxischem Grund. Schwermetalle gelangen kontinuierlich ins Mar Menor und ins Mittelmeer. Auch aus den vielen offenen Waschanlagen in der Sierra Minera werden Schwermetalle durch Regenwasser und Wind in die Umgebung und ins Meer getragen. Die Becken wurden bisher weder instand gesetzt noch versiegelt, moniert Ecologistas en Accion. Weder der frühere Besitzer, das französische Bergbauunternehmen Peñarroyo, noch der heutige Eigentümer, Portmán Golf, werden zur Verantwortung gezogen.

Umweltverschmutzung an Costa Cálida: Zerstörung des Mar Menor beginnt schon in den 50er Jahren

Zentral-, Landes- und Stadtregierung stellten die Regenerierung der Bucht und der Sierra Minera zwar immer wieder in Aussicht. Doch passiert ist bisher: nichts. Technische Schwierigkeiten legten 2019 die Vorhaben lahm, Portmán zu dekontaminieren und die 80 Waschanlagen in der Sierra Minera zu versiegeln.

Schwarz trägt auch das Mar Menor wegen schlechten Umwelt-Managements. Die Umwelttragödie beginnt bereits in den 50er Jahren mit dem einsetzenden Tourismus. Die Küste wird zugebaut mit Wohnsiedlungen, Strandpromenaden und Sporthäfen. Gleichzeitig verschwinden Feuchtgebiete. In den 70er Jahren kommt mit der Eröffnung des Überlandkanals Tajo-Segura, der Wasser aus dem Fluss Tajo nach Murcia fließen lässt, eine immer intensiver werdende Landwirtschaft hinzu. Wasser, das mit Nitraten aus den Düngern kontaminiert ist, wird ins Mar Menor geleitet und sickert ins Grundwasser.

Umweltverschmutzung an Costa Cálida: Aktivisten prangern Untätigkeit der Verantwortlichen an

In dem Binnenmeer entsteht ein Überangebot an Nährstoffen, das die Algenproduktion explodieren und das Ökosystem im Sommer 2016 umkippen lässt. Die grün-braune Lagune und tonnenweise tote Fische im Oktober 2019 bringen das Mar Menor in die Schlagzeilen, auch international.

Obwohl Wissenschaftler die Katastrophen voraussagen, passiert: nichts. Es werden zwar Sofortmaßnahmen beschlossen, ein wissenschaftliches Komitee ins Leben gerufen, das Motto „Null Verschmutzung“ ausgegeben – alles zur Rettung des Mar Menor. Nur umgesetzt wird bisher nichts. Weiterhin sickern Nitrate ins Mar Menor. Derweil schieben sich Zentral- und Landesregierung die Verantwortung gegenseitig zu.

Die Klagen von Umweltschutzorganisationen wie Ecologistas en Acción und Bürgerbewegungen beschäftigen die Gerichte. Sie fordern, die Wurzel des Problems anzugehen und den weiteren Eintrag von Nitraten zu verhindern, unter anderem, indem die Anbauflächen reduziert, die Verwendung von Düngemitteln beschränkt, grüne Filter, Feuchtgebiete und Hecken angelegt und die Schadstoffe aufgefangen werden.

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